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Angriff auf das World Trade Center in New York am 11. September 2001. Bild: Getty Images North America

Brisante Anschuldigungen

Haben saudische Prinzen die 9/11-Anschläge finanziert? Geheimer Bericht soll veröffentlicht werden

Die Aussage eines verurteilten Terroristen sorgt in den USA für Furore. Hochrangige Mitglieder des saudischen Königshauses hätten in den 90er Jahren das Terrornetz Al Kaida finanziert.



Die Terroranschläge vom 11. September 2001 sind für die USA eine offene Wunde. Die 19 Attentäter sind tot, ebenso ihr mutmasslicher Auftraggeber, Al-Kaida-Chef Osama bin Laden. Doch längst nicht alle Aspekte sind aufgeklärt. So hält sich hartnäckig der Verdacht, Al Kaida und damit auch die Anschläge seien mit Ölmillionen aus Saudi-Arabien finanziert worden. 14 der 19 Attentäter stammten aus dem Königreich, auch bin Laden ist dort aufgewachsen.

Nun sorgt eine Aussage des Terroristen Zacharias Moussaoui für Furore. Prominente Mitglieder der saudischen Königsfamilie sollen demnach das Terrornetzwerk in den 1990er Jahren finanziell unterstützt haben. Das behauptete Moussaoui in einem Brief an einen Richter an einem US-Bundesgericht in New York. Dort wird derzeit ein Zivilprozess verhandelt, den Angehörige der 9/11-Opfer gegen Saudi-Arabien angestrengt haben. 

FILE - In this undated file photo provided by the Sherburne County Sheriff Office, Zacarias Moussaoui is shown. Moussaoui, known as the

Zacharias Moussaoui, der 20. 9/11-Attentäter. Bild: AP/Sherburne County Sheriff Office

Moussaoui behauptet laut US-Medien, er sei Ende der 1990er Jahre von Osama bin Laden beauftragt worden, in einem Toshiba-Computer eine Datenbank der Al-Kaida-Geldgeber anzulegen. Darunter hätten sich bekannte Namen befunden: Prinz Turki al-Faisal, der damalige Chef des saudischen Geheimdienstes, Prinz Bandar bin Sultan, langjähriger Botschafter Saudi-Arabiens in Washington, und Prinz al-Walid bin Talal, ein Milliardär und Finanzinvestor.

«Ein geistesgestörter Krimineller»

Alle drei gelten als prowestlich, was Moussaouis Aussage besonders brisant macht. Prinz Bandar wird wegen seiner Nähe zum Bush-Präsidentenclan sogar spöttisch «Bandar Bush» genannt. Zacharias Moussaoui behauptet weiter, er sei wiederholt als Kurier von Osama bin Laden nach Saudi-Arabien gereist und habe Mitglieder der Königsfamilie getroffen. Ausserdem will er mit einem Mitarbeiter der Botschaft in Washington über einen Plan diskutiert haben, die US-Präsidentenmaschine «Air Force One» mit einer Stinger-Rakete abzuschiessen.

FILE - In this Wednesday, June 4, 2008 file photo, Saudi Prince Bandar bin Sultan is seen at his palace in Riyadh, Saudi Arabia. The Saudi Press Agency said late Monday, June 30, 2014 that King Abdullah named the former intelligence chief, Bandar bin Sultan, as adviser and special envoy to the king. Bandar was ambassador to the U.S. for 22 years before becoming director general of Saudi Intelligence Agency in July 2012. He played a key role in overseeing the kingdom's support for Syrian rebels before being relieved of his post earlier this year. (AP Photo/Hassan Ammar, File)

Prinz Bandar bin Sultan war 22 Jahre saudischer Botschafter in den USA. Bild: Hassan Ammar/AP/KEYSTONE

Zacharias Moussaoui ist nicht irgendwer. Der Franzose marokkanischer Abstammung gilt als der 20. Attentäter des 11. September 2001. Rund einen Monat vor den Anschlägen wurde er verhaftet, weil er Flugstunden genommen und sich dabei auffällig verhalten hatte. 2006 wurde er zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt, die er in einem Hochsicherheitsgefängnis im Bundesstaat Colorado absitzt. 

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Die saudische Botschaft wies die Anschuldigungen kategorisch zurück. Moussaoui sei erwiesenermassen «ein geistesgestörter Krimineller». Tatsächlich hatte er schon früher ziemlich wirre Aussagen gemacht. Zeugen der Verteidigung erklärten im Prozess 2006, er leide an paranoider Schizophrenie. Die vorsitzende Richterin Leonie Brinkema bezeichnete ihn laut «New York Times» jedoch als «vollkommen zurechnungsfähig» und «extrem intelligent».

Bush erklärt 28 Seiten für geheim

Ob wahrheitsgetreu oder nicht: Die Aussage von Zacharias Moussaoui verleiht einer seit Jahren erhobenen Forderung neuen Auftrieb. Es geht um 28 Seiten aus dem Untersuchungsbericht der Geheimdienstausschüsse im US-Kongress zum 11. September 2001. Angeblich werden darin prominente Saudis als Terror-Financiers geoutet. Die Seiten wurden auf Anordnung des damaligen Präsidenten George W. Bush für geheim erklärt und nicht veröffentlicht.

Leaders of the Joint Congressional Inquiry into the events of 9/11, (L-R) House Minority leader Nancy Pelosi, representative Porter Goss, Senator Richard Shelby and Senator Bob Graham discuss the just released report in Washington 24 July 2003. (KEYSTONE/EPA/DAVID BRODY)

Senator Bob Graham (r.) bei der Veröffentlichung des unvollständigen Kongressberichts. Bild: EPA

Der frühere Senator Bob Graham aus Florida leitete die Untersuchung, er verlangt seit Jahren die Veröffentlichung der ominösen 28 Seiten. «Sie beziehen sich darauf, wer 9/11 finanziert hat, und starke Indizien deuten auf Saudi-Arabien als wichtigsten Geldgeber hin», sagte Graham im Januar. Nun fordern weitere Kongressmitglieder Präsident Barack Obama auf, die Seiten freizugeben.

Veröffentlichung wird geprüft

Ein Sprecher des Weissen Hauses sagte der «New York Times», die Aufhebung der Geheimhaltung werde geprüft, doch dieser Prozess sei noch im Gang. Kritiker vermuten, die Regierung wolle die brisanten Seiten aus Rücksicht auf den wichtigen Verbündeten Saudi-Arabien weiterhin unter Verschluss halten. Die saudische Regierung allerdings hat sich für die Veröffentlichung ausgesprochen, um die «unbegründeten Anschuldigungen» zu widerlegen.

Die Angehörigen der 9/11-Opfer, die den Prozess in New York ins Rollen brachten, verlangen ebenfalls, dass die 28 Seiten ans Licht kommen. Obama habe ihm persönlich versichert, dass er sich dafür einsetzen werde, sagte William Doyle, dessen Sohn im World Trade Center ums Leben kam, der «New York Times». Er glaubt, dass damit auch die Herkunft der Gelder für heutige Terroraktivitäten geklärt werden könnte: «Wenn wir diese Leute zur Rechenschaft zögen, könnten wir dann nicht auch gegen die Finanzierung des heutigen Terrorismus vorgehen?»

One World Trade Center

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14 Jahre nach 9/11: Alles bereit für die Einweihung der spektakulärsten Aussichtsplattform der Welt
quelle: epa/epa / stephen chernin
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