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Obama verzögert US-Truppenabzug aus Afghanistan



FILE - In this Friday, Oct. 9, 2015, file photo, President Barack Obama returns a salute prior to boarding Air Force One before his departure from Andrews Air Force Base, Md. Obama will keep 5,500 U.S. troops in Afghanistan when he leaves office in 2017, according to senior administration officials, casting aside his promise to end the war on his watch and instead ensuring he hands the conflict off to his successor. (AP Photo/Pablo Martinez Monsivais, File)

Bild: Pablo Martinez Monsivais/AP/KEYSTONE

US-Präsident Barack Obama verzögert nach Angaben aus Regierungskreisen in Washington den Abzug der US-Truppen aus Afghanistan. Nach neuen Plänen soll die derzeitige Stärke von etwa 9800 US-Soldaten in Afghanistan für den Grossteil des kommenden Jahres beibehalten werden.

Das sagte ein ranghoher Regierungsbeamter am Donnerstag. Ende 2016 oder erst Anfang 2017 solle die Stärke dann auf rund 5500 Soldaten reduziert werden.

Obama will um 17 Uhr MESZ vor die Kameras treten, um seine Entscheidung zu einem langsameren Abzug der US-Truppen aus Afghanistan offiziell zu verkünden. An der Erklärung im Weissen Haus würden auch Vizepräsident Joe Biden, Verteidigungsminister Ashton Carter und Generalstabschef Joseph Dunford teilnehmen, teilte Obamas Regierung mit.

Der Präsident habe die Entscheidung nach einer «ausführlichen, monatelangen Überprüfung» der bisherigen Afghanistan-Politik und in Abstimmung mit «seinem kompletten Team für die nationale Sicherheit und unseren afghanischen Partnern» getroffen.

Angesichts der jüngsten Offensive der radikalislamischen Taliban hatte sich der US-Oberkommandierende in Afghanistan, John Campbell, kürzlich für einen langsameren Abzug ausgesprochen. Nach den bisherigen Plänen hätte die US-Armee nach seiner Einschätzung für die Zeit nach 2016 nur «sehr begrenzte Fähigkeiten» in Afghanistan.

«Kampfeinsatz beendet»

Bis zum Ende von Obamas Amtszeit Anfang 2017 hätte die Truppenstärke eigentlich auf rund tausend Soldaten sinken sollen. Diese sollten vor allem in der Botschaft in Kabul stationiert sein.

Die rund 5500 US-Soldaten, die Anfang 2017 am Hindukusch noch im Einsatz sein sollen, werden den Angaben zufolge in wenigen Stützpunkten stationiert – darunter die Luftwaffenbasis Bagram, Dschalalabad im Osten und Kandahar im Süden Afghanistans. Aus US-Kreisen hiess es, dass der Auftrag des US-Militärs gleich bleiben werde.

«Diese Ankündigung ändert in keiner Weise die Tatsache, dass unser Kampfeinsatz in Afghanistan beendet ist», sagte ein Regierungsbeamter. «Wir werden weiterhin nur zwei eng bestimmte Missionen ausführen: den Anti-Terror-Kampf sowie die Ausbildung, Beratung und Unterstützung unserer afghanischen Partner.»

Obama hatte vor seinem Amtsantritt Anfang 2009 versprochen, den von seinem Vorgänger George W. Bush geerbten US-Militäreinsatz am Hindukusch zu beenden. Nun wird der Präsident das Afghanistan-Dossier auch seinem Nachfolger oder seiner Nachfolgerin hinterlassen.

Sicherheitslage zusehends schlechter

Zum Jahreswechsel war der NATO-geführte Kampfeinsatz nach 13 Jahren zu Ende gegangen. Die Folgemission «Resolute Support» legt den Schwerpunkt auf die Ausbildung und Beratung der afghanischen Armee und Polizei, die für die Sicherheit im Land nun selbst verantwortlich sind. Insgesamt sind noch etwa 13'000 NATO-Soldaten im Land.

Die Sicherheitslage in Afghanistan verschlechterte sich zuletzt allerdings zusehends. Vergangenen Monat nahmen Taliban-Kämpfer in einer Blitzoffensive das nordafghanische Kundus ein. Die afghanischen Sicherheitskräfte konnten die Stadt erst nach mehreren Tagen mit internationaler Unterstützung zurückerobern.

Seit Beginn des Einsatzes nach den Anschlägen vom 11. September 2001, als die damals in Kabul herrschenden Taliban die Auslieferung der Al-Kaida-Führung verweigerten, sind mehr als 2000 US-Soldaten getötet worden. (sda/afp)

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