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Warum die ukrainischen Drohnenpiloten ein Leben lang schweigen müssen

Ein Löschhelikopter ist nach einem ukrainischen Drohnenangriff im Einsatz, während schwarzer Rauch aus der Ölraffinerie Gazprom Neft in Moskau aufsteigt, am 18. Juni 2026.
Ein Löschhelikopter ist nach einem ukrainischen Drohnenangriff im Einsatz, während schwarzer Rauch aus der Ölraffinerie Gazprom Neft in Moskau aufsteigt, am 18. Juni 2026.
bild: imago / Sefa Karacan Anadolu

Warum ukrainische Drohnenpiloten ein Leben lang schweigen müssen

Sie greifen tief in russischem Gebiet und bis nach Moskau an, leben aber in absoluter Geheimhaltung: Ukrainische Drohnenpiloten erzählen von ihrem Alltag, der von Diskretion, Sicherheitsregeln und Wachsamkeit geprägt ist.
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04.07.2026, 20:5004.07.2026, 20:50
Ania TSOUKANOVA und Mykola ZAVGORODNIY, Kiew, Ukraine / AFP

Verschlüsselte Kommunikation, Angehörige, die nichts von ihrem Auftrag wissen, Barzahlungen: Ukrainische Soldaten, die an jüngsten Drohnenangriffen auf Moskau beteiligt waren, erzählen in einem seltenen Gespräch von ihrem Leben «im Schatten».

Denys (Name geändert) ist seit 2025 an Langstreckenangriffen beteiligt. Seine Freunde und selbst seine Eltern wissen jedoch nichts davon. Grund dafür sind die äusserst strengen Sicherheitsregeln in seiner Einheit.

Übersetzung

Dieser Text wurde von unseren Kolleginnen und Kollegen aus der Romandie geschrieben, wir haben ihn für euch übersetzt.

Erfolge, die ein Leben lang geheim bleiben müssen

Die Botschaft ist einfach: «Fall nicht auf, prahle nicht. Du wirst nie über deine Verdienste sprechen können, auch nicht nach dem Krieg», fasst der Soldat in seinen Dreissigern zusammen.

Der frühere Marineinfanterist dient im Zentrum Nr. 1 der ukrainischen Drohnenstreitkräfte. Dieses war an den spektakulärsten Angriffen gegen Russland beteiligt, insbesondere im Juni gegen Moskau und St.Petersburg.

Mehr als vier Jahre nach Beginn der russischen Invasion, die in der Ukraine Zehntausende, wenn nicht Hunderttausende Tote gefordert hat, hat Kiew diese Langstreckenangriffe seit Monaten intensiviert.

Die ukrainische Armee greift inzwischen fast jede Woche Raffinerien, Pipelines und Öldepots in Russland an. Damit will sie Moskau Einnahmen aus dem Verkauf von Erdölprodukten entziehen, die insbesondere zur Finanzierung des Kriegs in der Ukraine seit 2022 dienen.

Diese Angriffe lösen häufig riesige Brände aus, die aus mehreren Kilometern Entfernung sichtbar sind. Ihre Auswirkungen auf die russische Produktion bleiben jedoch schwer einzuschätzen. Denys sagt:

«Wir sind ein sehr gesuchtes und vorrangiges Ziel für den Feind.»
De la fumée s'élève après une attaque ukrainienne par drone contre le port pétrolier de Touapsé, dans la région russe de Krasnodar (sud).
Rauch steigt nach einem ukrainischen Drohnenangriff auf den Ölhafen von Tuapse in der südrussischen Region Krasnodar auf.
bild: imago / Boris Morozov

Ein Leben im Schatten

Die Namen und selbst das genaue Alter dieser Soldaten bleiben geheim. Fotografieren oder filmen darf man sie nur mit verdecktem Gesicht. Journalisten mussten strenge Sicherheitsprotokolle befolgen, um im Mai seltenen Zugang zu einem Startplatz für Langstreckendrohnen zu erhalten.

«Wir kennen den Preis, den das für unsere Angehörigen und für uns selbst haben kann», sagt ein weiterer Soldat des Zentrums Nr. 1 mit dem Kampfnamen Voron («Rabe»). Er ist verheiratet und hat ein Kind.

Daher sei es eine «bewusste Entscheidung, im Schatten zu bleiben», ergänzt der langhaarige Mann, der vor der Invasion Maler war. Seine Frau ahne, was er tue, aber sie «stellt keine Fragen».

Seine Kameraden und er vermeiden es, auch nur entfernt mit den «Deep Strikes» in Russland in Verbindung gebracht zu werden, die in den ukrainischen sozialen Netzwerken viele lobende Kommentare bekommen. Der Soldat erklärt:

«Alle meine Angehörigen und Freunde glauben, dass ich immer noch bei den Spezialkräften bin.»

Viele Vorsichtsmassnahmen, um unauffällig zu bleiben

In den sozialen Netzwerken schreibt er weiter auf den Seiten seiner früheren Einheit oder veröffentlicht Fotos mit deren Abzeichen. Die Sicherheit bei der Kommunikation ist zentral.

Ob im Einsatz oder nicht: Die Telefone – auch private – bleiben dauerhaft im Flugmodus und funktionieren nur mit mobilen Routern, welche die Soldaten bei sich tragen, wie die beiden Drohnenpiloten und ein Mitglied des ukrainischen Militärgeheimdienstes GUR schildern. Der GUR-Soldat mit dem Kampfnamen Wolf erklärt:

«Im Alltag würdet ihr uns nicht erkennen. Es gilt maximale Diskretion, um wie gewöhnliche Menschen zu wirken.»

Voron ergänzt: «Man stellt sich uns als eine Art Kommando in Tarnkleidung vor, dabei bewegen wir uns in Wirklichkeit in Hemd und Jeans.»

An Tankstellen, in Geschäften oder auf der Strasse gibt es keine Gespräche über Einsätze. Wörter wie «Start» oder «Flügel» sind zu vermeiden. Bankkarten zum Bezahlen und Kundenkarten, die in der Ukraine sehr beliebt sind, weil man damit beim Benzin sparen kann, sind verboten.

Der Traum von einer vollständigen Niederlage Russlands

Die gesamte militärische Kommunikation läuft über verschlüsselte Telefone, die von der Einheit bereitgestellt werden und mit einer ebenfalls verschlüsselten Software für den Austausch ausgestattet sind. Besonderes Augenmerk gilt Geräten mit Geolokalisierung, die strikt verboten sind.

Kommt es zu einem Vorfall, müssen die beteiligten Personen einen Lügendetektortest machen, um ein Informationsleck auszuschliessen. Solche Tests werden auch bei einigen neuen Rekruten eingesetzt.

Un camion-citerne russe en feu. Des images faisant état d'attaques présumées contre les voies d'approvisionnement russes sont publiées sur les réseaux sociaux.
Ein brennender russischer Tanklastwagen. Ukrainische Angriffe auf russische Versorgungswege setzen den Kreml seit diesem Frühling unter Druck.
bild: x.com / OSINT

Wird ein Team entdeckt, kann es innert weniger Minuten von einer russischen Rakete oder Drohne getroffen werden. Solche Vorfälle hätten bereits Verletzte und Tote gefordert, räumt der GUR-Soldat ein.

Der Ausbau der Langstreckenangriffe, die laut Denys inzwischen zu einer «gewissen Routine» gehören, war von Kampagnen mit Mittelstreckenangriffen auf die russische Luftverteidigung vorbereitet worden.

Heute fehlten nicht mehr Drohnen, sondern «die Stunden am Tag», um sie zu starten, sagt Denys. Er hofft, eines Tages den Kreml zu treffen, und träumt von einer «vollständigen Niederlage Russlands».

Langstreckenangriffe seien für die Russen wie «Eis, das unter den Füssen bricht». Er schliesst: «Wir tun alles, damit es nachgibt.»

Russisches Narrativ zum Ukraine-Krieg widerlegt
Der Einzige, der den Ukraine-Krieg sofort beenden kann, ist der russische Despot Wladimir Putin. Der Kreml-Chef hatte 2022 die völkerrechtswidrige Invasion des Nachbarlandes befohlen und könnte jederzeit den Rückzug der russischen Truppen aus den (zum Teil seit 2014) besetzten ukrainischen Gebieten anordnen.

Der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) hat 2023 einen Haftbefehl gegen Putin erlassen. Er beruht auf dem begründeten Verdacht, dass der russische Präsident für massenhafte Deportationen ukrainischer Kinder nach Russland verantwortlich ist.

Putin hat als russischer Oberbefehlshaber auch zahlreiche von russischen Soldaten in der Ukraine begangene Kriegsverbrechen zu verantworten, wie die Vergewaltigung und Ermordung von Frauen und Kindern. Zudem ist er für den Bombenterror gegen die ukrainische Zivilbevölkerung verantwortlich.

(dsc)
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quelle: keystone / bo amstrup
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9 Kommentare
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Steibocktschingg
04.07.2026 21:06registriert Januar 2018
Wenn lebenslange Geheimhaltung der Preis ist, der bezahlt werden muss um Russland in die Knie zu zwingen, dann ist das ein eher geringer Preis.

Weiter so, Drohnenpiloten, schiesst den Invasoren ihre militärische Infrastruktur endgültig zu Klump und ja, auch den Kreml bitte. Schade um dieses historische Gebäude, aber das war es auch schon.
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HappyUster
04.07.2026 21:02registriert August 2020
Wahnsinn! So ein Einblick bei den Spezialisten zu erhalten.
Und sie machen einen super Job. Weiter so und slava Ukraine.
471
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Viva Svizzera
04.07.2026 21:10registriert März 2023
„Er hofft, eines Tages den Kreml zu treffen…"

Ich bin überrascht, dass das bisher noch nicht geschehen ist.
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