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«Merkels Tote»? Kurt Krömers feiner Facebook-Konter gegen einen AfD-«Klappspaten»



Berlin trauert

Der gemeine islamistische Hassprediger funktioniert im Prinzip exakt gleich wie der banale rechte Störsender.

Der eine Fundamentalist behauptet, der dekadente Westen passe nicht zu seiner (Interpretation von) Religion und habe sich seit der Kolonialzeit auf die Fahnen geschrieben, den guten und gerechten Muslim systematisch auszubeuten und zu unterdrücken.

Der andere Fundamentalist schert 1,6 Milliarden Menschen über einen Kamm und behauptet, Islam sei dasselbe wie Islamismus und dass der gute und gerechte Westler systematisch unterwandert und angegriffen werde.

Wenn man nun Marcus Pretzell einordnen müsste, würde der Deutsche in letzterer Gruppe landen: Der AfD-Politiker lässt keine Gelegenheit aus, um die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung zu kritisieren und bezeichnet Kanzlerin Merkel auf Facebook schon mal als «gefährlich irre oder wahlweise auch irre gefährlich».

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Flüchtlinge im Visier: Marcus Pretzell ...

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... von der AfD auf Facebook.

Pretzell meldete sich dann auch nach dem Attentat von Berlin zu Wort. Auf Twitter fragte er, wann «die Heuchelei» aufhöre und der deutsche Rechtsstaat «zurückschlage». Das tönt taff, das wirkt stark – das ist populistisch. Ziemlich konkret ist dagegen dieser Satz: «Es sind Merkels Tote.» 

Dass das politische Berlin von dieser Aussage empört ist, wie das «Handelsblatt» berichtet, liegt auf der Hand. Die beste Antwort gab Pretzell aber einer, der nicht im Reichstag oder in den Parteizentralen sitzt: Comedian Kurt Krömer, ein waschechter «Balina»:

Krömer hat einen Punkt: Der grausame Anschlag wird gnadenlos dazu genutzt, die eigene politische Marschrichtung zu rechtfertigen. Das zeigt sich auch auf Pretzells Facebook-Seite, wo der Mann behauptet, deutsche Medien hätten ihren Lesern Fakten vorenthalten.

«Es ist unfassbar schäbig, mittels ideologischer Hetze aus dem fürchterlichen Anschlag in Berlin politisches Kapital schlagen zu wollen.»

Kurt Krömers Replik auf Pretzells Tweet.

Ein frühes Tat-Bekenntnis von «ISIS» etwa – das nicht ungeprüft übernommen wird, um keine «Werbung» für solche Gruppen zu machen. Oder dass es sich um Absicht handelte, weil der polnische LKW erst nicht auf einen islamistischen Anschlag hindeutete. Ein Unfall konnte also nicht ausgeschlossen werden.

Optionen offenhalten und Zurückhaltung üben, bis Gewissheit besteht, ist aber nicht Pretzells Sache:

«Die deutsche Ignoranzgesellschaft liess sich derweil von Medien, ‹die schon länger in dem Land berichten, wo einst Deutsch gesprochen wurde›, die Hoffnung einhämmern, dass die Opfer Ergebnis von vielleicht Bremsversagen (also vermutlich politisch korrektem deutschen Technologieversagen) oder Ähnlichem seien.»

Marcus Pretzell am 20. Dezember auf Facebook

Dass es eine islamistische Gefahr gibt, ist unbestritten. Auch ein Kurt Krämer schreibt, Deutschland sei «wenn überhaupt im Krieg mit dem Terror». Aber das Problem ist leider auch, dass mit dem einen Fundamentalisten auch der andere Fundamentalist ins Rampenlicht tritt.

Neben wütenden Reaktionen deutscher Bürger hat sich Pretzell mit seinem Tweet auch juristisch in eine Grauzone begeben: Die Polizei prüft, ob die Aussage strafrechtliche Folgen haben wird.

(phi, auch via Meedia)

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