International
Deutschland

Merkel will Maassen Medienberichten zufolge entlassen

Nach dem «Hetzjagd»-Debakel: Merkel will Geheimdienstchef Maassen offenbar entlassen

17.09.2018, 11:3717.09.2018, 11:41

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel soll sich für die Ablösung von Verfassungsschutz-Präsident Hans-Georg Maassen entschieden haben. Das berichtete die Zeitung «Welt» am Montag.

epa07012865 Hans-Georg Maassen, President of the German Federal Office for the Protection of the Constitution, arrives to the autumn reception of German federal security authorities in Berlin, Germany ...
Nach umstrittenen Aussagen zu den Vorfällen in Chemnitz findet die Bundeskanzlerin den Verfassungsschutz-Präsident wohl nicht mehr tragbar.Bild: EPA/EPA

Die Kanzlerin habe führenden Mitgliedern ihrer Koalition am Wochenende in Telefonaten signalisiert, dass sie Maassens Ablösung erreichen wolle, hiess es unter Berufung auf Koalitionskreise. Die Ablösung des Geheimdienstchefs soll demnach in jedem Fall erfolgen, unabhängig davon, wie sich Innenminister Horst Seehofer dazu stelle.

Zuvor hatte Merkel betont: Die grosse Koalition werde nicht am Streit um den Präsidenten des Verfassungsschutzes zerbrechen. Watson berichtete hier: 

Merkel ist laut «Welt» nun aber doch der Auffassung, der Behördenleiter sei nicht mehr tragbar, weil er sich in die Tagespolitik eingemischt habe. Maassen hatte in der «Bild»-Zeitung Skepsis darüber äusserte, ob es in Chemnitz tatsächlich zu «Hetzjagden» gegen Flüchtlinge und ausländisch aussehende Mitbürger gekommen sei.

Regierung äussert sich bisher nicht

Die Regierung lehnte eine Stellungnahme zu dem Bericht ab. In Regierungskreisen hiess es am Montag in Berlin lediglich, nach wie vor gelte die Position Merkels vom vergangenen Freitag. Dabei hatte sie auf ein Spitzengespräch am kommenden Dienstag verwiesen.

Dabei treffen sich im Kanzleramt Merkel, Seehofer sowie die SPD-Vorsitzende Andrea Nahles. Diese hatte am Wochenende gesagt: «Herr Maassen muss gehen und ich sage euch, er wird gehen.» Seehofer hatte dagegen am Samstag betont, er sehe keinen Grund für eine Entlassung des Verfassungsschutzpräsidenten. (sda/afp/reu)

Rechtsextreme in Chemnitz bedrohen Journalisten

Video: watson/felix huesmann, lia haubner, marius notter
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
51 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Rim
17.09.2018 13:01registriert Februar 2018
Wenn ein Präsident des Verfassungsschutzes - in einer politisch äusserst sensiblen Angelegenheit - mit "Vermutungen" zur Presse läuft, ist das völlig unprofessionell und dummdreist. Das reicht allemal zur Begründung einer Absetzung. Korrekt wäre: Maassen legt Seehofer und den entsprechenden Gremien BEWEISE vor. Diese hätten dann die Oeffentlichkeit entsprechend informiert. So läuft das in einem Rechtsstaat. (Maassens "Intervention" zeugt von einem seltsamen Rechtsstaats-Verständnis und dieses wird (wen wundert s) von Weidel = Merkel muss weg- und der AfD geteilt.
00
Melden
Zum Kommentar
avatar
mrbios
17.09.2018 13:13registriert September 2018
Ob links oder rechts spielt hier keine Rolle. Es geht nur darum Kritiker aus dem Weg zu Räumen. Für die AFD wird dieser Entscheid einmal mehr in die Hände spielen. Ob man Zusammenstösse, wie sie an einem Derbie passieren, als Hetzjagt bezeichnen kann ist durch aus in Frage zu stellen. Wo sind die Beweise?
00
Melden
Zum Kommentar
avatar
Valius
17.09.2018 15:29registriert September 2018
Klar ist das Video nicht schön. Doch was ist die genaue Bezeichnung von einer Hetzjagd? Solche Bilder sehe ich an beliebigen Festen, beim Fußballstadion, an der Fasnacht. Scharmützel gibt es halt. Warum die eine "Hetzjagd" politisch total ausgeschlachtet wird und andere "Hetzjagten" offensichtlich in Ordnung gehen, wirft, wie in vielen ähnlichen Beispielen auch, Fragen auf. Es ist völlig klar, dass was in Deutschland passiert, die große Koalition zu verantworten hat. Das was passiert, passiert ja nicht einfach so. Die Gründe sind Jahre vorher zu suchen.
00
Melden
Zum Kommentar
51
Obamas rufen zu friedlichem Protest nach Todesschüssen auf
Ex-US-Präsident Barack Obama und seine Frau Michelle rufen nach dem Tod des US-Bürgers Alex Pretti in Minneapolis zu öffentlichem Protest auf. Jede Amerikanerin und jeder Amerikaner sollte die Welle friedlicher Proteste in der Stadt im Norden der USA und anderen Teilen des Landes unterstützen und daraus Inspiration schöpfen, schrieb das Ehepaar in einem gemeinsamen Statement.
«Sie sind eine zeitgemässe Erinnerung daran, dass es letztlich an jedem und jeder von uns als Bürgerinnen und Bürgern liegt, gegen Ungerechtigkeit aufzustehen, unsere grundlegenden Freiheiten zu schützen und unsere Regierung zur Rechenschaft zu ziehen.»
Zur Story