Liegen hier zwei tote Frauen? Erst jetzt wird Epsteins Horror-Ranch durchsucht
Mitten in der Wüste von New Mexico liegt einer der rätselhaftesten Orte im Epstein-Skandal: die Zorro-Ranch, ein luxuriöses Landgut des verstorbenen Sexualstraftäters Jeffrey Epstein. Die amerikanische Öffentlichkeit rätselte lange, warum das FBI das abgelegene Anwesen trotz anonymer Hinweise auf mögliche Sexualverbrechen nie gründlich durchsucht hatte.
Neue Enthüllungen aus im Januar veröffentlichten Akten rücken die Ranch nun aber ins Visier der Ermittler.
In einem der freigegebenen E-Mails erhebt ein anonymer Erpresser den Vorwurf, Kenntnis davon zu haben, dass «zwei ausländische Frauen auf Befehl von Jeffrey Epstein in den Bergen rund um die Zorro-Ranch vergraben wurden», nachdem sie während Fetisch-Sex erwürgt worden seien.
Der Absender verlangt die Überweisung eines Bitcoins – umgerechnet rund 57'000 Franken – damit er die Informationen nicht veröffentlicht. Im Anhang des E-Mails sind auch Links zu Videos angefügt, die Epstein beim Sex mit Minderjährigen zeigen sollen – wobei die Links nicht Teil der publizierten Akten sind.
Die Ranch wurde längst weiterverkauft
Infolge dieser neuen Erkenntnisse hat das Parlament des US-Bundesstaats New Mexico letzten Monat ein Gesetz verabschiedet, das den Einsatz einer speziellen Epstein-Untersuchungskommission ermöglicht. Diese Woche hat der zuständige Generalstaatsanwalt Raúl Torrez nun offiziell mit der Durchsuchung der Zorro-Ranch begonnen.
Ganz so einfach ist dieses Unterfangen nicht. Denn Epsteins Nachlassverwalter haben das rund 31 Quadratkilometer grosse Landgut im Jahr 2023 an die Familie des bekannten konservativen Politikers Don Huffines verkauft.
Der Deal sorgte damals für Kritik: Huffines hatte den Kauf zunächst über eine anonyme Firma abgewickelt, und Beobachter vermuteten, dass das weitläufige Anwesen deutlich unter seinem Marktwert den Besitzer wechselte. Nach Angaben von Huffines hatte jedoch bis vor Kurzem nie eine Behörde um Zugang zur Ranch gebeten.
Jetzt aber haben alle Beteiligten erklärt, zusammenarbeiten zu wollen. Damit erhalten die Ermittler erstmals auch Zugang zur 2660-Quadratmeter grossen Luxusvilla, in der Prominente wie der Sprachwissenschafter Noam Chomsky oder der britische Ex-Prinz Andrew zu Gast waren.
Um Epsteins Vermögen wird noch gestritten
Epstein nutzte die Zorro-Ranch nicht nur als Wochenendresidenz. Gekauft hat er sie in den 90er-Jahren, weil in der Grossregion viele Wissenschafter wohnten. Gemäss Recherchen der «New York Times» war Epsteins ursprünglicher Plan, dort ein Eugenik-Projekt zur gezielten Verbreitung seiner DNA aufzubauen. Mehrere Frauen sollten auf der Ranch Kinder von ihm bekommen. Das Gelände sei wegen seiner Abgelegenheit besonders für diesen Plan geeignet.
Dazu kam es jedoch nie: Jeffrey Epstein starb 2019 offiziell kinderlos – auch wenn zuletzt Spekulationen über einen möglichen heimlichen Sohn aufkamen. Kurz vor seinem Tod hatte er sein Vermögen in einen Trust auf den U.S. Virgin Islands übertragen und ein Testament unterzeichnet. Darin wurde unter anderem seine damalige Partnerin Karyna Shuliak als Begünstigte aufgeführt. Sie hätte gemäss Epsteins Plänen Ansprüche im Wert von rund 100 Millionen Dollar haben sollen.
Bald sind wohl Ferien im Horror-Haus buchbar
Das Geld erhielt die Weissrussin bisher nicht. Nach Epsteins Tod wurde sein Nachlass von Verwaltern kontrolliert, während zahlreiche Opfer Klagen einreichten. Ein grosser Teil des 577-Millionen-Vermögens floss schliesslich in einen Entschädigungsfonds, aus dem hunderte Betroffene Zahlungen erhielten.
Rund 120 Millionen verbleibende Dollar sind noch Teil eines Gerichtsverfahrens, wobei unklar ist, ob Epsteins Hinterbliebene jemals etwas davon erhalten werden. Zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung eine Rolle spielen dürfte, wie sich Ex-Partnerin Karyna Shuliak nächsten Donnerstag verhält, wenn sie vor dem Kongress aussagen muss.
Unabhängig davon gibt es für die Zorro-Ranch grosse Pläne. Der neue Besitzer Don Huffines kündigte an, das Anwesen bald unter dem Namen «San Rafael Ranch» neu zu nutzen, und zwar als christlichen Rückzugsort. Huffines hat auch bereits einen Plan fürs neue Eingangstor: Darüber soll künftig stehen: «Gesegnet seien jene, die im Namen des Herrn kommen».
(aargauerzeitung.ch)
