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Gesellschaft & Politik

US-Abgeordnete Omar bei Auftritt in Minneapolis angegriffen

Rep. Ilhan Omar, D-Minn., speaks during a town hall in Minneapolis, Tuesday, Jan. 27, 2026. (Richard Tsong-Taatarii/Star Tribune via AP)
Ilhan Omar
Ilhan Omar kurz vor dem Angriff bei ihrer Rede.Bild: keystone

Mit Flüssigkeit bespritzt: US-Abgeordnete Omar bei Rede in Minneapolis angegriffen

Die prominente demokratische US-Abgeordnete Ilhan Omar ist bei einem Auftritt in Minneapolis von einem Mann aus dem Publikum angegriffen worden.
28.01.2026, 05:0628.01.2026, 15:08

Omar forderte angesichts des brutalen Vorgehens der Sicherheitskräfte des Bundes in der Stadt gerade den Rücktritt von Heimatschutzministerin Kristi Noem, als der unbekannte Täter plötzlich aufstand, auf sie zu ging und sie mit einer nicht zu erkennenden Substanz anspritzte.

Videos des Vorfalls zeigen, wie der Angreifer eine Flüssigkeit auf Omar spritzt und sie beschimpft. Sicherheitskräfte überwältigen den Mann, bringen ihn zu Boden und führen ihn dann aus dem Raum. In den wenigen Sekunden, bevor ein Personenschützer eingreift, schien der Mann nicht zu versuchen, sich auf die unmittelbar vor ihm am Podium stehende Abgeordnete zu stürzen oder sie weiter tätlich anzugreifen.

Der Mann bespritzte Omar, rief ihr etwas zu und bewegte sich dann von ihr weg, ehe er überwältigt wurde.Video: watson/X

Omar setzte ihren Auftritt danach fort. Man dürfe Angreifern nicht das letzte Wort überlassen, sagte die 43-Jährige. Menschen wie der Täter verstünden nicht, dass der Bundesstaat Minnesota und seine Bürgerinnen und Bürger stark und widerstandsfähig seien. «Wir bleiben widerstandsfähig - was auch immer sie vielleicht auf uns schleudern», sagte Omar unter Jubel und Applaus der Anwesenden. «Ich werde meine Rede zu Ende führen.»

A man is tackled to the ground after spraying an unknown substance on U.S. Rep. Ilhan Omar, D-Minn., during a town hall on Tuesday, Jan. 27, 2026, in Minneapolis. (Richard Tsong-Taatarii/Star Tribune  ...
Sicherheitskräfte überwältigten den Angreifer.Bild: keystone

Auf der Plattform X schrieb sie später noch, ihr gehe es gut. Ein «kleiner Unruhestifter» werde sie nicht einschüchtern und davon abhalten, ihre Arbeit zu machen. Omar dankte den Bürgern ihres Wahlkreises, die zu ihr hielten. Ihr Büro erklärte, der Angreifer habe eine Spritze benutzt, um sie mit einer unbekannten Substanz anzuspritzen. Er sei festgenommen worden.

Trump greift Omar verbal immer wieder an

Der Sender ABC News berichtete, US-Präsident Donald Trump habe in einem Telefoninterview am Dienstagabend (Ortszeit) gesagt, dass er keine Videoaufnahmen zu dem Angriff gesehen habe. «Ich halte sie für eine Betrügerin», bekräftigte Trump demnach seine bereits häufiger vorgebrachte Anschuldigung. Ohne Beweise dafür zu nennen, suggerierte er dem Sender zufolge auch, dass sie den Angriff inszeniert haben könnte: «Wie ich sie kenne, hat sie sich wahrscheinlich selbst besprühen lassen.»

Der US-Präsident greift die schwarze Abgeordnete immer wieder heftigst an. Mit Blick auf ihre somalische Wurzeln hat er der US-Bürgerin schon häufiger nahegelegt, sie solle nach Somalia «zurückgehen». Bisweilen bezeichnete er die linke Abgeordnete auch als «garstig» oder machte sich über das Kopftuch der Muslimin lustig. Kritiker bezeichnen solche Angriffe Trumps als rassistisch.

Für manche konservative Republikaner ist die Demokratin Omar ein beliebtes Feindbild - sie ist politisch weit links angesiedelt, eine erfolgreiche schwarze Muslimin und gibt sich trotz aller Kritik stets unbeugsam. Omar hat in der Vergangenheit auch von Morddrohungen gegen sie berichtet.

Minneapolis ist in Aufruhr

Die von Omar im Kongress vertretene Stadt Minneapolis befindet sich seit Wochen in Aufruhr. Grund ist ein massiver und oft brutal geführter Einsatz von hochgerüsteten Sicherheitskräften des Bundes, die Trumps rigorose Abschiebe-Politik durchsetzen. Die Stimmung in der Stadt ist – auch nach zwei Tötungen von US-Bürgern durch Sicherheitskräfte des Bundes – extrem angespannt.

Als Omar gerade acht Jahre alt war, floh ihre Familie aus Somalia, einem Krisenstaat am Horn von Afrika. Die heutige Abgeordnete zog dann 1997 mit ihrer Familie nach Minneapolis. Seit 2019 ist sie Abgeordnete im Repräsentantenhaus in Washington. (sda/dpa/con)

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70 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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El Dudo
28.01.2026 06:01registriert März 2020
Er hat sie angegriffen.
Man konnte zu diesem Zeitpunkt nicht erahnen um welche Flüssigkeit es sich handelt: hätte Gift oder etwas sehr äzendes sein können.
Den Narrativen gewisser Leute in den letzen Tagen folgend, müsste das jetzt doch reichen, den Angreifer auf der Stelle zu erschiessen? Sechs Kugeln, sieben? Oder auch zehn?
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Weisch na?
28.01.2026 06:28registriert November 2022
„Kritiker bezeichnen solche Angriffe Trumps als rassistisch.“ - Jede objektive Betrachtung kommt zum Schluss, dass dies Rassismus ist. Nur TACOs MAGA-Meute leugnet dies.
1979
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Violett
28.01.2026 05:49registriert Juni 2020
So geht Demokratie, nicht aufgeben und von nichts und niemanden vom Ziel abbringen lassen. Auch hier einmal mehr ein Beispiel von blindem Hass.
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