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Grossbritannien

Britische Labour-Partei schmeisst Ex-Chef Corbyn raus

Antisemitische Tendenzen: Britische Labour-Partei suspendiert Ex-Chef Corbyn

29.10.2020, 14:1629.10.2020, 15:29
FILE - In this Wednesday, Dec. 11, 2019 file photo, Labour Leader Jeremy Corbyn addresses an eve of poll rally in London. Britain
Jeremy CorbynBild: keystone

Der frühere britische Labour-Chef Jeremy Corbyn ist am Donnerstag im Streit um antisemitische Tendenzen von seiner Partei ausgeschlossen worden. Zuvor hatte ein Untersuchungsbericht festgestellt, dass die Partei und ihr Ex-Chef Diskriminierung gegen Juden zugelassen hätten.

Der Alt-Linke Corbyn hatte die Vorwürfe in weiten Teilen umgehend zurückgewiesen. Ein Parteisprecher sagte, die Entscheidung sei aufgrund der Reaktion getroffen worden. Unklar war zunächst, ob der Parteiausschluss noch überprüft wird.

Es habe Schikanen und Diskriminierungen gegeben, hatte zuvor die unabhängige britische Kommission für Gleichheit und Menschenrechte (EHRC) in ihrem Bericht mitgeteilt. Besonders in der Kritik steht in dem Report auch Corbyn, der von 2015 bis 2020 Chef der Partei war. Im April 2020 wurde der 71-Jährige von Keir Starmer abgelöst.

Es habe «unentschuldbare Fehler» gegeben, die auf einen Mangel an Bereitschaft zur Bekämpfung des Antisemitismus zurückzuführen seien, sagte die Vorsitzende der unabhängigen Kommission, Caroline Waters.

Corbyn wollte nicht alle Vorwürfe gelten lassen. Er sei «immer entschlossen gewesen, alle Formen des Rassismus zu beseitigen». Er bedauere aber, dass der Wandel so lange gedauert habe. Sein Nachfolger Starmer sprach von einem «Tag der Schande» für Labour. Die Partei muss nun binnen sechs Wochen einen Aktionsplan vorlegen.

Seit Jahren werfen Kritiker den britischen Sozialdemokraten antisemitische Tendenzen - etwa in Beiträgen in sozialen Medien - vor. Mehrere Abgeordnete verliessen aus Protest die Partei. 2018 räumte Corbyn ein, dass Disziplinarverfahren gegen antisemitische Parteimitglieder zu langsam und zaghaft betrieben worden seien.

Corbyn stand auch selbst häufig in der Kritik. So hatte er sich geweigert, sich bei Juden für antisemitische Tendenzen in seiner Partei zu entschuldigen. Kritiker warfen dem Alt-Linken auch eine einseitige Unterstützung der Palästinenser im Nahostkonflikt vor. Noch bevor er Labour-Chef wurde, bezeichnete er laut britischen Medien die im Gazastreifen herrschende Hamas, die unter anderem von der EU als Terrororganisation eingestuft wird, als «Freunde». (aeg/sda/dpa)

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22 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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phreko
29.10.2020 14:47registriert Februar 2014
Geil, wie da die Gazetten von Murdoch eine Kampagne fahren konnten. Bei den Tory's gibts 100mal schlimmer Mitglieder, welche aber von der geballten Boulevardmacht dieses verrückten Milliardärs geschützt werden. Funktioniert gleich wie bei Fox News und Trump...
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Bivio
29.10.2020 14:33registriert März 2018
Man suspendiert die Person, welche man vor knapp 10 Monaten zum Premierminister machen wollte?
Dass Labour ein Problem mit Antismetismus hat ist klar. Jedoch, dass plötzlich so hart durchgegriffen wird ist erstaundlich. Ich gehe davon aus, dass dies primär eine "Säuberung" innerhalb von Labour ist.
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pejewi
29.10.2020 15:01registriert September 2020
Ich nehme an er ist gegen Israel und Leute behaupten, dass sei Antisemitismus?

Und genial das ihm hier vorgeworfen wird, dass er sich nicht entschuldigt hat. Für etwas das er (seiner Meinung nach) nicht getan hat. Warum sollte er?
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