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Viele Briten bereuen den Brexit – und fordern nun den Wiedereintritt

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Eine Kundgebung für den EU-Wiedereintritt im Sommer in London.Bild: keystone

Viele Briten bereuen den Brexit – und wollen jetzt den EU-Wiedereintritt unter Burnham

Der Brexit brachte Grossbritannien zwar mehr Eigenständigkeit, aber auch verschärfte wirtschaftliche Probleme. Die Rufe nach einem Wiedereintritt in die EU mehren sich unter dem europafreundlichen Premier Andy Burnham, wie eine neue Umfrage deutlich aufzeigt.
03.10.2026, 12:3903.10.2026, 12:47

2016 stimmte Grossbritannien in einer Volksabstimmung für das Verlassen der Europäischen Union, 2020 wurde der Austritt umgesetzt. Seither geht es dem Land wirtschaftlich in vielen Beziehungen schlechter, wobei diese Entwicklungen nicht alleine auf den Brexit zurückzuführen sind, sondern teilweise auch auf Faktoren wie die Coronapandemie oder den russischen Überfall auf die Ukraine, welcher für erhöhte Energiepreise sorgte.

Trotzdem leidet Grossbritannien seit der Umsetzung des Austritts insbesondere unter den erschwerten Handelsbedingungen, den geringeren Investitionen aus dem EU-Raum und teilweisen Engpässen an Fachpersonal, da die Rekrutierung im EU-Raum deutlich schwieriger wurde. Nach dem vielversprechenden Amtsantritt des neuen Labour-Premiers Andy Burnham mehren sich nun die Forderungen nach einem Wiedereintritt des Vereinigten Königreichs in die EU.

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Zum Jahrestag der Brexit-Abstimmung versammelten sich in London zahlreiche Gegner, um für eine Wiederannäherung an die EU zu demonstrieren.Bild: keystone

Diese belegen neue Zahlen aus einer grossangelegten Umfrage der Messina Group (TMG), einer Beratungsfirma, über die der Guardian berichtet. Demzufolge zeigen fast 50 Prozent der Befragten «starke» oder «teilweise» Zustimmung für einen Wiederbeitritt zur EU. Nur noch 19 Prozent sind klar dagegen, 8,5 weitere eher dagegen. Die Umfrage zeigt aber auch eine grosse Unschlüssigkeit in der Bevölkerung: So geben 22 Prozent an, sie wüssten nicht, welche Option besser sei, oder sie haben schlicht keine Meinung zum Thema.

In der TMG-Umfrage konnten die knapp 11'500 Teilnehmenden zwischen sieben Optionen für die zukünftigen Beziehungen zur EU auswählen. Nebst der beliebtesten Option, dem Wiedereintritt (49 Prozent Zustimmung), standen zum Beispiel auch die Vorschläge, die aktuellen bilateralen Verträge weiterzuentwickeln (48 Prozent), der Handels- und Zollunion beizutreten (47 Prozent), einen Assoziiertenstatus anzustreben wie jüngst Kanada (45 Prozent) oder noch weiter von der EU wegzurücken (28 Prozent) zur Auswahl.

Noch deutlicher sind die Ergebnisse bei einer anderen, seit 2012 regelmässig von YouGov durchgeführten Umfrage mit einer leicht anderen Fragestellung – dort wird nach der Einschätzung gefragt, ob der Brexit eine gute Entscheidung oder ein Fehler ist respektive war. Der Anteil der Befragten, der mittlerweile der Ansicht ist, dass ein Verbleib die bessere Option gewesen wäre, ist im Sommer 2026 auf einem Höchststand von knapp unter 60 Prozent angekommen. Nur noch 30 Prozent, der tiefste Wert seit Umfragebeginn, sind der Meinung, dass es richtig war, die EU zu verlassen.

Die Wiederannäherung Grossbritanniens an die europäischen Institutionen hat seit dem Ende der langjährigen Tory-Regentschaft 2024 bereits mit Labour-Premierminister Keir Starmer Auftrieb erhalten. Nach dessen Rücktritt und mit der Ernennung Andy Burnhams zum Nachfolger wird sie aber nochmals konkreter.

British Prime Minister Andy Burnham speaks at the Labour Party Conference, in Liverpool, England, Wednesday, Sept. 30, 2026. (Stefan Rousseau/PA via AP)
Andy Burnham
Andy Burnham positioniert sich klar proeuropäisch.Bild: keystone

Burnham ist ein klarer Europa-Befürworter und will einen Wiedereintritt des Vereinigten Königreichs zur EU noch «zu seinen Lebzeiten» erleben, wie er angekündigt hatte. In seiner ersten Rede am Labour-Parteitag in der letzten Woche kündigte er an, dass seine Regierung alle Optionen für eine Neuausrichtung des Verhältnisses mit der EU prüfen wolle.

Allerdings ist der seit Juli amtierende neue Premierminister angehalten, dabei vorsichtig vorzugehen. Wie der «Guardian» berichtet, gibt es auch innerhalb von Labour Bedenken, wonach ein voreiliger Kurswechsel schädlich für die Popularität der Partei in der Bevölkerung sein und der rechtspopulistischen und EU-kritischen Reformpartei von Nigel Farage Auftrieb geben könnte. Die Umfragen zeigen nämlich auch, dass Brexit-Argumente wie die eigenständige Steuerung der Migration nach wie vor auf Sympathie in der britischen Bevölkerung stossen.

Mehrere Abgeordnete und auch Regierungsmitglieder Burnhams machen sich deshalb für ein schrittweises und geordnetes Vorgehen stark. Innenministerin Shabana Mahmood sagte beispielsweise, dass ein Wiedereintritt «keine einfache Sache» sein würde und womöglich hohe, inakzeptable Kosten verursachen könnte. Und Handelsminister Jonathan Reynolds warnte vor den zahlreichen verfassungsrechtlichen Fragen, welche geklärt werden müssten und für die Wirtschaft Unsicherheiten bedeuten würden. Ein weiterer Abgeordneter fasst die Lage wie folgt zusammen:

«Der Brexit hat ganz offensichtlich nicht funktioniert, und die gemachten Versprechen wurden nicht eingehalten. Daher hat Andy Recht, die Frage nach der zukünftigen Beziehung aufzuwerfen. Er muss aber unbedingt vorsichtig vorgehen, denn wir wollen die Spaltung nicht erneut anheizen.»
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