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Iranian protesters chant slogans as they hold pictures of Shi'ite cleric Sheikh Nimr al-Nimr during a demonstration against the execution of Nimr in Saudi Arabia, outside the Saudi Arabian Embassy in Tehran January, 3, 2016. REUTERS/Raheb Homavandi/TIMA  ATTENTION EDITORS - THIS IMAGE WAS PROVIDED BY A THIRD PARTY. FOR EDITORIAL USE ONLY.

Iranische Demonstranten vor der saudi-arabischen Botschaft in Teheran.
Bild: TIMA/REUTERS

Saudi-Arabien richtet schiitischen Geistlichen hin und schmeisst Irans Diplomaten raus. Was bedeutet das alles?

Nach der Erstürmung der saudi-arabischen Botschaft in Teheran kündigt Riad die diplomatischen Beziehungen zu Iran auf. Hintergrund ist die Exekution des prominenten schiitischen Geistlichen Nimr al-Nimr durch Saudi-Arabien. Was passiert jetzt? Der Überblick.



Was ist passiert?

In der Nacht auf Sonntag stürmte ein Mob wütender Iraner die saudische Botschaft in Teheran. Die Demonstranten warfen Brandsätze in das Gebäude, das bald lichterloh brannte. 44 Menschen wurden verhaftet, es gab Dutzende Verletzte.

Proteste in Teheran – Iraner greifen saudische Botschaft an

Als Reaktion kappte Saudi-Arabien die diplomatischen Beziehungen zum schiitischen Erzrivalen Iran. Das gab der saudi-arabische Aussenminister Adel al-Dschubir am Sonntagabend bekannt.

Die diplomatische Vertretung des Iran und iranische Einrichtungen seien aufgefordert worden, Saudi-Arabien innerhalb von 48 Stunden zu verlassen. Das Königreich werde es dem Iran nicht erlauben, seine Sicherheit zu untergraben.

Schüsse in Geburtsstadt von hingerichtetem Geistlichen al-Nimr

In der saudiarabischen Geburtsstadt des hingerichteten schiitischen Geistlichen Scheich Nimr al-Nimr ist die Polizei mit Schüssen attackiert worden. Die Angriffe fanden am späten Sonntagabend in dem Dorf im ölreichen Osten des Landes statt.

Dies berichtete die amtliche Nachrichtenagentur SPA am Montag unter Berufung auf die örtliche Polizei. Die Sicherheitskräfte fahndeten nach den Verantwortlichen der «terroristischen» Aktionen, zitierte SPA einen Polizeisprecher. (sda/afp)

Saudi-Arabien und der Iran ringen um die Vormachtstellung in der Region. Während sich das Königreich als Schutzmacht der Sunniten sieht, betrachtet sich der Iran als Interessenvertreter der Schiiten.

Saudi Arabia's Foreign Minister Adel Al-Jubeir attends a news conference at a hotel in Paris, France, December 15, 2015, where he said their Islamic anti-terror alliance will share information and train, equip and provide forces if necessary for the fight against Islamic State.  REUTERS/Jacky Naegelen

Diplomatische Beziehungen beendet: Saudi-Arabiens Aussenminister Adel al-Dschubeir. 
Bild: JACKY NAEGELEN/REUTERS

Warum kam es zu den Protesten?

Grund für die Unruhen waren die Massenhinrichtungen in Saudi-Arabien. Am Samstag hatte der Golfstaat trotz massiver Proteste 17 Menschen wegen Terrorismusvorwürfen getötet. Die Todesurteile wurden durch Enthaupten oder Erschiessen vollstreckt.

Unter den Exekutierten war Nimr al-Nimr, der lange Zeit im Iran lebte und in Saudi-Arabien die Unterdrückung der schiitischen Minderheit anprangerte. Saudi-Arabien sah es als erwiesen an, dass Al-Nimr hinter Anschlägen in dem Land stand.

A Bahraini protester holds a picture of Saudi Shiite cleric Sheikh Nimr al-Nimr during a rally denouncing the execution of Shiite cleric Sheikh Nimr al-Nimr by Saudi Arabia, Sunday, Jan. 3, 2016, in Daih, Bahrain. Saudi Arabia announced the execution of al-Nimr on Saturday along with 46 others. Al-Nimr was a central figure in protests by Saudi Arabia's Shiite minority until his arrest in 2012, and his execution drew condemnation from Shiites across the region. (AP Photo/Hasan Jamali)

Porträt des hingerichteten schiitischen Geistlichen Nimr al-Nimr bei einer Demonstration in Bahrain.
Bild: Hasan Jamali/AP/KEYSTONE

Auch im Irak kam es daraufhin zu Protesten unter Schiiten. In der Provinz Al-Wasit gingen Hunderte auf die Strasse und forderten die Schliessung der saudischen Botschaft in Bagdad. Auch in Bahrain und dem indischen Teil Kaschmirs demonstrierten insgesamt Tausende gegen die Hinrichtung von Al-Nimr.

Was sind die Reaktionen?

Nach der Hinrichtung von al-Nimr hatte Irans geistliches Oberhaupt Ayatollah Ali Khamenei das Königreich vor der «Rache Gottes» gewarnt. «Das zu Unrecht vergossene Blut dieses Märtyrers wird sehr bald Konsequenzen haben und die Hand Gottes wird Rache an der saudi-arabischen Führung nehmen», sagte Khamenei am Sonntag vor Geistlichen in Teheran. 

FILE - In this  Sunday, Nov. 1, 2015 file picture released by the office of Iranian supreme leader, Supreme Leader Ayatollah Ali Khamenei speaks in a meeting with Foreign Minister Mohammad Javad Zarif and the country's diplomats in Tehran. Iran's supreme leader says the slogan

Warnte Saudi-Arabien vor der «Rache Gottes»: Irans oberster Religionsführer Ayatollah Ali Khamenei.
Bild: AP/Office of the Iranian Supreme Leader

Die einflussreichen iranischen Revolutionsgarden kündigten dem Königshaus in Riad eine «scharfe Vergeltung» an.

Der Iran bezeichnete die Entscheidung Saudi-Arabiens als «voreilig». «Die Saudis haben schon in der Vergangenheit mit solchen voreiligen und irrationalen Entscheidungen Instabilität in der Region verursacht», sagte Vizeaussenminister Hossein Amir-Abdollahian in der Nacht zum Montag im staatlichen Fernsehen.

Kein saudiarabischer Diplomat sei zu Schaden gekommen. Sein Land sei für Diplomaten eines der sichersten der Region. Die Hinrichtung des prominenten Geistlichen Nimr al-Nimr durch Saudi-Arabien bezeichnete Abdollahian als grossen Fehler, der nicht mit dem Abbruch der Beziehungen vertuscht werden könne.

Was bedeutet das alles?

Saudi Arabia's King Salman attends a session of Saudi Shura Council in Riyadh, December 23, 2015. REUTERS/Bandar al-Jaloud/Saudi Royal Court/Handout ATTENTION EDITORS - THIS IMAGE HAS BEEN SUPPLIED BY A THIRD PARTY. IT IS DISTRIBUTED, EXACTLY AS RECEIVED BY REUTERS, AS A SERVICE TO CLIENTS. REUTERS IS UNABLE TO INDEPENDENTLY VERIFY THE AUTHENTICITY, CONTENT, LOCATION OR DATE OF THIS IMAGE. FOR EDITORIAL USE ONLY. NOT FOR SALE FOR MARKETING OR ADVERTISING CAMPAIGNS. NO SALES.

Isoliert sich international immer mehr: Saudi-Arabiens Machthaber König Salman.
Bild: HANDOUT/REUTERS

Das Verhältnis zwischen dem Iran und Saudi-Arabien ist seit Jahrzehnten schwierig, Phasen der Spannung wurden durch Zeiten der Annäherung abgelöst. Die Eskalation vom Sonntag allerdings markiert eine lange nicht erreichten Tiefpunkt zwischen beiden Ländern.

Iran und Saudi-Arabien spielen eine Schlüsselrolle bei der Lösung des Konflikts in Syrien und dem Irak. Das internationale Vorgehen gegen die Terrormiliz «Islamischer Staat» hatte zuletzt zu einer vorsichtigen Annäherung der beiden Widersacher geführt. Sie sind zugleich auch die wirtschaftsstärksten Staaten im Mittleren Osten. Doch Riad wirft Teheran immer wieder die Einmischung in arabische Angelegenheiten vor.

Der neue Herrscher Salman, der seit einem knappen Jahr auf dem Thron sitzt, will Bedrohungen von innen und aussen mit aller Härte meistern, schreibt Welt Online in einem Kommentar. Der rasante Anstieg der Zahl der Hinrichtungen zeige, dass sich das Königshaus zunehmend in Gefahr wähnt – die vor allem vom Erzfeind Iran ausgehe.

Die schiitischen Muslime würden die Hinrichtung des Geistlichen durch die führende Macht des sunnitischen Islams gar als weitere Kriegserklärung sehen, heisst es in der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung». Das saudische Regime führe damit sein eigenes Land auf gefährliche Wege.

Mit den Saudis gehe es damit weiter bergab, schreibt die «Süddeutsche Zeitung». Aussenpolitisch stehe das Land schlechter da denn je – der Konflikt im Jemen ist ungelöst, der Westen scheine sich mehr und mehr vom Golfstaat abzuwenden. Mit der Hinrichtung al-Nimrs und dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen habe Saudi-Arabien alle Weichen ins Abseits gleichzeitig gestellt. (dwi/sda)

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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
2Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • ferox77 04.01.2016 10:46
    Highlight Highlight Die Saudis sind Weltgewandt, sie bewegen sich auf internationalem Parkett selbstbewusst und wissen um ihre monitäre Macht. Wenn die Saudis ihre Investitionen weltweit einstellen würden, würden viele grosse Konzerne schnell pleite gehen. Fiat, VW, Ford u.a. würden innerhalb von sechs Monaten pleite gehen. Deshalb toleriert man im Westen die Steinigungen, das Handabhacken, das hinrichten durch den Strang und das Kopfabhacken.
  • NatValCas 04.01.2016 10:40
    Highlight Highlight Am 5. Juni 1916 eröffneten die Söhne Hussein ibn Alis nahe Medina offiziell die Arabische Revolte.

    Lassen wir sie diesmal selber aufräumen...

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