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Iranian man smiles at a park in central Tehran, Aprill 24, 2009. REUTERS/Morteza Nikoubazl (IRAN) - RTXEFE1

Eine Frisur, wie sie dieser junge Iraner trägt, soll (wohl) im Iran verboten werden. Bild: Morteza Nikoubazl/REUTERS

Der iranische Coiffeurverband ordnet an: «Satanische» und «homosexuelle» Frisuren sind verboten!

Der Teufel greift nach den Haaren der Iraner – davon ist der Chef des nationalen Friseurverbandes überzeugt. Deshalb hat Mohammed Govahi neue Regeln für islamkonforme Haarschnitte erlassen. «Satanische Schnitte» sind fortan verboten.



Ein Artikel von

Spiegel Online

Mohammed Govahi ist Irans oberster Friseur. Der Chef des Herrenfriseurverbands hat seinen Kollegen neue Regeln für islamkonforme Frisuren erteilt: «Satanische Frisuren sind verboten», sagte Govahi der iranischen Nachrichtenagentur Isna.

«Allen Friseurläden, die solche teuflische Frisuren schneiden, werden die Lizenzen entzogen. Tattoos, Solariumbesuche und das Zupfen der Augenbrauen sind auch verboten», sagte Govahi. Ebenso untersagte er das Kopieren «westlicher Frisuren», die den Regelungen der Islamischen Republik widersprächen.

Es gibt eine Liste mit zugelassenen Schnitten

In einem Interview mit dem TV-Sender Manoto sagte Govahi, auch «Frisuren, wie sie von Homosexuellen getragen werden», seien fortan verboten. Sein Verband habe den Friseuren eine Liste mit zugelassenen Haarschnitten zukommen lassen. Wie viele Frisuren in Iran künftig noch erlaubt sind, und wie diese genau aussehen, verriet Govahi nicht. Ebenso liess der Coiffeur offen, woran er schwule Frisuren erkennt.

«Allen Friseurläden, die solche teuflische Frisuren schneiden, werden die Lizenzen entzogen. Tattoos, Solariumbesuche und das Zupfen der Augenbrauen sind auch verboten.»

Mohammed Govahi, oberster iranischer Friseur

Die Anordnung erfolge in Übereinstimmung mit den Grundsätzen, die von Irans Revolutionsführer Ajatollah Ali Khamenei vorgegeben werden, betonte Govahi.

Offenbar richtet sich Irans oberster Friseur gezielt gegen Gelfrisuren und Undercuts, die bei persischen Jugendlichen gerade in Mode sind. 2010 verbot das Land bereits Pferdeschwänze bei Männern.

Muss die Polizei «den Islam» durchsetzen?

Präsident Hassan Rohani hat seit seinem Amtsantritt vor knapp zwei Jahren eine deutlich liberalere Linie vertreten. Er hat öffentlich gesagt, dass es nicht Aufgabe der Polizei sei, Irans Bürgern Vorschriften hinsichtlich der Kleidung und des Aussehens zu machen. «Die Polizei hat nicht die Aufgabe, den Bürgern den Islam aufzuzwingen», sagte Rohani erst in der vergangenen Woche.

Konservative Religionsgelehrte sehen das anders. Der einflussreiche Ajatollah Nasser Makarem Shirazi sagte: «Jeder Einzelne, auch die Polizisten, ist verpflichtet, den islamischen Gesetzen Geltung zu verschaffen.» (syd)

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