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Erwin Sperisen (Mitte) mit seinen Anwälten vor dem Genfer Justizpalast.
Erwin Sperisen (Mitte) mit seinen Anwälten vor dem Genfer Justizpalast.
Bild: EPA/KEYSTONE

UNO-Experten sagen bei Prozess gegen Guatemalas Ex-Polizeichef Sperisen in Genf aus

17.04.2018, 21:2018.04.2018, 07:40

Zwei Ermittler der UNO-Kommission gegen die Straflosigkeit in Guatemala (CICIG) haben am Dienstag vor dem Genfer Kantonsgericht zwar die Verhältnisse im zentralamerikanischen Staat beschrieben. Zur Schuld von Erwin Sperisen brachten die Ermittler aber wenig Licht ins Dunkel.

Einer der beiden als Zeugen vorgeladenen CICIG-Ermittler arbeitet als Inspektor bei der spanischen Polizei. Er war während zweier Jahre in Guatemala tätig und befragte ungefähr 200 Personen. Viele Fragen blieben auch nach der Arbeit der UNO-Kommission offen.

Zum Beispiel, wer genau die sieben exekutierten Häftlinge bei der Rückeroberung des Gefängnisses Pavón im September 2006 getötet hat. «Wir wussten auch zum Schluss der Untersuchung nicht, wer den Finger am Abzug hatte», sagte der Ermittler.

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft handelte es sich um aussergerichtliche Exekutionen, ausgeführt von einer Gruppe, der unter anderem die rechte Hand von Erwin Sperisen, Javier Figueroa, angehört haben soll.

Diese Gruppe sei gegründet worden, als Erwin Sperisen ab 2004 zum Chef der Nationalpolizei Guatemalas ernannt wurde, sagte der CICIG-Ermittler am Dienstag vor dem Gericht. Aufgrund der Struktur der Gruppe gehe er davon aus, dass Sperisen in Bezug auf das Gefängnis Pavón über alle Tätigkeiten unterrichtet worden sei. Beweise dafür gebe es aber nicht. Sperisen sei jedoch zweifelsfrei vor Ort gewesen.

Der Zeuge zeichnete von Guatemala das Bild eines von Korruption und Drogenhandels zerfressenen Landes. Guatemala sei ein Transitland für den Kokainschmuggel in Richtung USA gewesen, hielt er fest. Die Befragung der Zeugen durch die CICIG verlief abenteuerlich, viele Gespräche wurden in Bars, Restaurants oder Tankstellen geführt.

Genfer Justiz muss Fall neu beurteilen

Erwin Sperisen steht seit Montag zum dritten Mal in Genf vor Gericht, nachdem das Bundesgericht im Juli 2017 das Urteil der Genfer Justiz aufgehoben hatte. Es wies die Verurteilung wegen zehnfachen Mordes und einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe zur Neubeurteilung an das Genfer Kantonsgericht zurück.

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Der Prozess dreht sich um die Morde an sieben Häftlingen bei der Operation «Pavo Real» vom 25. September 2006, mit der die Kontrolle über das Gefängnis Pavón zurückerlangt werden sollte. Weitere drei Morde wurden laut der Anklage ein Jahr zuvor bei der Aktion «Gavilán» begangen. Opfer waren Häftlinge, die aus einem anderen Gefängnis geflüchtet waren.

Zur Aufklärung dieses Ereignisses wurde der zweite Ermittler vorgeladen. Seine Befragung konzentrierte sich auf Telefonverbindungen, die den Kontakt zwischen Sperisen und den Personen beweisen, welche die Exekution später ausführten.

Der Zeuge machte vor Gericht jedoch verwirrende Aussagen. Zunächst sagte er, er habe die Daten auf dem Bildschirm eines Mitarbeiters einer Telefongesellschaft gesehen. Dann sagte er aber, er habe die Daten nie gehabt.

Dieser Teil der Untersuchung sei nicht in seinen Zuständigkeitsbereich gefallen. Seine Hauptaufgabe sei es gewesen, Zeugen zu identifizieren und lokalisieren, welche beim Fortschritt des Falls hilfreich sein könnten.

Sperisen im Hausarrest

Der schweizerisch-guatemaltekische Doppelbürger war 2007 in die Schweiz geflüchtet. Fünf Jahre später wurde er verhaftet. Nach fünf Jahren im Gefängnis Champ-Dollon (GE) ist er nach dem Bundesgerichtsurteil in Hausarrest gesetzt worden. Er hat die Vorwürfe gegen ihn stets bestritten.

Der Prozess ging am Dienstag mit der Befragung eines weiteren CICIG-Ermittlers weiter. Am Mittwoch hält Staatsanwalt Yves Bertossa sein Plädoyer. Am Donnerstag werden voraussichtlich die beiden Anwälte von Erwin Sperisen, Florian Baier und Giorgio Campà, auf Freispruch plädieren. Das Urteil wird Ende der nächsten Woche erwartet. (sda)

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