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Palestinian Mohammad El Halabi (C), a manager of operations in the Gaza Strip for U.S.-based Christian charity World Vision, accused by Israel of funnelling millions of dollars in aid money to Hamas in Gaza, a charge denied by the Islamist militant group, is seen before a hearing at the Beersheba district court in southern Israel August 4, 2016. REUTERS/Dudu Grunshpan ISRAEL OUT. NO COMMERCIAL OR EDITORIAL SALES IN ISRAEL.

Mohammed el-Halabi kratzt am Ruf der Hilfsorganisation World Vision.
Bild: DUDU GRUNSHPAN/REUTERS

World-Vision-Chef in Gaza soll Millionen an die Hamas übermittelt haben



Ein ranghoher palästinensischer Mitarbeiter der Organisation World Vision soll westliche Hilfsgelder in Millionenhöhe an die im Gazastreifen herrschende Hamas weitergeleitet haben. Das behauptet der israelische Inlandgeheimdienst Schin Bet.

Mohammed el-Halabi, Leiter der Zweigstelle der internationalen Hilfsorganisation in Gaza, sei am 15. Juni am Eres-Kontrollpunkt zwischen Israel und dem Gazastreifen festgenommen worden, teilte der Geheimdienst am Donnerstag mit.

Man gehe von einer Summe von bis zu rund 50 Millionen Dollar aus, die für militärische Zwecke missbraucht wurden, sagte ein Sprecher des israelischen Aussenministeriums. El-Halabi wurde am Donnerstag vor einem Bezirksgericht in Beerscheva angeklagt.

World Vision erklärte, el-Halabi sei als zuverlässiger und gewissenhafter Kollege bekannt. «Nach derzeitigem Informationsstand gibt es keinen Anlass, anzunehmen, dass die Anschuldigungen begründet sind.» Man sei «schockiert». World Vision werde alle nötigen Schritte in die Wege leiten, um den Sachverhalt schnellstens aufzuklären. Ein Sprecher der radikalislamischen Hamas in Gaza wies die Vorwürfe als «Lügen» zurück.

Komplexes System aufgebaut

In der Mitteilung von Schin Bet hiess es, El-Halabi sei heimlich Mitglied des militärischen Hamas-Arms und habe westliche Hilfsgelder gezielt an die Terrororganisation übermittelt. Etwa 60 Prozent des Jahresbudgets für World Vision Gaza sei an die Hamas gegangen. Diese habe die Finanzmittel, die unter anderem aus Europa und den USA stammten, in militärische Projekte wie den Bau unterirdischer Tunnel sowie Waffenkäufe investiert.

A Palestinian youth walks inside a tunnel used for military exercises during a weapon exhibition at a Hamas-run youth summer camp, in Gaza City, Wednesday, July 20, 2016. The photo at right shows a Hamas militant from the Izzedine al-Qassam Brigades, a military wing of Hamas. (AP Photo/Adel Hana)

Hamas-Kämpfer im Palästinensergebiet: Die Organisation soll Gelder aus World-Vision-Quellen erhalten haben.
Bild: Adel Hana/AP/KEYSTONE

El-Halabi habe ein komplexes System zur Weiterleitung der Gelder an Hamas entwickelt - etwa unter dem Deckmantel humanitärer und landwirtschaftlicher Projekte. Der Fall beweise «den zynischen Missbrauch, den Hamas mit internationalen Hilfsmitteln treibt», hiess es in der Mitteilung.

Bereits auf die Vorwürfe reagiert hat die australische Regierung: Das Aussenministerium stoppt alle Gelder für die christliche Hilfsorganisation im Gazastreifen. «Wir unterbrechen die Finanzierung für Programme in den Palästinensergebieten, bis die Untersuchungen abgeschlossen sind», hiess es in einer Mitteilung. (kad/sda/dpa)

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