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Ausgebuhte Promiredner an US-Universitäten und ihre Gründe fürs ausbuhen

Ex-Google-Chef Eric Schmidt trat diese Woche an der University of Arizona auf, um eine sogenannte Commencement Speech zu halten.
Ex-Google-Chef Eric Schmidt trat diese Woche an der University of Arizona auf, um eine sogenannte Commencement Speech zu halten.bild: screenshot

Nicht willkommen! Weshalb an US-Unis Promi-Redner ausgebuht werden

Ex-Google-Chef Eric Schmidt hatte diese Woche wie andere bekannte Manager einen Auftritt an einer Hochschule. Doch die Stimmung im jungen Publikum war gereizt – aus einem Grund.
22.05.2026, 20:5722.05.2026, 20:57
Benjamin Weinmann
Benjamin Weinmann

Es ist eines der Highlights an den Abschlussfeiern an US-Colleges: Der Auftritt des Redners oder der Rednerin. Insbesondere an Prestige-Hochschulen werden dafür oftmals prominente Persönlichkeiten eingeladen, um die jungen Absolventinnen und Absolventen inspirierende Worte auf ihren Weg mitzugeben. So trat beispielsweise auch schon der Schweizer Tennis-Star Roger Federer 2024 am Dartmouth College auf. Besonders bekannt ist die Rede des verstorbenen Apple-Gurus Steve Jobs 2005 an der Elite-Uni Stanford.

Die Rede von Steve Jobs aus dem Jahr 2005. quelle: youtube

Doch dieses Jahr ist es anders. Keine Spur von Bewunderung für die VIP-Redner. Im Gegenteil: Manchen Referenten blies diese Woche ein harter Wind entgegen, als sie das Wort ergriffen, wie CNN berichtet.

So trat beispielsweise der ehemalige Google-Chef Eric Schmidt vor die junge Akademiker-Schar an der Universität in Arizona – und wurde ausgebuht. Der Grund: Die Manager-Legende sprach von den Vorteilen der künstlichen Intelligenz. Dass er gleichzeitig versuchte, auf die Ängste der jungen Leute einzugehen, half nichts. Seine Aussagen wurden unterbrochen oder gingen in lauten Buhrufen unter.

Die Stimmung ist gekippt

Anderen Managern erging es gleich, wie US-Medien berichten. So zum Beispiel dem mächtigen Musikproduzenten Scott Borchetta, Chef der Big Machine Label Group, bei seiner Rede an der Middle Tennessee State University, oder der Immobilienunternehmerin Gloria Caulfield an der University of Central Florida.

Die Stimmung ist bei einem Grossteil der jüngeren Generation gekippt. Die Euphorie für die künstliche Intelligenz ist der Furcht gewichen, dass es draussen im Jobmarkt schwierig werden könnte. Noch vor wenigen Jahren feierten viele Schülerinnen und Schüler KI-Dienste wie ChatGPT, weil sie ihnen während des Studiums das Schreiben von Aufsätzen oder das Lösen von Mathematik-Aufgaben übernahmen. Doch nun realisieren viele: Ihren Traumjob wird es vielleicht gar nicht mehr geben, da er durch KI ersetzt wird.

Tatsächlich gab ebenfalls diese Woche Meta-Chef Mark Zuckerberg den Abbau von weiteren 8000 Stellen bekannt – das entspricht 10 Prozent des bestehenden Personals. Den Grund für den Kahlschlag lieferte der Facebook-Konzern gleich mit: KI.

«Das ist eine Lektion für uns»

Am Glendale Community College in Arizona sorgte die künstliche Intelligenz sogar für eine peinliche Panne. Das Lehrinstitut setzte eine neue KI-Software ein, um die Namen der Absolventinnen und Absolventen vorzulesen, wenn sie die Bühne betreten, um ihr Diplom in Empfang zu nehmen. Doch plötzlich tauchten die falschen oder gar keine Namen auf. Die Schulpräsidentin entschuldigte sich dafür: «Das ist eine Lektion für uns.» Auch hier: Buhrufe.

Am Mittwoch postete der unabhängige Senator und ehemalige US-Präsidentschaftskandidat Bernie Sanders auf Social Media Zahlen zum tatsächlichen Befinden in der US-Bevölkerung zum Thema. So fänden 70 Prozent, KI würde sich zu schnell entwickeln. 77 Prozent glauben laut Sanders, dass ganze Industrien in ihrer Existenz bedroht sind. Und 97 Prozent befürworten demnach Regulierungen.

«Vielleicht», schreibt Sanders, «nur vielleicht ist es an der Zeit, dass der Kongress dem US-Volk zuhört, nicht nur den Milliardären, die das Thema vorwärtstreiben, und KI regulieren.»

Die Empathie des Apple-Gründers

Bereits vergangenen Herbst äusserte der Senator an einem Anlass an der Georgetown University viel beachtete Kritik. Als er gefragt wurde, ob die Gesellschaft nicht voll auf KI setzen sollte, damit die Arbeit künftig kein Problem mehr ist, sagte er: «Glaubt ihr, dass Herr Musk und Herr Bezos dieses Ziel haben? Glaubt ihr, dass sie Hunderte Milliarden an Dollar ausgeben, um zu sagen: Hey, ist das nicht toll? Wir könnten die Arbeitswoche reduzieren. Wir können ein hochwertiges Gesundheitssystem garantieren. Wir können die Lebenserwartung erhöhen. Wir können die Klimaerwärmung stoppen.» Sanders Antwort: «Wahrscheinlich nicht.»

Roboter und KI seien nicht per se schlecht, betonte Sanders. «Aber die Leute, die diese transformative Revolution vorantreiben, sind die reichsten Menschen auf der Welt. Sie bleiben nachts nicht wach und machen sich Sorgen um die Arbeitenden.» Für ihn sei klar: «Sie wollen noch mehr Vermögen und noch mehr Macht.» Und um diese Frage gehe es am Ende: «Wer kontrolliert KI und wer profitiert davon?»

Dass es auch anders geht – empathischer als bei Schmidt und Co. –, zeigte Apple-Mitgründer Steve Wozniak. Er sprach an der Grand Valley State University in Michigan: «You all have AI. Actual intelligence.» Auf Deutsch: «Ihr alle habt KI – echte Intelligenz.» (aargauerzeitung.ch)

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Die beliebtesten Kommentare
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banda69
22.05.2026 21:16registriert Januar 2020
"Und 97 Prozent befürworten demnach Regulierungen."

Und trotzdem wählen sie den Rechtspopulisten?
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