Zehntausende bei Pride-Parade in Tel Aviv
Zu der ersten Pride-Parade in der israelischen Küstenmetropole Tel Aviv seit zwei Jahren sind Zehntausende Menschen gekommen. Laut dem israelischen Sender N12 nahmen mehr als 100'000 Menschen an dem Umzug mit Festwagen teil.
Sie demonstrierten am Nachmittag an der Strandpromenade in Tel Aviv für die Rechte von lesbischen, schwulen, bisexuellen, Trans- und queeren Menschen (LGBTQ) und schwenkten dabei Regenbogenflaggen. Musiker spielten Konzerte entlang der Promenade, darunter Yuval Raphael, die im vergangenen Jahr dank eines überwältigenden Publikums-Votings Platz zwei beim Eurovision Song Contest erreichte.
Die liberale Küstenmetropole gilt als Hochburg der Szene in Israel sowie als LGBTQ-Hauptstadt des Nahen Ostens. Die Pride-Parade findet seit 1998 jedes Jahr in Tel Aviv statt.
Im vergangenen Jahr war die weltbekannte Parade wegen des damaligen Iran-Kriegs nur wenige Stunden vor Beginn abgesagt worden. Auch 2024 fiel die Veranstaltung als solche wegen des Gaza-Krieges und der Geiselkrise aus. Damals gab es stattdessen eine Trauerzeremonie zum Gedenken an die Opfer des Hamas-Massakers am 7. Oktober 2023 in Israel.
Polizei soll gegen Regierungskritik vorgehen
Medien berichteten, dass einige der diesjährigen Teilnehmer bei dem Umzug mit vielen Festwagen auch Shirts mit Schriftzügen trugen, die sich gegen den rechtsextremen Polizeiminister Itamar Ben-Gvir richteten. Die Polizei habe einer Frau deshalb den Zutritt zu der Parade verwehrt.
Berichten zufolge verhinderte die Polizei zudem in mehreren Fällen, dass Teilnehmer Schilder mit regierungskritischen Botschaften zeigten. Die Regierung von Benjamin Netanjahu ist die am weitesten rechts stehende Regierung in der Geschichte Israels. Mehrere Minister sind offen homophob.
Auf Aufnahmen der Parade war zu sehen, wie ein Teilnehmer eine libanesische Flagge zeigte. Offiziell ist Israel mit dem Nachbarland verfeindet, derzeit gibt es aber Gespräche zwischen Vertretern der Regierungen beider Länder. Zugleich führt Israel Krieg gegen die vom Iran unterstützte Hisbollah-Miliz und ist mit Truppen im Südlibanon. Die libanesische Regierung sowie die Armee des Landes sind keine Parteien in dem Konflikt.
2015 hatte ein strengreligiöser Jude bei der Gay-Pride-Parade in Jerusalem eine 16-Jährige erstochen. Ein Gericht verurteilte den Mörder später zu lebenslanger Haft plus 31 Jahre. (sda/dpa)
