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Polizei vertreibt Flüchtlinge von Ventimiglias Felsen
quelle: epa/ansa / luca zennaro
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Flüchtlingsdrama: «Das, was in Ventimiglia geschieht, ist ein Schlag ins Gesicht Europas»



Nach der Zurückweisung hunderter Flüchtlinge an der französisch-italienischen Grenze bleibt die Lage in der ligurischen Grenzstadt Ventimiglia gespannt: Die italienische Polizei vertrieb Dutzende Migranten, die seit Tagen auf den rauen Felsen an der Küste ausharrten.

Die Flüchtlinge, die meist aus dem Sudan und aus Eritrea stammen, mussten am Dienstag in einen Bus des Roten Kreuzes einsteigen und wurden zum Bahnhof Ventimiglias gebracht, wie italienische Medien berichteten. Wer Widerstand leistete, wurde unter Zwang in den Bus gezerrt. Einige Migranten ergriffen vor den Sicherheitskräften die Flucht.

500 Flüchtlinge wollen nach Frankreich

Auf dem Bahnhof Ventimiglias übernachteten über hundert Flüchtlinge. Die Bahngesellschaft Trenitalia stellte einige Räume im Bahnhof zur Verfügung, wo Unterkünfte für Kinder und Frauen organisiert wurden.

Rund 500 Migranten warten in Ventimiglia auf Möglichkeiten, um nach Frankreich weiterzukommen. Sie wurden vom Roten Kreuz und anderen Organisationen versorgt. Französische Gendarmen sagten, sie hätten Anweisungen, die Migranten nicht über die Grenze zu lassen.

Indirekt Opfer des G7-Gipfels

Normalerweise gibt es im Schengenraum keine Grenzkontrollen. Wegen des G7-Gipfels im bayerischen Elmau wurden aber wieder vorübergehend Kontrollen eingeführt.

Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi verlangte mehr Solidarität von den EU-Mitgliedstaaten bei der Aufnahme von Flüchtlingen. Europas Antwort auf diese «ernste Krise» sei bisher bei weitem nicht ausreichend, sagte der Regierungschef.

«Das, was in Ventimiglia geschieht, ist ein Schlag ins Gesicht Europas und ein Beweis, dass Migranten nicht in Italien bleiben, sondern weiterreisen sollen.»

Italiens Innenminister Angelino Alfano

Über die Flüchtlingsverteilung allgemein will Italiens Innenminister Angelino Alfano am Dienstag mit seinen europäischen Amtskollegen und Vertretern der EU-Kommission beraten. «Das, was in Ventimiglia geschieht, ist ein Schlag ins Gesicht Europas und ein Beweis, dass Migranten nicht in Italien bleiben, sondern weiterreisen sollen.»

Italien bemühe sich, den politischen Bankrott Europas abzuwenden. «In punkto Einwanderungspolitik muss Europa eine gemeinsame Lösung finden», so Alfano.

Zuvor hatte Frankreich die Zurückweisung der Migranten verteidigt. «Italien muss sich um sie kümmern, das ist das europäische Recht», so der französische Innenminister Bernard Cazeneuve. (whr/sda/apa) 

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