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Zahl der Toten in Myanmar steigt auf 510 – «Müllstreik» in Yangon

30.03.2021, 10:0330.03.2021, 15:58
Umkämpft: Myanmar.
Umkämpft: Myanmar.Bild: keystone

Die Zahl der Toten in Myanmar seit dem Putsch vor zwei Monaten ist nach dem bislang blutigsten Wochenende weiter gestiegen. Schätzungen der Gefangenenhilfsorganisation AAPP zufolge sind bislang mindestens 510 Menschen durch die Gewalt des Militärs ums Leben gekommen.

Beobachter gehen aber von einer hohen Dunkelziffer aus. Allein am Samstag hatten Einsatzkräfte mehr als 100 Menschen getötet. Am Montag seien landesweit mindestens 14 weitere erschossen worden, teilte AAPP mit. Das brutale Vorgehen der Armee sorgt auch international für immer grösseres Entsetzen.

Derweil beteiligten sich am Dienstag zahlreiche Menschen in der ehemaligen Hauptstadt Yangon (früher: Rangun) an einem «Müllstreik». Die Organisation «Clean Yangon», die normalerweise dabei hilft, die Strassen Yangons sauber zu halten, hat die Bürger auf Facebook aufgefordert, möglichst viele Abfälle mitten auf den Strassen abzuladen.

«Müll ist auch eine Waffe, um Widerstand gegen die Junta zu leisten», hiess es. «Lasst uns Müllbeutel und anderen Unrat aus unseren Häusern auf die Strasse werfen.» Fotos in sozialen Netzwerken zufolge türmten die Abfälle in verschiedenen Stadtvierteln. Proteste mit Tausenden Teilnehmern gab es auch wieder in zahlreichen anderen Regionen des früheren Birma.

Vier bewaffnete ethnische Gruppen drohten derweil, die Bevölkerung zu unterstützen, sollte die Junta die Gewalt nicht beenden. Die neue Militärführung müsse die politische Krise lösen und auf die Forderungen der Bevölkerung eingehen, so die Rebellengruppen. Wenn das Militär diese Forderungen nicht erfülle und weiter töte, dann werde man den Menschen dabei helfen, sich selbst zu verteidigen.

Im Vielvölkerstaat Myanmar leben 135 staatlich anerkannte Ethnien. Besonders im Kachin-Staat im Norden und im Shan-Staat im Osten kommt es schon lange zu immer neuen Kämpfen zwischen dem Militär und bewaffneten Gruppen. Mehr als 20 ethnische Gemeinschaften kämpften landesweit schon lange vor dem Umsturz für mehr Autonomie und Selbstbestimmung. (aeg/sda/dpa)

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