International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Der Muslim, der sich opferte, um andere vor einem IS-Attentäter zu schützen

Während die Welt durch die Anschläge am Freitag erschüttert wurde, ging die Heldentat vom Donnerstag unter: Ein Mann warf sich in Beirut auf einen Selbstmord-Attentäter – und rettete so viele Menschen vor dem Tod.



Zwei Selbstmord-Attentäter haben am Donnerstag in Beirut 43 Menschen mit in den Tod gerissen. Dass es nicht weit mehr geworden sind, ist einem Mann zu verdanken, der sein eigenes Leben opferte, um das von anderen zu retten.

Adel Tormos ist im Vorort Burdsch al-Baradschna unterwegs, das vornehmlich von Schiiten bewohnt wird. Mitten im Feierabendverkehr hört er eine Explosion. Menschen laufen schreiend durcheinander, Chaos bricht aus. Was unser Held nicht weiss: Ein Selbstmord-Attentäter hat sich nahe eines belebten Marktes in die Luft gesprengt und 45 Libanesen mit in den Tod gerissen. 

epa05022466 Lebanese Red Cross member carry a wounded woman at the site where two suicide blow themselves  in Bourj al-Barajneh, southern Beirut, Lebanon, 12 November 2015. At least 37 people were reported killed in a twin bombing that rocked a Hezbollah-stronghold in Beirut's southern suburbs.  EPA/NABIL MOUNZER

Beirut, 12. November: Chaos im Vorort Burdsch al-Baradschna nach den Attentaten. 
Bild: NABIL MOUNZER/EPA/KEYSTONE

epa05022424 General view of the site of a twin suicide attack in the Burj al-Barajneh suburb of Beirut, Lebanon, 12 November 2015. At least 37 people were reported killed in a twin bombing that rocked a Hezbollah-stronghold in Beirut's southern suburbs.  EPA/WAEL HAMZEH

Soldaten versuchen, Ordnung zu schaffen. Burdsch al-Baradschna gilt als Hisbollah-Hochburg.
Bild: WAEL HAMZEH/EPA/KEYSTONE

Doch dann bemerkt Adel Tormos beim Markt plötzlich einen Mann, der in dem Durcheinander einen klaren Plan zu haben scheint. Er sieht, wie der Unbekannte sich bei einer Moschee, wo sich Gläubige zum Gebet versammelt haben, bereit macht: Es ist ein zweiter Attentäter, der seine todbringende Fracht zünden will. Adel Tormos' Tochter steht neben ihrem Vater. Was nun? Was tun? Wie reagieren?

Dem Libanesen bleiben nur Sekunden für eine Entscheidung – und Adel Tormos beschliesst, sein Leben zu geben. Er wirft sich auf den Angreifer, dessen Bombe hochgeht. Sein Körper fängt die Wucht der Explosion ab: Der Fanatiker und der Vater sterben – doch Tormos' Tat rettet seine Tochter und Hunderte andere. 

epa05023095 A member of the Lebanese civil defense force inspects the site of a twin suicide attack in the Bourj al-Barajneh suburb of Beirut, Lebanon, 13 November 2015. According to local sources at least 43 civilians were killed and over 235 wounded when two suicide attackers blew themselves up 12 November near a busy market outside the al-Imam al-Hussein mosque on al-Husseiniya street in the suburb with a large Hezbollah presence. The group calling themselves the Islamic State (IS) has claimed responsibility for the attack, after which a day of mourning was declared in Lebanon for 13 November.  EPA/WAEL HAMZEH

Am Tag nach den Anschlägen wird das Ausmass der Explosionen deutlich.
Bild: WAEL HAMZEH/EPA/KEYSTONE

Bloggerin und Ärztin Elie Fares muss die Szene mitansehen. «Er hat ihn zu Boden gerissen und löste die Detonation aus», berichtet sie später Public Radio International. «Es gibt viele, viele Familien, vielleicht Hunderte, die ihre Unversehrtheit seinem Opfer verdanken.»

Tormos wird unter grosser Anteilnahme am 13. November im Dorf Tallousa beerdigt.
Bild: KARAMALLAH DAHER/REUTERS

Ein dritter Täter kommt nicht mehr dazu, sich selbst in die Luft zu sprengen. Er kann verhaftet werden und wird laut CNN gestehen, dass seine beiden Komplizen und er zwei Tage zuvor in Syrien aufgebrochen waren, um in Beirut zu morden. Der IS bekannte sich bald darauf via Twitter zu den Anschlägen – die durch das Blutbad in Paris am Tag darauf hierzulande kaum Beachtung fanden.

Lebanese soldiers arrest a suspected attacker attacker near the scene of a twin suicide attack in Burj al-Barajneh, southern Beirut, Lebanon, Thursday, Nov. 12, 2015 that struck a Shiite suburb killed and wounded dozens, a Lebanese official said. (AP Photo/Bilal Hussein)

Die Polizei kann einen dritten Attentäter verhaften und hat Mühe, den Verdächtigen vor dem wütenden Mob zu schützen.
Bild: Bilal Hussein/AP/KEYSTONE

Doch Tormos selbstloses Angreifen wird zumindest im Internet gewürdigt: Diverse Twitterer verbreiten die Geschichte von seiner Heldentat.

Sie erinnern uns daran, dass der «Islamische Staat» nicht alleine ein Feind des Westens ist. Der Nahe Osten lei90det genauso – tatsächlich sind die meisten IS-Opfer Muslime. Islamisch ist an diesen Terroristen also gar nichts.

[Update: In der ersten Version wurde der Name Adel Termos benutzt, doch seinem Facebook-Account zufolge schreibt sich unser Held Adel Tormos. Das wurde korrigiert.]

Sandsturm sucht Beirut heim

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

61 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
stiberium
16.11.2015 18:52registriert September 2014
Möge er in Frieden ruhen!
680
Melden
Zum Kommentar
mvdi
16.11.2015 19:23registriert December 2014
Immerhin ein Medium, das darüber berichtet. Danke!
683
Melden
Zum Kommentar
Marcs
16.11.2015 19:47registriert March 2014
Ich wünschte mir, ich hätte soviel Mut und Zivilcourage!
622
Melden
Zum Kommentar
61

Frankreich vs. Arabien – der neue Karikaturen-Streit eskaliert

Nach Äusserungen von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bahnt sich ein neuer Streit um Karikaturen des islamischen Propheten Mohammed an. Mehrere arabische Länder begannen am Sonntag einen Boykott gegen Frankreich. Händler in Jordanien, Kuwait und Katar nahmen französische Waren aus ihren Filialen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan holte zudem zu einer verbalen Attacke gegen Macron aus. Er warf dem französischen Präsidenten Islamfeindlichkeit vor, zweifelte an dessen …

Artikel lesen
Link zum Artikel