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Erdogan löst mit Gedichtzitat diplomatische Krise aus.
Erdogan löst mit Gedichtzitat diplomatische Krise aus.
Bild: keystone

Mit einem einzigen Gedichtzitat löst Erdogan Krise zwischen Iran und Türkei aus

12.12.2020, 21:3913.12.2020, 13:50

Ein vom türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan vorgetragenes Gedicht hat eine diplomatische Krise zwischen dem Iran und der Türkei ausgelöst. In dem Gedicht «Aras, Aras» wird auf die Teilung des Siedlungsgebietes der Aseris entlang des Flusses Aras Bezug genommen, der heute die iranisch-aserbaidschanische Grenze bildet. Der Iran sah in Erdogans Vortrag einen Angriff auf seine Souveränitätsrechte über seine Nordprovinzen. Das Thema fand sich am Samstag auf den Titelseiten iranischer Zeitungen.

Die Grenze wurde nach der Niederlage Persiens gegen Russland 1828 im Frieden von Turkmantschai festgelegt. Das Gebiet im Norden des Flusses wurde damals Russland zugesprochen, das Gebiet südlich blieb bei Persien.

Wegen der Verstimmung telefonierten am Samstagabend die Aussenminister der beiden Staaten, Mohammed Dschawad Sarif und Mevlüt Cavusoglu. Dabei wurden nach einem Bericht der staatlichen iranischen Nachrichtenagentur IRNA die Differenzen ausgeräumt. Teheran wolle laut Sarif die gute und herzliche Beziehung zwischen der iranischen Führung und Erdogan weiterführen. Laut IRNA sagte Cavusoglu, dass Erdogan die territoriale Integrität des Irans respektiere und ihm nicht bewusst gewesen sei, dass das Gedicht diesbezüglich zu Empfindlichkeiten im Iran führen würde.

Erdogan hatte in seiner Rede bei der aserbaidschanischen Siegesparade nach dem Krieg gegen Armenien um Berg Karabach am Donnerstag in Baku aus dem Gedicht zitiert. Aus Protest dagegen bestellte das iranische Aussenministerium am Freitag den türkischen Botschafter in Teheran ein. Daraufhin reagierte die Türkei mit den Einbestellung des iranischen Botschafter wegen Beleidigung Erdogans.

«Wusste er (Erdogan) denn nicht, dass er mit diesem Gedicht die Souveränität des Irans infrage stellt?», fragte Irans Aussenminister Mohammed Dschawad Sarif. «Keiner» dürfe so über die iranischen Provinzen Ost- und West-Aserbaidschan sowie Ardabil sprechen. Alle drei Provinzen seien «eine iranische Festung und ein unzertrennlicher Teil des Landes».

Erdogans Sprecher Fahrettin Altun entgegnete am Samstag: «Wir verurteilen die aggressiven Bemerkungen zu unserem Präsidenten und unserem Land unter dem Vorwand eines Gedichtes.» Die iranische Regierung versuche, den Kontext der Verse zu verzerren.

Im Iran leben mehr als elf Millionen Aseris in den Provinzen Ost- und West-Aserbaidschan, Ardabil im Nordosten des Landes sowie Sandschan, Hamedan und Ghaswin in West- und Zentraliran. Neben persisch sprechen sie Aseri, das der türkischen Sprache ähnlich ist. Viele Aseris im Iran sind erfolgreiche Geschäftsleute und die meisten Supermärkte in Land werden von ihnen geführt. Ernsthafte Diskussionen im Iran über einen Anschluss der Aseri-Provinzen an die Republik Aserbaidschan gibt es nicht. (sda/dpa)

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quelle: epa / turkish presidential press offic
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