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Die USA als afrikanisches Land – so hätte man die Wahlen kommentiert



«Quellen zufolge hat sich der amerikanische Diktator Donald Trump im Präsidentenpalast verbarrikadiert und verkündet, dass er nicht gehe, bevor er zum Gewinner der katastrophalen Wahlen des Landes erklärt werden würde. Die Vermittlerin der Afrikanischen Union, Monica Juma, versucht derzeit, ihn mit Versprechungen von Fast Food herauszulocken.»

@gathara, 4.11.20, 11:50.

Wenn dich dieser Tweet soeben irritiert oder amüsiert hat, dann hat der Autor sein Ziel erreicht.

Der in Nairobi wohnhafte Patrick Gathara ist Journalist, Kommunikationsberater und Comiczeichner, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, satirisch über die US-Wahlen zu berichten.

Kenyan cartoonist and commentator Patrick Gathara works on drawing cartoons at his house in Nairobi, Kenya, Thursday, Nov. 5, 2020. As the United States twists itself into knots over its most contentious vote in decades, Gathara has spun out a widely read alternate commentary on Twitter, drawing freely from cliches that long have been aimed at elections in Africa. (AP Photo/Khalil Senosi)
Patrick Gathara

Patrick Gathara und seine Karikaturen. Bild: keystone

Wie er in einem Interview gegenüber des amerikanischen Radios WBUR erzählt, wollte er für einmal den Spiess umkehren und so über die US-Wahlen berichten, wie die westlichen Medien normalerweise über andere Wahlen – insbesondere in Entwicklungsländern – berichten.

«In meinem gesamten Thread ging es darum, die Tatsache hervorzuheben, dass der Journalismus dazu tendiert, andere Länder zu exotisieren, die Welt falsch darzustellen und Menschen glauben lässt, dass es Unterschiede gibt. Obwohl wir uns eigentlich ähnlicher sind als wir glauben wollen.»

Patrick Gathara

1.11: Die Vorbereitungen laufen

Am 1. November, zwei Tage vor dem Wahltag, startet Gathara mit seinen Tweets zu den US-Wahlen:

«In den USA sollen in 48 Stunden die Wahllokale eröffnet werden, während das autoritäre Regime von Donald Trump versucht, seinen Einfluss auf die unruhige, ölreiche, atomar bewaffnete nordamerikanische Nation zu festigen. Analysten sind skeptisch, dass die Wahlen Monate politischer Gewalt beenden werden.»

@gathara, 1.11.20, 21:32

Seine Kommentare führen vor Augen, wie Wahlen in anderen Ländern (vor allem dort, wo die Weissen keine Mehrheit darstellen) oft aus einer kolonialistischen «Objektivität» beurteilt werden.

«Afrikanische Gesandte haben die Amerikaner aufgefordert, während der Wahlen den Frieden aufrechtzuerhalten und darauf vorbereitet zu sein, das Ergebnis der Abstimmung zu akzeptieren. In einer gemeinsamen Erklärung verurteilten die Diplomaten die jüngsten Vorfälle von Aufstachelung, Gewalt und Einschüchterung gegen Anhänger der Opposition.»

@gathara, 1.11.20, 21:51

Übertrieben? Zum Vergleich hier eine Pressemitteilung des amerikanischen Aussenministeriums vom 8.10.20 zu den diversen bevorstehenden Wahlen auf dem afrikanischen Kontinent:

«Die Vereinigten Staaten setzen sich für freie, faire und integrative Wahlen ein. Die Durchführung von Wahlen ist nicht nur für Afrikaner wichtig, sondern auch für Verteidiger der Demokratie auf der ganzen Welt. Wir glauben, dass alle Seiten friedlich am demokratischen Prozess teilnehmen sollten. Unterdrückung und Einschüchterung haben in Demokratien keinen Platz.»

US-Aussenministerium, 8.10.20

Secretary of State Mike Pompeo speaks during media briefing, Tuesday, Nov. 10, 2020, at the State Department in Washington. (AP Photo/Jacquelyn Martin, Pool)
Mike Pompeo

Mike Pompeo, amtierender US–Aussenminister. Bild: keystone

Gathara dokumentiert weiter die Vorbereitungen im Vorfeld der Wahlen, wobei unter anderem das Weisse Haus abgeriegelt wird:

«Das virale Video von Barrikaden, die um den Präsidentenpalast in der US-Hauptstadt Washington DC errichtet wurden – vor Ort als ‹das Weisse Haus› bekannt – hat zu Spannungen geführt, als sich Gerüchte verbreiteten, dass der amtierende Despot Donald Trump die Macht nicht aufgeben wird, sollte er die Wahlen von morgen verlieren.»

@gathara, 2.11.20,11:18

Security fencing surrounds the White House in Washington, Tuesday, Nov. 3, 2020, on election day. (AP Photo/Susan Walsh)
White House

In Vorbereitung auf mögliche Proteste wurde um das Weisse Haus ein Zaun errichtet. Bild: keystone

3.11: Der Wahlkrimi beginnt

In Schlangen reihen sich die Amerikaner an verschiedenen Wahllokalen auf. Alles scheint nach rechten Dinge zu- und her zugehen. Gathara kommentiert:

«Während die friedlichen Wahlen in den USA fortgesetzt werden, sagen Politikwissenschaftler, dass es möglicherweise verfrüht sei, Gewalt auszuschließen. ‹In Ländern mit einem ähnlichen demokratischen Entwicklungsstand treten Probleme normalerweise nach einem friedlichen Wahltag auf›, sagt Aplhonse Mjuaji von der Kanegi Foundation.»

@gathara, 3.11.20, 14:28 twitter

Nach Alphonse Mijuaji und der Kanegi Foundation googelt man übrigens vergebens – sie stammen alle aus Gatharas Feder.

Afrika eilt zur Hilfe

Gathara treibt seine Kommentare weiter auf die Spitze, indem er den Kindern, die unter dem amerikanischen Regime leiden, Hoffnung macht:

«Hilfsorganisationen starten die ‹Adopt-An-American› -Kampagne, mit der amerikanische Kinder für eine kleine Spende virtuell adoptiert werden können. Auf einer Website können Spendende den Fortschritt der Kinder verfolgen, US-Familien besuchen und als Bonus US-Häuser für eine authentische amerikanische Erfahrung besichtigen.»

@gathara, 2.11.20, 20:36 twitter

Kenyan cartoonist and commentator Patrick Gathara works on drawing cartoons at his house in Nairobi, Kenya Thursday, Nov. 5, 2020. As the United States twists itself into knots over its most contentious vote in decades, Gathara has spun out a widely read alternate commentary on Twitter, drawing freely from cliches that long have been aimed at elections in Africa. (AP Photo/Khalil Senosi)
Patrick Gathara

Gathara in seinem Haus in Nairobi, Kenya. Bild: keystone

Doch nicht nur den Kindern muss man helfen, sondern dem ganzen Land:

«Der Leiter der AU-Beobachtermission, Milton Allimadi, sagte, das US-Wahlsystem ‹wäre für die meisten afrikanischen Ländern beschämend› und der Kontinent wäre bereit, sein Fachwissen und seine Ressourcen im Rahmen eines ‹Marshall-Plans› weiterzugeben, um die Demokratie in der USA wieder aufzubauen.»

@gathara, 2.11.20, 16:30 twitter

7.11: Noch immer wird gezählt

Am vierten Wahltag ging das Stimmenzählen noch immer weiter. Vielerorts fragten sich übermüdete Zuschauer und Zuschauerinnen, wieso das denn so lange dauert. Afrikanische Nationen wollen helfen:

«Nachdem Beamte im krisengeschüttelten US-Kampf Mühe haben, die Stimmen auch noch am vierten Tag weiter zu zählen, haben afrikanische Nationen angeboten, Kontingente von Mathematiklehrern zu entsenden, um den Prozess zu beschleunigen und die Kapazitäten in einem Land zu stärken, von denen viele auf dem Kontinent hoffen, dass sie die neueste Demokratie der Welt werden wird.»

@gathara, 7.11.20, 4:18

Lehigh County workers count ballots as vote counting in the general election continues, Friday, Nov. 6, 2020, in Allentown, Pa. (AP Photo/Mary Altaffer)

Stimmen zählen in Allentown, Pennsylvania. Bild: keystone

Dann ist es soweit: Joe Biden wird von den amerikanischen Medien als neuer gewählter Präsident ausgerufen. Gathara berichtet:

Der alternde Oppositionsführer und ehemalige Vizepräsident Joe Biden wird voraussichtlich zum Gewinner der umstrittenen Wahlen in der nordamerikanischen Nation USA erklärt, die über reichlich natürliche Ressourcen verfügt, aber leider von tiefen ethnischen Feindseligkeiten und einer räuberischen, korrupten Elite geplagt wird.

@gathara, 7.11.20, 6:49

Gathara vermittelt hier vermutlich die Stimmung, welche der Bericht des amerikanischen Aussenministeriums zu den vergangenen Wahlen in Kenya ausgelöst hat:

«Die Wahlen in Kenia 2013 und 2017 verliefen friedlicher, obwohl weiterhin Bedenken hinsichtlich der Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit demokratischer Institutionen und der Einhaltung der Rechtsstaatlichkeit durch die Regierung bestehen.»

Mit seinen Kommentaren zu den US–Wahlen wollte Gathara den Lesern und Leserinnen neue Denkanstösse geben, wie er gegenüber AfricaNews sagte:

«Es ist nicht nur lustig, ‹haha› – es ist Satire, welche die Menschen dazu bringen sollte, über die Dinge, die sie sehen, nachzudenken und zu hinterfragen wie die Welt geordnet ist, und sich verschiedene Daseins- und Organisationsformen vorzustellen. »

Patrick Gathara africanews

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