Schaffen die Demokraten die Sensation? Talarico in Texas erstmals in Führung
Seit 1993 stellte Texas keinen demokratischen Senator mehr. Über Jahrzehnte konnten sich republikanische Kandidaten ihrer Wahl sicher sein. 2026 wird es aber eng.
Um den Sitz des Republikaners John Cornyn kämpfen an den Midterms im November der Demokrat James Talarico und der Republikaner Ken Paxton. Talarico hatte sich in den Vorwahlen gegen die lautstarke Jasmine Crocket durchgesetzt. Generalstaatsanwalt Paxton, ein Trumpist erster Güte, schaffte es, den amtierenden Senator Cornyn zu besiegen.
Cornyn wagte es, sich auch mal kritisch gegenüber dem US-Präsidenten zu äussern – und in verschiedenen Fällen mit den Demokraten zusammenzuarbeiten. Er galt als konservativer, aber pragmatischer «Gentleman»-Republikaner der alten Schule – und das wurde ihm zum Verhängnis.
Mit Paxton setzte sich bei den Republikanern nicht nur der extremere und populistischere Kandidat durch, sondern auch einer, der keinen Skandal auslässt. Er investierte in Firmen, denen er zu Aufträgen durch den Staat verhalf – und deklarierte dies nicht. Er stibitzte einen Montblanc-Kugelschreiber im Wert von 1000 Dollar eines Anwaltskollegen – ein Geschenk von dessen Frau. Der Mann hatte das Schreibgerät beim Gang durch einen Metalldetektor in einer Plastikschale liegen gelassen und Paxton wurde dabei gefilmt, wie er ihn einsackte. Er rückte den Stift erst wieder heraus, als er vom Sheriff kontaktiert wurde.
2020 meldeten acht hochrangige Mitarbeiter von Paxton, darunter auch sein Stellvertreter und der Leiter der Strafverfolgungsbehörde, ihren Chef beim FBI. Sie warfen ihm Amtsmissbrauch, Bestechung und kriminelles Verhalten vor. Unter anderem ging es darum, dass Paxton die Justiz daran hinderte, die Machenschaften seines grosszügigen Spenders Natin Paul zu untersuchen. Die acht Whistleblower wurden entlassen oder zum Rücktritt gezwungen – erkämpften sich aber später per Gericht Entschädigungen in Millionenhöhe.
Und als ob das nicht genug wäre, betrog Paxton auch noch seine Frau und sorgte dafür, dass seine Geliebte einen Job in Natin Pauls Immobilienfirma erhielt. Paul bestätigt, die Frau angestellt zu haben, behauptet aber, dies sei «ohne Druck» von Paxton geschehen. Paxtons Ehefrau, ebenfalls Politikerin für die Republikaner, reichte darauf die Scheidung ein. Vollzogen ist diese noch nicht.
Kürzlich berichtete die Daily Mail von einem weiteren Ehebruch – mit der christlichen Influencerin und siebenfachen Mutter Tracy Duhon. Auch wenn Geschichten der «Daily Mail» mit Vorsicht zu geniessen sind, richtete vor allem diese zweite Affäre grossen Reputationsschaden an. Dieser zeigt sich nun auch in den Wahlprognosen.
Bei den führenden Prediction-Market-Plattformen Polymarket und Kalshi, sie fallen in der Schweiz unter das Glücksspielgesetz und können hierzulande nicht aufgerufen werden, hat James Talarico Paxton überholt und liegt dort mittlerweile komfortabel in Führung.
Bei der Umfrage der Texas Southern University liegt Talarico mit 47 Prozent einen Prozentpunkt vor Paxton. Der Rest geht auf den libertären Kandidaten Ted Brown. Vom Vorsprung des Demokraten berichtet sogar der lokale Ableger von Fox News. Das Meinungsforschungsinstitut Marist sieht Talarico aktuell gar mit sechs Prozentpunkten vorne. Marist berücksichtigt bei Umfragen nur registrierte Wähler.
Die Stimmen der Always-Trumper sind Paxton sicher. Die Gruppe ist zäh und loyal – dazu gehört auch seine Ehefrau. Diese sprach sich an einem Kongress für republikanische Frauen für die Wahl ihres Noch-Ehegatten aus: «Es geht nicht um die Menschen – es geht um den Sitz», erklärte sie, «denn wir haben mehr Kontrolle über diesen Sitz und die Zukunft, wenn wir ihn besetzen – wenn er in der Familie bleibt. Selbst wenn wir sauer sind.»
Im gemässigten Lager tun sich die Republikaner indes schwer mit Ken Paxton. Glenn Rogers (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen «Cross Country Killer») erklärte: «Ich werde Ken Paxton niemals vertrauen, ich werde Ken Paxton niemals unterstützen, und der letzte Ort, an dem er sein sollte, ist der Senat der Vereinigten Staaten». Der ehemalige republikanische Abgeordnete im Repräsentantenhaus sagt das nicht hinter vorgehaltener Hand. Er sagt das in einem Werbespot für James Talarico.
