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Mangione-Prozess: Anwälte wollen Beweise ausschliessen lassen

Mangione-Prozess: Anwälte wollen Beweise ausschliessen lassen

Rund ein Jahr nach der Tötung des Vorstandschefs eines Krankenversicherers in New York möchte der Angeklagte vor dem eigentlichen Prozess einige Beweise ausschliessen lassen.
02.12.2025, 04:2002.12.2025, 04:20

Bei Vorverhandlungen wollen die Anwälte des 27 Jahre alten mutmasslichen Mörders Luigi Mangione unter anderem erreichen, dass eine bei seiner Festnahme in einem Rucksack gefundene Waffe und einige seiner Äusserungen nicht als Beweismittel vor Gericht verwendet werden dürfen. Das berichten übereinstimmend mehrere US-Medien.

epa12562756 Luigi Mangione appears for a suppression of evidence hearing at the Manhattan Criminal Court in New York, New York, USA, 01 December 2025. A series of pretrial hearings started at the Manh ...
Luigi Mangione vor dem Gericht in New York.Bild: keystone

Für den Rucksack habe kein Durchsuchungsbefehl vorgelegen, und Mangione habe die Aussagen getroffen, bevor ihm von den Ermittlern sein Recht zu Schweigen erläutert wurde, erklärt unter anderem CBS News die Argumentation der Verteidigung.

Zur Diskussion über die möglichen Beweise waren der Beschuldigte, seine Anwälte und Ankläger am Montag vor einem Strafgericht in New York erschienen. Laut Gerichtsunterlagen hat die Staatsanwaltschaft bereits beantragt, den Einlassungen der Verteidigung nicht zu folgen, und um Zulassung der Beweismittel gebeten. Die Vorverhandlungen zum eigentlichen Prozess sind auf mehrere Tage angesetzt.

Gegen den mutmasslichen Täter laufen mehrere Verfahren

Im September hatte die Verteidigung bereits einen ersten Erfolg erzielt, als das Gericht einen Anklagepunkt in Zusammenhang mit Terrorismus und einen Anklagepunkt wegen vorsätzlichen Mordes fallen liess. An einem weiteren, weniger schwerwiegenden Anklagepunkt wegen Mordes werde aber festgehalten, teilte das Gericht mit.

Die Vorgespräche beziehen sich auf eine Anklage des Bundesstaats New York gegen Mangione. Er ist ausserdem auch auf Bundesebene und im Bundesstaat Pennsylvania angeklagt – unter anderem wegen Mordes, Stalkings und Vergehen in Zusammenhang mit Waffen. US-Justizministerin Pam Bondi hatte die Todesstrafe für ihn gefordert, seine Verteidigung kritisierte dieses Einmischen als «unverfroren politisch». Mangione hatte zuvor in allen Anklagepunkten auf nicht schuldig plädiert.

Tat und Spurensuche hatten weltweit für Aufsehen gesorgt

Er wird beschuldigt, am 4. Dezember 2024 den Chef des milliardenschweren US-Krankenversicherers United Healthcare, Brian Thompson, gezielt auf einer Strasse im New Yorker Stadtteil Manhattan erschossen zu haben. Der 50-Jährige war nahe dem Times Square aus nächster Nähe niedergeschossen worden und in einem Krankenhaus an seinen Verletzungen gestorben.

Die von Überwachungskameras gefilmte Tat sowie die öffentliche Fahndung führten weltweit zu Schlagzeilen. Der Schütze floh zunächst auf einem Fahrrad und verschwand dann. Fünf Tage später wurde Mangione in einem Fast-Food-Lokal in der Stadt Altoona im US-Bundesstaat Pennsylvania als Tatverdächtiger verhaftet. Nach der Tat hatte es in den USA ungewöhnlich viel Sympathiebekundungen für den mutmasslichen Schützen gegeben. Millionen US-Amerikaner verzweifeln an dem teuren Gesundheitssystem ihres Landes. (sda/dpa)

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17 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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ELMatador
02.12.2025 06:43registriert Februar 2020
Vielleicht sollte man dem Artikel anfügen, wie viele Menschen in den USA jährlich wegen des horrenden Gesundheitssystems in die Sucht getrieben werden oder sogar sterben.

Ja, Mangiones Tat ist unentschuldbar und darf nicht verherrlicht werden. Gleichzeitig ist die Situation als solche dramatisch, und man sollte sich überlegen, ob nicht auch all jene, die im US-Profitsystem Gewinne auf dem Rücken der Toten machen, des Mordes, der Mittäterschaft oder zumindest der moralischen Verantwortung bezichtigt werden sollten.
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Jackie055
02.12.2025 07:16registriert August 2025
In einem gerechten System hätte Magione seine Tat nie ausführen können, weil Thompson in einer Gefängniszelle gewesen wäre. Dieser Mann hat Entscheidungen getroffen, welche den Tod von tausenden von Menschen nach sich zog. Kein Rechtssystem, dass diesen Namen auch verdient, sollte ein solches Verhalten jemals durchgehen lassen.
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