International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Ein US-Gericht hat den Pharmakonzern Johnson&Johnson wegen der unrechtmässigen Vermarktung von suchtgefährdenden Opiat-Schmerzmitteln zu einer hohen Geldstrafe verurteilt. (Foto: Justin Lane/Keystone Archiv)

Der US-Pharmakonzern Johnson & Johnson ist im US-Bundesstaat Oklahoma wegen unrechtmässiger Vermarktung von suchtgefährdenden Schmerzmitteln zu einer hohen Strafe verurteilt worden. Bild: EPA

US-Gericht verurteilt Johnson & Johnson wegen Opiate-Epidemie



Der US-Pharmakonzern Johnson & Johnson ist im US-Bundesstaat Oklahoma wegen unrechtmässiger Vermarktung von suchtgefährdenden Schmerzmitteln zu einer hohen Strafe verurteilt worden.

Der zuständige Richter Thad Balkman ordnete am Montag eine Zahlung von 572 Millionen Dollar (515 Mio Euro) an, weil der Konzern zur Medikamentenabhängigkeit im US-Bundesstaat Oklahoma beigetragen habe. Johnson & Johnson kündigte umgehend an, Berufung gegen die Entscheidung einzulegen.

Durch irreführende Werbung über in hohem Masse abhängig machende Schmerzmittel hätten J&J und dessen frühere Pharma-Abteilung Janssen «die Gesundheit und Sicherheit tausender Bürger Oklahomas beeinträchtigt», hiess es in dem am Montag verkündeten Urteil.

Der Generalstaatsanwalt von Oklahoma, Mike Hunter, hatte dem Konzern vorgeworfen, mit suchtgefährdenden Schmerzmitteln ein Wegbereiter der Opiate-Epidemie und Drogenkrise gewesen zu sein.

Johnson & Johnson wurde in der Klage beschuldigt, bei der Vermarktung der Medikamente aus Profitgier Suchtrisiken durch irreführende Angaben verschleiert zu haben. Oklahomas Staatsanwalt Hunter hatte eine noch deutlich höhere Strafe von über 17 Milliarden Dollar gefordert.

Johnson&Johnson geht in die Berufung

J&J kündigte umgehend Berufung an. «Janssen hat die Opiate-Krise in Oklahoma nicht verursacht», erklärte der US-Konzern. Es handelt sich um die erste Verurteilung eines Herstellers in den USA wegen der Opiate-Krise, die in vielen Regionen ein dramatisches soziales Problem darstellt. Nach Behördenangaben starben im Jahr 2017 landesweit rund 47'600 Menschen an Überdosen von Opiaten.

FILE - In this July 15, 2019, file photo, Oklahoma Attorney General Mike Hunter speaks during closing arguments in Oklahoma's ongoing opioid drug lawsuit against Johnson & Johnson, in Norman, Okla. An Oklahoma judge is expected to deliver a judgment following a first-of-its-kind trial in which the state is trying to hold an opioid drugmaker responsible for the devastating consequences of addiction to the powerful painkillers. (Photo/Sue Ogrocki, File)
Mike Hunter

Der Generalstaatsanwalt von Oklahoma, Mike Hunter, hatte dem Konzern vorgeworfen, mit suchtgefährdenden Schmerzmitteln ein Wegbereiter der Opiate-Epidemie und Drogenkrise gewesen zu sein. Bild: AP

Richter Thad Balkman in Oklahoma machte J&J direkt dafür verantwortlich, dass tausende Menschen in Oklahoma von Opiaten abhängig wurden, viele an Überdosen starben und die Zahl der Neugeborenen mit Entzugssymptomen zugenommen hat.

Die J&J auferlegte Entschädigungssumme soll dafür verwendet werden, in Oklahoma Programme gegen die Opiate-Sucht zu finanzieren. In den USA sind insgesamt fast 2000 Klagen gegen die Hersteller von Medikamenten mit Opiaten anhängig.

Das Urteil in Oklahoma stützt sich auf ein Gesetz gegen «Störung der öffentlichen Ordnung». J&J argumentiert jedoch, die Staatsanwaltschaft habe nicht nachweisen können, dass die Produkte und Handlungen des Unternehmens eine «Störung der öffentlichen Ordnung» dargestellt hätten.

Anleger reagierten erleichtert auf das Urteil, die Aktie von Johnson & Johnson stieg nachbörslich zeitweise um mehr als fünf Prozent. Die Klage richtete sich auch gegen andere Unternehmen, doch Purdue Pharma – der Hersteller des berüchtigten Schmerzmittels Oxycontin – und Teva hatten sich auf Vergleichszahlungen von 270 Millionen beziehungsweise 85 Millionen Dollar geeinigt und den Prozess damit abgewendet. Es laufen jedoch noch zahlreiche weitere ähnliche Klagen in den USA. (sda/afp/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Highweh – der Leidensweg eines Junkies

Tauchboot mit acht Tonnen Kokain gestoppt

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

1
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen

Oberstes US-Gericht ebnet Weg für Wiederaufnahme von Hinrichtungen

Das Oberste Gericht der USA hat den Weg zur Wiederaufnahme von Hinrichtungen auf Bundesebene geebnet. Damit könnten nach etwa 17 Jahren bald wieder Todesurteile vom Bund vollstreckt werden. Die Richter entschieden am Montag mehrheitlich, dass über die von der Trump-Regierung geänderten Regularien für die angestrebte Wiederaufnahme nicht verhandelt wird.

Während viele US-Bundesstaaten die Todesstrafe vollstrecken, hat es auf Bundesebene seit 2003, also etwa 17 Jahren, keine Hinrichtung mehr …

Artikel lesen
Link zum Artikel