International
USA

Waffen-Prozess gegen Hunter Biden: Ihm drohen bis zu 25 Jahre

Waffen-Prozess gegen Hunter Biden: Ihm drohen bis zu 25 Jahre

Im Strafprozess gegen US-Präsidentensohn Hunter Biden wegen mutmasslicher Verstösse gegen das Waffenrecht könnte ein baldiges Urteil bevorstehen.
11.06.2024, 03:40
Mehr «International»

Die Geschworenen zogen sich am Montagnachmittag (Ortszeit) in Wilmington im US-Bundesstaat für erste Beratungen zurück. Diese sollen an diesem Dienstag (15.00 Uhr MESZ) fortgesetzt werden. Bei dem Prozess wird Hunter Biden zur Last gelegt, bei einem Waffenkauf im Oktober 2018 falsche Angaben gemacht und seine damalige Drogenabhängigkeit verschwiegen zu haben. Der Prozess war eine politische Belastung für US-Präsident Joe Biden. Eine Verurteilung seines Sohnes dürfte den Demokraten mitten im Wahlkampf weiter unter Druck setzen.

epa11402995 Hunter Biden, son of US President Joe Biden, departs his gun trial at the US Federal District Court in Wilmington, Delaware, USA, 10 June 2024. The defense and prosecution have rested thei ...
Hunter Biden drohen bis zu 25 Jahre Gefängnis.Bild: keystone

Bei einer Verurteilung drohen Hunter Biden bis zu 25 Jahre Haft. Es ist allerdings unklar, inwieweit die zuständige Richterin das Strafmass in diesem Fall ausreizen würde, da der 54-Jährige nicht vorbestraft ist. Wann das Urteil fällt, ist offen. Die Beratungen der zwölf Geschworenen können sich über mehrere Tage hinziehen. Das Urteil der Geschworenen muss einstimmig ausfallen. Wenn die Jury nicht in der Lage ist, zu einem solchen Ergebnis zu kommen, könnte das Verfahren platzen.

Die Verteidigung rief die Jury am Montag während ihres Abschlussplädoyers US-Medien zufolge dazu auf, den 54-Jährigen, der auf unschuldig plädiert hatte, freizusprechen. Der Staatsanwalt hingegen habe gesagt, dass die Beweise gegen Hunter Biden «überwältigend» seien, schrieb die «Washington Post». Wenn diese nicht zeigten, dass Biden 2018 ein Crack-Süchtiger gewesen sei, als er die Waffe gekauft habe, «dann ist niemand ein Crack-Süchtiger», zitierte die Zeitung Staatsanwalt Derek Hines.

Bei dem Prozess wurde einiges an schmutziger Wäsche gewaschen. Neben Hunter Bidens Tochter Naomi sagten auch ehemalige Partnerinnen aus. Die Befragungen warfen ein Schlaglicht auf die Drogensucht des Präsidentensohnes, die er in seiner Autobiografie selbst öffentlich gemacht hatte. Er bestreitet jedoch, während des Waffenkaufs drogenabhängig gewesen zu sein. Der Sohn des US-Präsidenten macht seit Jahren Schlagzeilen – es geht neben Alkoholsucht und Drogenabhängigkeit auch um windige Geschäfte oder rechtliche Streitigkeiten mit einer Ex-Stripperin über den Unterhalt für ein uneheliches Kind. Anfang Dezember wurde er auch im Bundesstaat Kalifornien angeklagt, weil er Bundessteuern für mehrere Jahre nicht ordnungsgemäss gezahlt haben soll.

Während des Waffenprozesses in Wilmington kam US-Präsident Joe Biden selbst nicht in den Gerichtssaal. Dafür zeigten aber diverse andere Familienangehörige Solidarität - etwa First Lady Jill Biden, Hunters Stiefmutter. Sie unterbrach sogar den gemeinsamen Frankreich-Besuch mit Präsident Biden und jettete mehrere Tausend Kilometer über den Atlantik, um persönlich vor Gericht zu erscheinen. Dass eine First Lady als moralische Stütze über Tage hinweg in einem Gerichtssaal in Erscheinung tritt, ist ebenso ungewöhnlich wie die Anklage gegen den Präsidentensohn selbst.

Der Sohn als Bürde im Wahlkampf

US-Präsident Biden will bei der Präsidentenwahl im November für eine zweite Amtszeit antreten. Die juristischen und sonstigen Probleme seines Sohnes bieten politische Angriffsfläche. Vergangene Woche kündigte er an, seinen Sohn im Fall einer Verurteilung nicht begnadigen zu wollen. Diese Aussage steht im Kontrast zum Verhalten seines Vorgängers Donald Trump. Der republikanische Präsidentschaftsbewerber hat durchblicken lassen, Urteile bei einem Wahlsieg zurückdrehen zu wollen.

In New York – wo er wegen illegaler Wahlkampf-Finanzierung bereits schuldig gesprochen wurde – könnte er das allerdings nicht, da es sich nicht um einen Fall auf Bundesebene handelt. Die Verkündung des Strafmasses steht noch aus. Gegen Trump laufen noch weitere Anklagen - wegen versuchten Wahlbetrugs und der Mitnahme geheimer Regierungsdokumente. Die Verfahren in diesen Fällen haben noch nicht begonnen. (sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
36 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Rikki-Tiki-Tavi
11.06.2024 06:19registriert April 2020
Ein Ministrantenbub im Vergleich mit Donny Trump.
6915
Melden
Zum Kommentar
avatar
Amadeus
11.06.2024 07:37registriert September 2015
Spannende Unterschiede im Framing:

Trump verurteilt -> wird ihm nicht schaden im Wahlkapmp
Biden's Sohn angeklagt -> Eine Verurteilung seines Sohnes dürfte den Demokraten (Biden) mitten im Wahlkampf weiter unter Druck setzen.

Finde den Unterschied 🙄
609
Melden
Zum Kommentar
avatar
En Espresso bitte
11.06.2024 09:14registriert Januar 2019
Der Typ ist 54-jährig und damit mehr als nur volljährig nach US-Recht. Der kann auf sich selbst aufpassen (oder eben nicht). Dass er eine an der Klatsche hat, ist zwar unbestritten. Warum aber seine Fehler und Misstritte Biden Senior angelastet werden, ist mir echt schleierhaft.
262
Melden
Zum Kommentar
36
Céline Dion gesteht Einnahme «sehr gefährlicher» Medikamente
Die Sängerin Céline Dion hat in einem Fernsehinterview den exzessiven Gebrauch teils gefährlicher Medikamente gestanden.

Sie habe mit «kleinen Dingen» angefangen und sich dann «sehr gefährlichen Medikamenten» zugewandt, um weiterzumachen, sagte die Sängerin.

Zur Story