Föhnsturm rollt an: Orkanböen und Schneefall erwartet
Die neue Woche beginnt turbulent: Ein ausgeprägtes Tief über Südfrankreich sorgt in den Alpen für einen Föhnsturm. Ab Montagabend bis Dienstagmorgen fegt in den Föhntälern nördlich der Alpen der Föhn mit Windböen von 90 bis 120 km/h hindurch. An exponierten Lagen kann der Sturm gar Wind-Geschwindigkeiten von bis zu 140 km/h erreichen.
Besonders heftig trifft es das Urner Reusstal, das Rheintal und das Haslital. MeteoSchweiz hat für mehrere Regionen eine Unwetterwarnung der Stufe 3 von 5 ausgesprochen. Der Sturm beschränkt sich dabei nicht nur auf die Alpentäler: Auch in grosser Höhe bläst ein extrem starker Südwind, der auf den Berggipfeln ungehindert Orkanstärke erreicht. Die Kombination aus kräftiger Höhenströmung und Föhneffekten verstärkt die Böen zusätzlich.
Auch Skigebiete könnten leiden
Für Wintersportler bedeutet das nichts Gutes. Viele Skigebiete müssen damit rechnen, dass Bahnen und Gondeln aus Sicherheitsgründen zeitweise stillgelegt werden müssen.
Auslöser für den Sturm ist ein Tiefdruckgebiet über dem Golf von Biskaya, der sich von Nordspanien entlang der französischen Atlantikküste bis in die Bretagne erstreckt. Dieses Tief baut eine massive Druckdifferenz zwischen Alpensüd- und Alpennordseite auf – und je höher die Druckdifferenz, desto stärker die Winde.
Am Dienstag erreicht der Luftdruckunterschied zwischen Lugano und Zürich rund 12 Hektopascal. Zum Vergleich: Ein gewöhnlicher Südföhn setzt bereits bei 3 bis 4 Hektopascal ein.
Die Sonnenstube hat kalt, Bergtäler hingegen warm
Während nördlich der Alpen der Föhn einsetzt, erwärmt sich die Luft stark, sobald sie den Alpenhauptkamm überquert und talwärts absinkt. Dabei kommt es zu Abtrocknung und Kompression, wodurch die Temperaturen in den typischen Föhntälern, wie Chur oder Altdorf, auf ungewöhnliche 13 bis 14 Grad ansteigen können.
Im Gegensatz dazu bleibt die Alpensüdseite winterlich: Im Tessin könnten wegen des Tiefs oberhalb von 1000 Metern bis zu 50 cm Neuschnee fallen. Die starken Höhenwinde können den Schneefall sogar über den Alpenhauptkamm in nördlichere Gebiete hinaustreiben. Im Mittelland sind kräftige Föhnböen hingegen selten, da dort eine schwere Winter-Kaltluft-Schicht liegt, die der Wind zuerst «wegstossen» müsste.
Die Woche wird wechselhaft
Erst am Dienstagabend flaut der Föhnsturm langsam ab, bis er am Mittwochmorgen endgültig endet. Danach gelangt eine schwache Kaltfront über die Alpennordseite, die etwas Niederschlag bringt und die Schneefallgrenze vorübergehend auf rund 1200 Meter senkt, ein typischer Übergang nach einer starken Föhnlage.
In weiten Teilen des Mittellands, in Zürich, Basel und Bern, ist nach dem Sturm zwar mit milden Temperaturen und zeitweise sonnigen Abschnitten zu rechnen, doch das Wetter bleibt nach dem Sturm wechselhafter und windanfälliger als sonst im Winter. Für den Wochenverlauf werden im Flachland Tages-Höchsttemperaturen zwischen 5 bis 9 Grad vorausgesagt.
Laut aktuellen Wettermodellen bleibt es in den kommenden Tagen in weiten Teilen der Schweiz mild mit wiederholtem Sonnenschein, teils Wolken und leichtem Niederschlag, wobei im Alpenraum lokale Föhnböen weiterhin möglich sind und die Temperaturen dort stellenweise höher liegen können als im Flachland.
Die Woche schliesst dann, gemäss Prognosen, mit einem regnerischen Freitag, gefolgt von einem Wochenende mit vereinzeltem Sonnenschein und milden Temperaturen zwischen 7 und 10 Grad. (ear)
