Man hat das älteste Werkzeug der Welt gefunden und es ist …
Sorry, diesen kurzen Spass konnten wir uns nicht verkneifen. Diejenigen, die sich tatsächlich für die archäologische Komponente dieser Geschichte interessieren, wollen wir aber natürlich nicht enttäuschen. Hier deshalb noch ein paar Informationen zu diesem Fund.
Die Fundstücke
Bei den Fundstücken handelt es sich um zwei separate Stücke aus Holz; einen Stock und einen undefinierbaren Splitter. Sie sollen die ältesten tragbaren Holzwerkzeuge sein, die je gefunden wurden. Ihre Existenz deutet darauf hin, dass die frühen Vorfahren des Menschen Holz für Werkzeuge, Waffen und vielleicht auch Unterkünfte verwendeten. Die Entdeckung wurde von einem internationalen Team von Forscherinnen und Forschern gemacht.
Der Stock ist in vier Teile zerbrochen und weist klare Spuren von Bearbeitung auf. Äste wurden entfernt, um einen Griff zu schaffen. Das Werkzeug ist zusammengesetzt 81 Zentimeter lang. Es ist aus Erlenholz.
Das zweite Werkzeug ist nur etwa acht Zentimeter lang. Es wurde aus dem Holz einer Weide gefertigt.
Beim Stock deutet die Analyse der Gebrauchsspuren darauf hin, dass er zum Graben verwendet wurde, etwa um am Seeufer nach Wurzeln zu suchen, oder um Rinde von Bäumen zu lösen. Das zweite Fundstück sei mysteriöser, schreibt die Forschungsgruppe in einem wissenschaftlichen Artikel, der am 26. Januar in den «Proceedings of the National Academy of Sciences» (PNAS) erschienen ist. Sein Verwendungszweck ist unbekannt.
Auch Knackeboul erkannte schon die vielseitigen Einsatzmöglichkeiten eines Stocks:
Das Alter
430'000 Jahre alt sollen die gefundenen Stücke sein. Geomagnetische und andere Analysen haben die Datierung bestätigt. Als Anhaltspunkt: Der Homo sapiens, also der anatomisch moderne Mensch, existiert seit ungefähr 300'000 Jahren.
Bruce Hardy, Anthropologe am Kenyon College in Gambier, Ohio, geht deshalb davon aus, dass es Urmenschen waren, die die Werkzeuge verwendet haben. Vor 430'000 Jahren – im sogenannten Mittelpleistozän – lebten verschiedene Vorfahren des Homo sapiens, etwa der Homo erectus und der Homo heidelbergensis. Auch die frühesten Neandertaler könnten damals schon existiert haben.
Der Fundort
Gemacht wurde die Entdeckung auf der Peloponnes-Halbinsel in Griechenland. Die Fundstücke gehören zu Tausenden von Holz-, Knochen- und Steinfunden, die aus einer Braunkohlemine in Marathousa, etwa in der Mitte der Halbinsel, geborgen wurden.
Der Fundort soll zur Zeit der Herstellung der Werkzeuge eine antike Stätte am Ufer eines Sees gewesen sein, der inzwischen jedoch ausgetrocknet ist. Ausgrabungen förderten dort auch die Überreste eines zerlegten Ur-Elefanten und anderer Tiere zutage – es könnte sich also um einen Schlachtplatz gehandelt haben, an dem Wild zerlegt wurde.
Der Ort wurde vor zehn Jahren entdeckt und seither haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dort bereits viele neue Erkenntnisse darüber gewonnen, wie unsere Vorfahren über Hunderttausende Jahre hinweg Holzwerkzeuge verwendet haben.
Man habe «so viel Glück, unglaublich viel Glück» gehabt, sagte die paläolithische Archäologin Annemieke Milks von der Universität Reading in England. Sie ist eine der an der Entdeckung beteiligten Forscherinnen und Forscher.
Dass dieses Holz nicht verrottet sei, liege daran, dass der Boden dort zum Zeitpunkt der Herstellung der Gegenstände stark durchnässt gewesen sei und sie dadurch etwa 30 Meter tief begraben waren, schreiben Milks und ihre Kolleginnen und Kollegen.
Andere prähistorische Holzwerkzeug-Funde
Bisherige bekannte Referenzpunkte für die frühe Nutzung von Holz für Werkzeuge waren Funde aus Grossbritannien, etwa die 400'000 Jahre alte Lanze von Clacton-on-Sea oder die 300'000 Jahre alten Schöninger Speere aus Deutschland.
Es gibt sogar noch ältere Belege, zum Beispiel eine hölzerne Struktur aus Kalambo Falls in Sambia, die 2019 gefunden wurde. Diese wird auf 476'000 Jahre datiert. Es handelt sich dabei jedoch um geformte Baumstämme, also eher um Baumaterial als um ein Werkzeug.
1989 wurde am Ufer des Jordan ein hochglanzpoliertes Stück Holz von der Grösse eines Buches gefunden, das auf ein Alter von 780'000 Jahren datiert wurde. Laut Naama Goren-Inbar von der Hebräischen Universität Jerusalem, der Archäologin, die die Ausgrabung damals geleitet hatte, sei das Objekt Teil eines Handwerkzeugs gewesen. Inzwischen sind beide Enden davon abgebrochen, wodurch das nicht mehr zu beweisen ist.
