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Wegen Human Error: US-Militär schoss 211 Mal auf das Spital von Ärzte ohne Grenzen in Kundus



Der tödliche Angriff auf ein Spital der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) im nordafghanischen Kundus Anfang Oktober ist auf das Fehlverhalten einzelner Soldaten zurückzuführen. Dies heisst es in einem Untersuchungsbericht des US-Militärs.

U.S. Army General John Campbell, the commander of international and U.S. forces in Afghanistan, speaks beside a Kunduz city map during a news conference at Resolute Support headquarters in Kabul, Afghanistan, November 25, 2015. The U.S. investigation into a deadly Oct. 3 strike on a hospital run by Medecins Sans Frontieres in the northern Afghan city of Kunduz concluded it was a tragic accident caused primarily by human error, Campbell said on Wednesday. REUTERS/Massoud Hossaini/Pool

US-General John Campbell, Chef der internationalen Truppen in Afghanistan, musste den verhängnisvollen Angriff auf das Spital in Kundus erklären.
Bild: AP

Der «tragische, aber vermeidbare Zwischenfall wurde hauptsächlich durch menschliches Versagen verursacht», sagte US-General John Campbell am Mittwoch im NATO-Hauptquartier in Kabul. Das eigentliche Ziel der Bombardierung sei ein Gebäude mit Aufständischen gewesen.

Bei dem Luftangriff am 3. Oktober waren mindestens 30 Menschen getötet worden, unter ihnen 14 Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen. Der Vorfall sorgte international für Empörung. Campbell legte nun den Abschlussbericht des Pentagons vor.

Die Klinik sei «fälschlicherweise als Ziel identifiziert» worden, sagte der US-Oberkommandant in Afghanistan. Eigentlich sollte demnach ein hunderte Meter entferntes Gebäude bombardiert werden, in dem verfeindete Kämpfer vermutet wurden. Als der Fehler bemerkt wurde, war das Gebäude innerhalb von 25 Minuten 211 Mal beschossen worden.  

Soldaten suspendiert

«Die Einsatzkräfte, die den Luftangriff anforderten und diejenigen, die ihn ausführten, haben keine ausreichenden Massnahmen ergriffen, um zu überprüfen, ob das Gebäude ein legitimes militärisches Ziel war», erklärte Campbell.

Die für den Angriff verantwortlichen Soldaten seien vom Dienst suspendiert worden. «Wir haben aus diesem schrecklichen Vorfall gelernt», betonte der US-General. Auf Grundlage des Berichts würden nun disziplinarische Massnahmen eingeleitet.

FILE - In this Oct. 16, 2015, file photo, an employee of Doctors Without Borders stands inside the charred remains of their hospital after it was hit by a U.S. airstrike in Kunduz, Afghanistan. A dozen survivors interviewed by The Associated Press are convinced that the attack on the hospital, which treated wounded Taliban and government fighters alike, was no accident. They say it was sustained and focused on destroying the main hospital building, which the aid agency says “correlates exactly” with GPS coordinates it had given to all parties in the conflict. (Najim Rahim via AP, File)

Ein MSF-Angestellter begutachtet das zerstörte Spital in Kundus.
Bild: Najim Rahim/AP/KEYSTONE

FILE - In this Oct. 16, 2015 file photo, the charred remains of the Doctors Without Borders hospital is seen after it was hit by a U.S. airstrike in Kunduz, Afghanistan.  Inside the intensive care unit of the Doctors Without Borders hospital in Northern Afghanistan in the early hours of Oct. 3, 2015, the situation was as normal as it could be in the middle of an active war zone, the charity says in a report. Then an American AC-130 arrived and began firing its fearsome weapons. The Intensive Care Unit was hit first. (Najim Rahim via AP)

Bild: Najim Rahim/AP/KEYSTONE

MSF verlangt unabhängige Untersuchung

MSF beharrt auf einer unabhängigen Untersuchung. Der Bericht werfe mehr Fragen auf, als er beantworte. «Es ist schockierend, dass ein Angriff erfolgen kann, wenn die US-Streitkräfte weder das Ziel sehen noch eine Nichtangriffsliste vorliegen haben und die Kommunikationssysteme nicht funktionieren», heisst es in einem Statement.

Es habe den Anschein, dass 30 Menschen sterben mussten und Hunderttausenden lebenswichtige Behandlungen unmöglich gemacht wurden, nur weil das Spital das nächste grössere Gebäude zu einer grösseren Freifläche war und ungefähr der Beschreibung eines beabsichtigten Angriffszieles entsprach. Es habe keinerlei militärische Rechtfertigung für den Beschuss gegeben, es hätten sich keine Kämpfer in dem Gebäude aufgehalten. (trs/sda/afp)

So sah es in Kundus nach dem Angriff aus

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4Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • blueberry muffin 26.11.2015 09:10
    Highlight Highlight Etwas passiert, und die unteren sind Schuld. Ist natuerlich kein Problem der Generaele oder Offiziere.

    Ausser das sie ihren Soldaten das falsche Ziel angegeben haben. Aber die Soldaten sollen die Ziele dann gefaellig "nachpruefen" ... also sind doch wieder die Soldaten und nicht die oberen Schuld. Nice.

    Haetten die Soldaten die Ziele ueberprueft und nicht geschossen waeren sie wohl wegen "Befehlsverweigerung" dran gekommen oder man haette ihnen bei einem echten Ziel vorgeworfen, zu lange zu zoegern vor dem Eingriff und Leben zu gefaerden..
  • Asmodeus 26.11.2015 08:59
    Highlight Highlight Welch Erklärung.

    "Wir haben in diesem Gebäude gegnerische Kämpfer vermutet. Dabei wollten wir einige hundert Meter weiter ein Haus bombardieren in dem wir gegnerische Kämpfer vermutet haben."

    Schwarz auf Weiss. Man tötet Menschen aufgrund einer "Vermutung".

    Und da wundert man sich, wieso sich Menschen radikalisieren.
  • ⚡ ⚡ ⚡☢❗andre ☢ ⚡⚡ 26.11.2015 07:45
    Highlight Highlight Die Erklärung ist ja extrem peinlich. Das Problem liegt ja offensichtlich nicht bei den suspendierten Mitarbeitern, sondern der Führung und den Prozessen.
    • ⚡ ⚡ ⚡☢❗andre ☢ ⚡⚡ 26.11.2015 10:43
      Highlight Highlight Russland hats auch gemacht. Niemand hats interessiert. Offensichtlich wird einfach alles als Kollateralschaden hingenommen.

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