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Iran-Krieg: Wladimir Putin profitiert vom steigenden Ölpreis

Ein hoher Ölpreis spielt Putin in die Karten – das Wichtigste in 5 Punkten

10.03.2026, 09:3210.03.2026, 09:34

Der Krieg im Nahen Osten sorgt für hohe Ölpreise – und damit für gute Stimmung in Russland. Eben noch meldeten Moskaus Finanzbehörden ein Rekorddefizit im Haushalt. Und nun kriegen sich manche in Moskau wegen erwarteter Milliarden-Mehreinnahmen durch einen Ölpreis von zwischenzeitlich über 100 US-Dollar je Fass (159 Liter) vor Freude kaum ein, auch wenn die Preise zuletzt wieder etwas sanken. Die Rohstoffmacht finanziert so auch ihren Krieg gegen die Ukraine. Was das Geschenk für Kremlchef Wladimir Putin bedeutet – dazu Fragen und Antworten:

Wie nützt Russland der aktuell hohe Ölpreis?

Putin betonte zwar bei einer Sitzung zu den Auswirkungen des Krieges im Nahen Osten auf den Ölpreis, dass er nur von einem vorübergehenden Anstieg ausgehe. Er verfügte aber auch, die russischen Exporteure sollten die aktuell hohe Nachfrage ausnutzen, um sich auf verlässlichen Märkten festzusetzen.

epa12796917 Russian President Vladimir Putin arrives for a meeting with Central African Republic President Faustin Archange Touadera at the Kremlin in Moscow, Russia, 05 March 2026. EPA/ALEXANDER ZEML ...
Kreml-Chef Wladimir Putin profitiert vom höheren Ölpreis.Bild: keystone

Russland selbst beliefere weiter treue Partner in Osteuropa – Ungarn und die Slowakei – und in Asien, sagte Putin. Zu Lieferungen an andere europäische Länder sei er aber nur bereit, wenn die politische Konjunktur aussen vor bleibe und eine verlässliche und stabile Zusammenarbeit gesichert werde.

Putins Sonderbeauftragter im Kreml für wirtschaftliche Zusammenarbeit mit dem Ausland, Kirill Dmitrijew, warnte dagegen zuvor, dass die «Eurobürokraten» ansonsten für ihre Fehler und die russophobe Politik einen hohen Preis bezahlen müssten. Sie sollten lieber Russland wieder als Lieferanten nehmen.

Wie stark ist Russland vom Ölpreis abhängig?

Traditionell tragen die Einnahmen aus dem Öl- und Gasverkauf ganz wesentlich zur Finanzierung des russischen Haushalts bei. Im vorigen Jahr waren das etwa 23 Prozent; die Zahl sinkt aber seit Jahren – zuletzt vor allem wegen des Exportrückgangs im Zuge der Sanktionen. Russland geht in seinem Haushalt für dieses Jahr davon aus, dass ein Barrel im Durchschnitt 59 US-Dollar (rund 46 Franken) kostet. Weil aber zu Jahresbeginn die Preise unter diesen Wert fielen, vergrösserte sich das ohnehin eingeplante Haushaltsloch noch einmal.

Nun aber steigen die Preise und damit die Hoffnung auf Entspannung im Etat. Wegen der Lage im Nahen Osten erwägen die USA auch Sanktionslockerungen. Damit könnte Russland wieder deutlich mehr Energie absetzen – zu deutlich höheren Preisen. Klar ist aber auch, dass das Land generell mit grossen Rabatten verkauft – etwa an seine Hauptkunden China und Indien, weil viele andere Staaten wegen der Sanktionen weggefallen sind.

Mit welchen Mehreinnahmen kann Russland rechnen?

«Öl über $100 – und die Stimme Russlands in der Weltwirtschaft und Geopolitik wird noch lauter», jubelt der Kremlbeamte Kirill Dmitrijew in den sozialen Netzwerken. «Russland ist ein systemrelevanter Energielieferant, ohne den weder globale Stabilität noch ein nachhaltiges Modell für weltweites Wachstum möglich sind», schwärmt er. Dmitrijew träumt schon von einem möglichen Preis von 200 US-Dollar je Öl-Fass. «Da die Öl- und Gasinfrastruktur im Nahen Osten angegriffen wird und die Förderung begrenzt ist, wird die Energiekrise leider viel tiefer und länger sein, als viele erwarten», meint er.

Experten schätzen, dass der Staat bei einem Durchschnittspreis für Urals-Öl von 70 Dollar je Barrel zusätzlich etwa 2 Billionen Rubel einnehmen könnte, schreibt die kremlnahe Zeitung «Iswestija». Zum Vergleich: 2025 flossen 8,5 Billionen Rubel (82,4 Milliarden Franken) aus dem Verkauf von Öl und Gas in den Haushalt. Klar ist aber auch, dass Sanktionen wie der Preisdeckel im Westen auf russisches Öl und das Vorgehen gegen Moskaus Schattenflotte weiter wirken.

Was bedeutet das alles für Moskaus teuren Krieg gegen die Ukraine?

Wenn der Ölpreis für längere Zeit hoch bleibt, dann hat Russland einen grösseren Spielraum auch für Rüstungsvorhaben und seinen seit gut vier Jahren andauernden Angriffskrieg gegen die Ukraine. Gross ist die Schadenfreude in Moskau auch, weil in der EU die auch für die westliche Rüstungsindustrie wichtigen Energiekosten massiv steigen. Russland fordert, dass die EU gar keine Waffen mehr an die Ukraine liefert – und der Krieg so endet.

Dabei wollte die EU mit ihren Sanktionen gegen russisches Öl und Gas der Energiegrossmacht den Geldhahn für den Krieg gegen die Ukraine zudrehen. Das war einmal auch US-Präsident Donald Trumps Ziel. Aber jetzt droht Kremlchef Putin sogar damit, dem von der EU beschlossenen Totalembargo gegen russisches Gas zuvorzukommen – und seine Rohstoffe auf andere, «verlässlichere Märkte» umzuleiten. Damit droht ein neuer Preisanstieg.

Werden nun alle finanziellen Probleme Russlands gelöst?

Nein. Die erwarteten Mehreinnahmen können das Haushaltsdefizit nicht komplett decken, wie «Iswestija» unter Berufung auf Energiemarkt- und Finanzexperten schreibt. Demnach müssten auch die Ölpreise, um tatsächlich einen positiven Effekt auf den Haushalt zu haben, mindestens drei bis sechs Monate so hoch bleiben wie jetzt.

Zuletzt veröffentlichte das russische Finanzministerium das konsolidierte Defizit für das abgelaufene Haushaltsjahr von beispiellosen 8,3 Billionen Rubel (82,4 Milliarden Franken). Auch in diesem Jahr wird ein hohes Defizit erwartet. Schon im Januar gab es aber eine Haushaltslücke von 1,7 Billionen Rubel, 252 Milliarden Rubel mehr als im Vorjahresmonat.

Ein Problem für Russlands Haushalt ist auch der vergleichsweise starke Rubel. Festgelegt ist für Dollareinnahmen im Haushalt ein durchschnittlicher Umrechnungskurs von 92,2 Rubel je US-Dollar. Tatsächlich liegt der Kurs bei unter 80 Rubel je US-Dollar, was weniger Geld in die Staatskasse spült. Weil zugleich die Staatsausgaben steigen, bringen die Behörden nun immer mehr Sparvorschläge etwa bei Infrastrukturprojekten ein. In der Hauptstadt Moskau verfügte Bürgermeister Sergej Sobjanin sogar einen Personalabbau von 15 Prozent. (dab/sda/awp/dpa)

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