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Wirtschaft

Coronavirus: Gute Zahlen von Schwedens Wirtschaft

epa08387861 A man wearing a protective mask walks in the rain past the Royal Swedish Opera (at left) in Stockholm, Sweden, 27 April 2020, amid the coronavirus disease (COVID-19) outbreak. EPA/Fredrik  ...
Schweden verzichtete anders als viele europäische Länder auf einen umfassenden LockdownBild: EPA

Schwedische Wirtschaft präsentiert gute Zahlen – weil Lockdown ausblieb?

Grosse schwedische Unternehmen haben gute Zahlen präsentiert. Das könnte auch daran liegen, dass schwedische Kinder immer in die Schule gingen. Ob sich der schwedische Weg auszahlt, bleibt aber offen.
28.07.2020, 19:2717.11.2020, 14:13
Niels Anner, Kopenhagen / ch media

Swedbank, Electrolux, Ericsson, der Kugellagerhersteller SKF - eine ganze Reihe schwedischer Unternehmen hat zuletzt in ihren Quartalsberichten gute Zahlen veröffentlicht. Sprich: Die Zahlen waren weniger schlecht als angesichts der Corona-Pandemie erwartet, zum Teil deutlich. Ausser einer allgemeinen wirtschaftlichen Verunsicherung «sehen wir wenige Auswirkungen von Covid-19 auf unsere Aktivität», erklärte Börje Ekholm, CEO des Telekomherstellers Ericsson, dem schwedischen Radio SR.

Der CEO des Stahlverarbeiters Sandvik erklärte, nach dem Tiefschlag im März habe er eine viel schlechtere Entwicklung befürchtet. Die britische Zeitung Financial Times (FT) schloss aus einer grösseren Umfrage, dass sich Schwedens umstrittene Corona-Strategie positiv auf die Wirtschaft auszuwirken scheint. «Ich habe noch nie einen so hohen Anteil an Firmen gesehen, die bessere Resultate liefern, als erwartet wurde. Es sind fast alle Unternehmen», sagte Esbjörn Lundevall, Chefstratege für Aktienmärkte bei der Grossbank SEB, der Financial Times.

Inlandsgeschäft leidet weniger stark

Auch die Anzahl Konkurse sei klar tiefer als befürchtet, so Lundevall. Die schwedischen Banken haben entsprechend wenige Einbussen zu verzeichnen, und der Wohnungsmarkt zeigt ebenfalls eine rasche Erholung. Damit gibt es Anzeichen dafür, dass zumindest das Inlandsgeschäft weniger stark leidet als angenommen.

Analysten sagten schon im Mai, dass der Konsum in Schweden weniger stark einzubrechen scheine als in den Nachbarländern, die einen Lockdown hatten. Dagegen ist die schwedische Industrie stärker von Exporten und damit von der Weltwirtschaft abhängig als etwa die dänische. Dies zeigt sich bei Volvo, dessen Verkaufszahlen im zweiten Quartal um 38 Prozent einbrachen. Die Arbeitslosigkeit ist in Schweden auf 9.8 Prozent gestiegen, wobei die Auswirkungen von Kurzarbeit noch unklar sind.

Sind Prognosen zu optimistisch?

Eine Studie des britischen Analyseunternehmens Capital Economics stimmte bereits letzte Woche optimistische Töne an und bezeichnete Schweden als «Besten in einer schlechten Clique». Dies aufgrund der Prognose, dass das schwedische Bruttonationalprodukt 2020 nur 1.5 Prozent sinke, während es für Dänemark und Norwegen 3, die Schweiz 5 und die Eurozone 7.5 Prozent seien.

«Viel zu optimistisch», nannte das allerdings der angesehene schwedische Ökonom Lars Calmfors, die Prognose beruhe zu stark auf dem ersten Quartal. Calmfors und viele andere Konjunkturforscher sehen einen Rückgang für Schweden um rund 5 Prozent für 2020 - etwa in der Grössenordnung wie die Nachbarländer, aber besser als Frankreich, Grossbritannien oder Italien.

Optimismus, weil Lockdown ausblieb

Schweden hatte bekanntlich im Unterschied zu den meisten anderen Ländern keinen strikten Lockdown, sondern Geschäfte, Restaurants und Schulen blieben offen; allerdings blieben viele Arbeitnehmer im Home Office und das wirtschaftliche Leben verlangsamte sich deutlich. Die Strategie ist stark umstritten, da sie zu hohen Ansteckungszahlen und bisher 5700 Todesfällen führte.

Wie SEB-Analyst Esbjörn Lundevall halten auch mehrere schwedische Geschäftsführer die lockere Strategie für einen Vorteil für die Wirtschaft. Insbesondere, dass Grundschulen, Kindergärten und Krippen offen blieben. Lundevall sagte, er glaube, viele Eltern seien dadurch produktiver gewesen, auch im Home Office. Andere sehen einen psychologischen Effekt: Die Schweden seien nun optimistischer bezüglich Arbeiten und Konsumieren, weil sie keinen Lockdown erwarteten.

Wie für alle Länder stellt sich die Frage einer zweiten Welle; sie wird für die Bilanz entscheidend sein. Werden andere Regierungen wieder Restriktionen verordnen, während Schweden dank einer verbreiteten Immunität die Lage - endlich - unter Kontrolle bekommt? Im Moment sind die Ansteckungen in Schweden rückläufig, während viele Länder Anstiege verzeichnen. Doch möglicherweise fahren die Nachbarländer mit ihrer strikten Linie, hohem Testaufwand und vielleicht dank einer frühen Impfung wirtschaftlich mindestens ebenso gut. (bzbasel.ch)

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37 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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amazonas queen
28.07.2020 21:02registriert September 2014
Ich kann mich mit der Formulierung, "wenn wir einen zweiten Lockdown brauchen" nicht anfreuden. In gewissen Branchen gilt der Lockdown bis heute und noch bis Ende Jahr. Wir regen uns immer über die Clubs auf, aber de facto sind alle Festivals, Messen, Conventions abgesagt und zu. Da hängen diverse Existenzen dran, nur über die schreibt niemand. Also: der Lockdown ist nicht vorrüber. Nur nicht mehr so stark sichtbar.
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d10
28.07.2020 19:34registriert März 2018
Danke für den neutral informierenden Artikel. Der "schwedische Weg" lässt sich wohl frühestens Ende Jahr wirklich beurteilen.
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Hmmm...
28.07.2020 22:58registriert Juni 2020
Das mit den Unternehmen ist natürlich Bogus. Erstens erzielen diese Unternehmen im Schnitt wohl mehr als 90% des Umsatzes ausserhalb von Schweden und zweitens, ist dieses Bild mit positiven Überraschungen bei den Zahlen für das 2. Quartal/1.Halbjahr auf der ganzen Welt zu beobachten (es gab noch nie so viele positive Überraschungen und in diesem Ausmass). Erst heute in der Schweiz haben Forbo, SIG, Autoneum Zahlen veröffentlicht, die deutlich besser waren als befürchtet.
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