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U.S. President Barack Obama waves as he departs the White House in Washington to travel to Estonia September 2, 2014. Obama will also attend the NATO summit in Wales on Thursday and Friday where Russia's involvement in Ukraine is expected to be the main topic.
  REUTERS/Kevin Lamarque  (UNITED STATES - Tags: POLITICS)

Wird Härte zeigen müssen: US-Präsident Barack Obama. Bild: KEVIN LAMARQUE/REUTERS

IS-Vormarsch

Nach einem weiteren Mord in der Wüste: Was kann Obama tun?

Wieder stellt die Terrormiliz ein Video über die angebliche Enthauptung eines Amerikaners ins Netz. Wie reagiert die «Weltmacht Nummer eins» auf die Provokation – nimmt Obama die Verbündeten in die Pflicht?



Die Nachricht vom Tod einer zweiten US-Geisel kam für Barack Obama zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Der amerikanische Präsident sass praktisch schon im Flugzeug in Richtung Baltikum und zum NATO-Gipfel in Wales – zwei Termine, bei denen er Entschlossenheit, Härte und Führungskraft demonstrieren will. Die angebliche Enthauptung eines US-Bürgers durch islamistische Terrormilizen im Nahen Osten passt da nicht recht ins Bild.

Obama, der Medienmann, zog es denn am Dienstag erst einmal vor abzutauchen. Ohne jeden Kommentar joggte er demonstrativ locker die Gangway zur «Air Force One» empor – ob er auf dem Nachtflug nach Tallinn viel Schlaf fand, ist mehr als fraglich.

Enthauptungsvideo echt

Die USA bestätigten laut BBC die Echtheit des von der IS publizierten Videos. Die Bilder, die die Enthauptung des US-amerikanischen Journalisten Steven Sotloff zeigten, seien authentisch. 

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hatte nicht lange gezögert, um ihre grausige Drohung wahr zu machen. Erst musste Journalist James Foley sterben, jetzt offenbar sein Kollege Steven Sotloff. «Ich bin zurück, Obama. Und ich bin zurück wegen deiner arroganten Aussenpolitik gegenüber dem Islamischen Staat», sagt der in schwarz vermummte Mann auf dem Video.

Auf dem goldgelben Wüstensand

US-TV-Sender strahlten kurze Frequenzen des Videos aus. Der Vermummte fuchtelte mit dem Messer, mit versteinertem Gesicht kniete das Opfer vor ihm nieder. Das ganze spielte sich auf dem goldgelben Sand einer Wüstenlandschaft ab. Es war ein eiskalt angekündigter Mord. Scheinbar hilflos musste der «mächtigste Mann der Welt» zusehen.

US President Barack Obama boards Air Force One prior to departing from Andrews Air Force Base in Maryland, Septemer 2, 2014. Obama is traveling to Tallinn, Estonia, before continuing to Wales, United Kingdom for a NATO summit. AFP PHOTO / Saul LOEB

Demonstrativ locker: Obama joggt die Gangway zur «Air Force One» hoch. Bild: AFP

 «Ich bin zurück, Obama. Und ich bin zurück wegen deiner arroganten Aussenpolitik gegenüber dem Islamischen Staat.»

Terrorist im IS-Video.

Immer mehr gerät Obama unter Druck, der republikanische Kongressabgeordnete Peter King sprach am Dienstag erneut von einer «Kriegserklärung an Amerika». Immer heftiger werfen die Republikaner dem Präsidenten vor, er habe die Gefahr durch die IS-Milizen verschlafen und viel zu spät mit Luftangriffen auf IS-Stellungen begonnen.

Mehr noch: Durch den Abzug aller Soldaten aus dem Irak und durch seine Weigerung, moderate Oppositionsmilizen in Syrien mit Waffen zu unterstützen, habe Obama geradezu zum Aufstieg der Terrorgruppe beigetragen.

WASHINGTON, DC - JUNE 11: U.S. Rep. Peter King (R-NY) (C) is surrounded by members of the media as he arrives at a House Republican Conference meeting June 11, 2014 on Capitol Hill in Washington, DC. House Majority Leader Rep. Eric Cantor (R-VA) has lost his Virginia primary to Tea Party challenger Dave Brat last night, opening up a slot for majority leader.   Alex Wong/Getty Images/AFP
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US-Republikaner Peter King: Kritik an Obamas Truppenabzug aus Afghanistan. Bild: GETTY IMAGES NORTH AMERICA

Nicht gerade zur Beruhigung trug zudem die gescheiterte Geiselbefreiung bei. Eigentlich wollte das Pentagon die Aktion geheim halten, doch auch der Foley-Mord vor knapp zwei Wochen setzte die Regierung derart unter Druck, dass sie mit der Operation der Spezialkräfte an die Öffentlichkeit ging. 

Obama wollte seinen Landsleuten zeigen, dass er alles tut, um Amerikaner zu retten – und sei es mit dem Hinweis auf eine Befreiungsaktion, die ein Schlag ins Wasser war.

Morde als «gutes Zeichen» für US-Erfolge?

Zwar wirkt Obama auf den ersten Blick scheinbar hilflos. Doch Experten meinen, die Morde der Milizen könnten durchaus auch ein «gutes Zeichen» sein – ein Zeichen, dass die Luftschläge der US-Kampfjets bereits deutliche Wirkung zeigen. Ausdrücklich meint der Vermummte auf dem Video, Sotloff müsse wegen der Luftschläge gegen IS-Stellungen nahe des Mossul-Damms sterben. «So wie deine Raketen weiter unsere Leute treffen, werden unsere Messer weiter die Hälse deiner Leute treffen.»

«So wie deine Raketen weiter unsere Leute treffen, werden unsere Messer weiter die Hälse deiner Leute treffen.»

Terrorist an Obama im neuesten IS-Video

Tatsächlich sind den USA mit ihren Bombardierungen innerhalb weniger Wochen erste Erfolge gelungen. Weit über 100 Angriffe flogen die USA laut Pentagon: Sie brachen die Belagerung am Sindschar-Gebirge, zehntausende Menschen, Angehörige der Minderheit der Jesiden, konnten fliehen. Auch der Mossul-Damm befindet sich nicht mehr unter Kontrolle der Milizen.

Neue Gräueltaten angedroht

Doch neue Gräueltaten sind schon angedroht. Als nächstes Opfer drohen die Milizen, eine britische Geisel zu töten. Und nach einem Bericht der «New York Times» haben sie mindestens zwei weitere Amerikaner in ihrer Gewalt.

Obama wird weiter Härte zeigen, Nachgeben im Kampf gegen die Milizen gehört nicht zu den Optionen. Wohl aber die Suche nach Partnern. «Wo bleiben unsere Verbündeten, wo bleiben unsere arabischen Freunde?», fragte ein CNN-Reporter in Bagdad. (egg/sda/dpa)

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