Italien
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«Costa Concordia»-Kapitän vor Gericht

Schettino: «Ich wollte drei Fliegen mit einer Klappe schlagen» 

Er soll mit der «Costa Concordia» zu nahe an die Insel Giglio herangefahren sein und das sinkende Schiff zu früh verlassen haben. Jetzt hat Kapitän Francesco Schettino erstmals ausgesagt – eine «Dummheit» habe zur Katastrophe geführt. 



epa04511920 Costa Concordia Captain Francesco Schettino (R) during a coffee break at his trial in Grosseto, Italy, 02 December 2014. Prosecutor Francesco Verusio said outside court on 02 December 2014 that he will seek a jail term of over 20 years for former Costa Concordia captain Francesco Schettino, standing trial on multiple manslaughter and dereliction of duty charges in the fatal 2012 cruise-ship sinking that led to 32 deaths and hundreds of injuries.  EPA/ENZO RUSSO

Bild: EPA/ANSA

Mit einem fragwürdigen Auftritt hat der Kapitän der gesunkenen «Costa Concordia» sein Verhalten in der Unglücksnacht vor Gericht verteidigt. Es habe mehrere Gründe dafür gegeben, dass die Costa vor knapp drei Jahren so gefährlich nahe an die italienische Insel Giglio fuhr: «Ich wollte drei Fliegen mit einer Klappe schlagen», sagte Francesco Schettino bei seiner ersten Aussage im Prozess.

Erstens habe das Manöver, bei dem das Schiff die Insel «grüsst» und die Passagiere Land sehen können, kommerzielle Gründe gehabt. Zweitens habe er einem Schiffskellner, der von Giglio stammt, einen Gefallen tun wollen. Drittens habe er einem befreundeten Kapitän von Giglio die Ehre erweisen können. Das Manöver endete in einer tödlichen Katastrophe, als die Costa einen Felsen rammte und kenterte. 

Das Kreuzfahrtschiff war am 13. Januar 2012 mit rund 4200 Menschen an Bord havariert, 32 Menschen starben, darunter zwölf Deutsche. Erst vor wenigen Wochen war das letzte Todesopfer geborgen worden. Dem ehemaligen Kapitän wird unter anderem vorgeworfen, das Schiff zu früh verlassen zu haben. Vor Gericht muss sich Schettino wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung, Verursachung von Umweltschäden und Verlassen eines Schiffs in Seenot verantworten. Ihm drohen im Falle einer Verurteilung mehr als 20 Jahre Haft. 

Mit Spannung war der Auftritt des stets sonnengebräunten Kapitäns erwartet worden. Im grauen Anzug und mit Sonnenbrille fuhr der Süditaliener im Teatro Moderno vor, das extra für den Prozess hergerichtet wurde. Im Saal wollte Schettino allerdings nicht gefilmt werden. Bei der Live-Übertragung des Prozesses im Fernsehen war nur Schettinos Stimme zu hören. Die Reederei Costa Crociere habe nichts von dem Manöver gewusst, als Kapitän habe er die Reederei nicht informieren müssen, sagte Schettino. Auch wies er zurück, dass die Costa technische Probleme gehabt habe – obwohl seine Anwälte dies zuvor nahegelegt hatten. 

Die Richter fragten auch nach der Rolle der Moldauerin Domnica Cemortan, die mit Schettino ein Verhältnis hatte und mit ihm in der Unglücksnacht beim Essen war. Sie sei nicht der Grund für das Manöver vor Giglio gewesen, so Schettino. Alles in allem habe «eine Dummheit» zu der Katastrophe geführt. Man solle nicht glauben, dass ihn das Unglück nicht quäle. 

Das Wrack der «Costa Concordia» konnte erst vor wenigen Monaten nach Genua geschleppt werden, wo es verschrottet wird. Die Kosten der Bergung beliefen sich auf rund 1,5 Milliarden Euro

Ein Urteil im Fall Schettino könnte nach italienischen Medienberichten bereits im Januar fallen. 

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