Kommentar
Schule - Bildung

Edelweiss-Hemd rassistisch? Oder bloss Gang-Uniform?

Das Edelweiss-Hemd: Wofür soll es stehen? 
Das Edelweiss-Hemd: Wofür soll es stehen?
Bild: KEYSTONE
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Und die Lehrerin hat doch recht: Das Edelweiss-Hemd darf nicht zur Gang-Uniform verkommen 

Eine Gruppe Sekundarschüler läuft mit Edelweiss-Hemden in die Klasse. Die Lehrerin akzeptiert das nicht. Die SVP-Parlamentarier solidarisieren sich mit den Schülern und übernehmen deren Gang-Uniform. Nun droht das Edelweiss-Hemd zum Symbol-Kleidungsstück der neo-konservativen Revolutionäre zu werden. Das hat es nicht verdient. 
15.12.2015, 19:0515.12.2015, 19:05

Die Meldung ist an sich banal: Zehn Schüler der Sekundarschule Berg in Gossau erscheinen in Edelweiss-Hemden zum Unterricht. Die Lehrerin verbietet diesen Aufzug mit der Begründung, die Kleidung sei rassistisch.  

Das ist natürlich Quatsch. Ein Edelweiss-Hemd ist genauso wenig rassistisch, wie eine Jodler-Tracht oder eine Schachtel Krumme im Hosensack. Das Edelweiss-Hemd ist in Gossau schlicht zur Gang-Uniform umfunktioniert worden, in einem offenbar seit längerem schwelenden Konflikt zwischen secondo- und lokalstämmigen Schülern.

Dieser Konflikt liegt nicht primär in irgendwelchen Herkunftsthemen oder ernsthaften Ressourcen-Konflikten zwischen Schweizer und ausländischen Schülern begründet, sondern in der bisweilen verzweifelten, adoleszenzbedingten Identitätssuche. Weil man noch nichts geleistet hat, niemand ist, muss man wenigstens ein bisschen Identitätssicherheit herstellen. Meistens mittels Abgrenzung von «den anderen». 

Dies ist immer der Kern solcher Auseinandersetzungen. Oder haben wir schon von Uniformierungen und Streitereien unter 30-jährigen Skatern, Hip-Hoppern, Punks, Hipstern, «Eidgenossen» oder «Albanern» gehört? 

Natürlich nicht.

Weniger banal als die Streitereien in der Sekundarschule Berg um Witze über Musikstile ist die Debatte, die nun um den Vorfall herum aufgezogen wird. Ausgewachsene SVP-Parlamentarier erscheinen aus Solidarität mit den Schülern von Gossau im Edelweiss-Hemd im Kantonsrat. Die Junge SVP empört sich, dass das Kopftuchtragen in der Schule bundesrichterlich abgesegnet sei, das Edelweiss-Hemd aber neuerdings verboten. Und Alex-Baur, Redaktor der «Weltwoche» von SVP-Nationalrat Roger Köppel erscheint mit Edelweiss-Hemd zur Arbeit und postet ein Bild davon auf Twitter. Weitere Solidarisierungsaktionen aus der SVP oder SVP-nahen Kreisen werden folgen. 

Damit laden die Volksvertreter das Edelweisshemd symbolisch auf, und machen es zum textilen Erkennungs-Code ihrer konservativen Revolution, die mittels Fremdenangst, Grundrechtabschaffung und Ausgrenzung nach der Macht strebt.  

Ich besitze selber ein Edelweiss-Hemd und dem jüngsten Nachwuchs eines watson-Redaktors haben wir einen Edelweiss-Body auf die Geburt geschenkt. Beide Eltern haben ausländische Wurzeln.

Das Edelweiss-Hemd gehört allen, die in der Schweiz leben. Es ist ein Symbol für unsere kulturelle Vielfalt, das Schmelztiegel-Hemd quasi einer Willensnation dreier verschiedener Landesteile und vierer Sprachgruppen. 

Das Edelweiss-Hemd darf nicht zur Gang-Uniform Pubertierender verkommen.

Und schon gar nicht darf es von der neokonservativen Rechten vereinnahmt werden. 

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