«Trump, Vance und Rubio haben uns verraten» - es hagelt Kritik aus den eigenen MAGA-Reihen
Mit dem Angriff auf den Iran bricht Donald Trump eines seiner grössten Wahlversprechen. Seine Basis und populäre konservative Exponenten, die bereits mit dem US-Präsidenten gebrochen haben, reagieren darauf mit Unverständnis – und gar Wut. Der noch immer einflussreiche Ex-Fox-News-Moderator Tucker Carlson nannte Trumps Vorgehen «widerlich und böse», die zurückgetretene Kongressabgeordnete Marjorie Taylor Greene warf der Regierung Lügen vor:
Es sind aber bei Weitem nicht nur die üblichen Verdächtigen wie Tucker Carlson und Marjorie Taylor Greene, welche sich verraten fühlen. Kritische Stimmen finden sich in sämtlichen konservativen Kreisen – nach dem Tod von amerikanischen Soldaten sowieso.
Die Sätze stammen von Curt Mills. Der junge Amerikaner ist Geschäftsführer von «The American Conservative», einem Magazin, das für strammen Neokonservatismus steht und als einflussreich gilt. Entsprechend kritisch ist auch der heutige Webauftritt. Er zeigt Donald Trump mit dem Titel: «Was den Iran-Krieg angeht, werden Sie für dumm gehalten.» Unter der Überschrift geht es in demselben Ton weiter:
Curt Mills war Gast bei Steve Bannons «Sendung» «War Room» – genauso wie der Gründer der umstrittenen Söldnertruppe Blackwater, Erik Prince. Der Milliardär ist bekannt für seine strammen rechts-christlichen Ansichten und steht in Verdacht, einem rechten Geheimbund anzugehören. Als ehemaliger Chef einer Söldnertruppe ist er mitnichten ein Pazifist. Trotzdem äussert er sich sehr dezidiert gegen die Bombardierung des Irans:
Zu den konservativen Ex-Militärs zählt man auch die Fitness-Influencer und «Comedians» Kevin und Keith Hodge. Die Zwillinge sind Ex-Marine-Soldaten und zählen alleine auf X auf eine Followerschaft von weit über drei Millionen. Die beiden teilten einen alten Post von Charlie Kirk. Der ermordete Influencer wird in der rechten Szene wie ein Märtyrer verehrt. Er fragte seine Gefolgschaft im Juni 2025, wie sie dazu stehen würde, wenn die USA das iranische Regime gewaltsam entfernen würden. Fast 70 Prozent der Kirk-Fans sprachen sich dagegen aus.
Blake Neff, der ehemalige Produzent des Charlie-Kirk-Podcasts, berichtet, er erhalte diverse Nachrichten enttäuschter konservativer Freunde:
Von noch weiter rechts poltert Nick Fuentes. Seine Kritik kommt weniger überraschend. Der rechtsradikale Influencer ist ein dezidierter Gegner Israels und offen antisemitisch. Er schreibt auf X:
Laut einer neuen Umfrage von ipsos und Reuters befürworten nur gerade 27 Prozent aller Amerikanerinnen und Amerikaner die Angriffe auf den Iran – 43 Prozent sind dagegen und 30 haben keine Meinung. Die negative Beurteilung der Mehrheit können republikanische PolitikerInnen nicht ignorieren. Vor allem, wenn sie wie Reagan Box noch nicht gewählt sind. Die Republikanerin identifiziert sich als Trump-Anhängerin und der MAGA-Basis zugehörig und will den frei gewordenen Sitz von Marjorie Taylor Greene für Georgia erobern. Die Iran-Bombardements sieht sie aber kritisch:
Weniger differenziert äussert sich Breck «The Patriotic Blonde» Worsham. Sie nennt sich selbst eine Verfassungskonservative. Seit den Angriffen auf den Iran retweetet sie Forderungen, Donald Trump erneut zu impeachen. Doch nicht nur das. Sie selbst greift zu einem Vergleich, der in konservativen Kreisen fast keine grössere Beleidigung darstellen könnte:
Je länger der Krieg gegen Iran dauert, je mehr amerikanische Opfer gemeldet werden, desto grösser dürfte der Widerstand werden. Die Erkenntnis dürfte sogar bei Donald Trump angekommen sein. In einem Interview gegenüber der «New York Times» suggerierte er, er strebe ein Venezuela-Szenario an. Das bedeutet: dasselbe Machtverhältnis, dasselbe Regime – mit neuen Leuten. Er schafft sich damit die Möglichkeit, den Krieg jederzeit zu beenden – und das Erreichen sämtlicher Ziele zu verkünden. Bei aller Unsicherheit ist eines klar: Trump wird sich als grosser Sieger darstellen.
