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Iran-Angriffe: Donald Trumps Maga-Basis fühlt sich verraten

«Trump, Vance und Rubio haben uns verraten» - es hagelt Kritik aus den eigenen MAGA-Reihen

02.03.2026, 12:0102.03.2026, 12:28

Mit dem Angriff auf den Iran bricht Donald Trump eines seiner grössten Wahlversprechen. Seine Basis und populäre konservative Exponenten, die bereits mit dem US-Präsidenten gebrochen haben, reagieren darauf mit Unverständnis – und gar Wut. Der noch immer einflussreiche Ex-Fox-News-Moderator Tucker Carlson nannte Trumps Vorgehen «widerlich und böse», die zurückgetretene Kongressabgeordnete Marjorie Taylor Greene warf der Regierung Lügen vor:

«‹Aber der Iran steht kurz davor, Atomwaffen zu besitzen.› Ja, sicher. Diese Lüge wird uns seit Jahrzehnten aufgetischt, und Trump hat uns allen erzählt, dass seine Bombardierungen im vergangenen Sommer alles komplett ausgelöscht hätten. Es ist und bleibt eine Lüge – und Amerika an letzter Stelle. Aber dieses Mal fühlt es sich wie der schlimmste Verrat an, weil es von genau dem Mann und der Regierung kommt, von denen wir alle glaubten, dass sie anders wären und Nein sagen würden ... Ein weiterer Krieg im Ausland für Menschen im Ausland, um einen Regimewechsel im Ausland herbeizuführen? Wozu? Senkt das die Inflation, die unsere Regierung verursacht hat?»
Marjorie Taylor Greene auf x
epa12541055 (FILE) - US Republican Representative from Georgia Marjorie Taylor Greene speaks at a press conference with survivors of the Jeffrey Epstein and Ghislaine Maxwell sex-trafficking scandal o ...
Die einstige glühende Anhängerin von Donald Trump, Marjorie Taylor Greene, mutierte zu einer scharfen Kritikerin des US-Präsidenten.Bild: keystone

Es sind aber bei Weitem nicht nur die üblichen Verdächtigen wie Tucker Carlson und Marjorie Taylor Greene, welche sich verraten fühlen. Kritische Stimmen finden sich in sämtlichen konservativen Kreisen – nach dem Tod von amerikanischen Soldaten sowieso.

«Ich bin mir nicht ganz sicher, wie gross die Lust der amerikanischen Bevölkerung auf tote Amerikaner ist. Drei Soldaten wurden bereits getötet, fünf schwer verletzt. Auffällig ist, dass wir nicht erfahren, wie es dazu kam. Noch bemerkenswerter finde ich, wie die Architekten dieses Krieges bereits die Grenzen verschieben und von einer ‹kleinen Einheit von Bodentruppen› sprechen.»

Die Sätze stammen von Curt Mills. Der junge Amerikaner ist Geschäftsführer von «The American Conservative», einem Magazin, das für strammen Neokonservatismus steht und als einflussreich gilt. Entsprechend kritisch ist auch der heutige Webauftritt. Er zeigt Donald Trump mit dem Titel: «Was den Iran-Krieg angeht, werden Sie für dumm gehalten.» Unter der Überschrift geht es in demselben Ton weiter:

«Dieser Präsident und die Mitglieder dieses Kongresses beleidigen offen und unverhohlen die Intelligenz der Amerikaner.»
Klare Worte von Rechts gegen den Iran-Einsatz.
Klare Worte von Rechts gegen den Iran-Einsatz.bild: screenshot The American conservative

Curt Mills war Gast bei Steve Bannons «Sendung» «War Room» – genauso wie der Gründer der umstrittenen Söldnertruppe Blackwater, Erik Prince. Der Milliardär ist bekannt für seine strammen rechts-christlichen Ansichten und steht in Verdacht, einem rechten Geheimbund anzugehören. Als ehemaliger Chef einer Söldnertruppe ist er mitnichten ein Pazifist. Trotzdem äussert er sich sehr dezidiert gegen die Bombardierung des Irans:

«Hör mal, Steve, ich bin mit der ganzen Sache nicht glücklich. Ich glaube nicht, dass das im Interesse Amerikas war. Das wird jetzt eine ganze Reihe von Problemen, Chaos und Zerstörung im Iran auslösen. Wer übernimmt dafür die Verantwortung? Ich verstehe nicht, wie das mit dem MAGA-Versprechen des Präsidenten vereinbar ist. Ich bin enttäuscht.»
Steve Bannon (l.) und Erik Prince (r.)
Steve Bannon (l.) und Erik Prince (r.)bild: screenshot war room

Zu den konservativen Ex-Militärs zählt man auch die Fitness-Influencer und «Comedians» Kevin und Keith Hodge. Die Zwillinge sind Ex-Marine-Soldaten und zählen alleine auf X auf eine Followerschaft von weit über drei Millionen. Die beiden teilten einen alten Post von Charlie Kirk. Der ermordete Influencer wird in der rechten Szene wie ein Märtyrer verehrt. Er fragte seine Gefolgschaft im Juni 2025, wie sie dazu stehen würde, wenn die USA das iranische Regime gewaltsam entfernen würden. Fast 70 Prozent der Kirk-Fans sprachen sich dagegen aus.

Blake Neff, der ehemalige Produzent des Charlie-Kirk-Podcasts, berichtet, er erhalte diverse Nachrichten enttäuschter konservativer Freunde:

«Trump/Vance traten mit einer Friedensplattform an, und das kam gut an. Gegenwärtig schreiben mir einige meiner rechtsgerichteten Freunde Nachrichten wie: ‹Scheiss drauf›, ‹Das ist extrem deprimierend› oder ‹Ich werde nie wieder bei einer nationalen Wahl wählen›. Wenn dieser Krieg schnell, leicht und mit einem entscheidenden Sieg endet, werden die meisten darüber hinwegkommen. Aber wenn der Krieg anders verläuft, wird es viel Ärger geben. Dem amerikanischen Volk wurde nicht überzeugend erklärt, warum dieser Krieg notwendig war. Aber Erfolg kann schlechte Erklärungen wettmachen. Deshalb müssen wir für den Erfolg beten.»

Von noch weiter rechts poltert Nick Fuentes. Seine Kritik kommt weniger überraschend. Der rechtsradikale Influencer ist ein dezidierter Gegner Israels und offen antisemitisch. Er schreibt auf X:

«Dies ist ein Angriffskrieg für Israel. Amerikaner werden bei Terroranschlägen und Raketenangriffen sterben, damit Israel seine Grenzen in alle Richtungen ausdehnen kann. Trump, Vance und Rubio haben uns verraten.»

Laut einer neuen Umfrage von ipsos und Reuters befürworten nur gerade 27 Prozent aller Amerikanerinnen und Amerikaner die Angriffe auf den Iran – 43 Prozent sind dagegen und 30 haben keine Meinung. Die negative Beurteilung der Mehrheit können republikanische PolitikerInnen nicht ignorieren. Vor allem, wenn sie wie Reagan Box noch nicht gewählt sind. Die Republikanerin identifiziert sich als Trump-Anhängerin und der MAGA-Basis zugehörig und will den frei gewordenen Sitz von Marjorie Taylor Greene für Georgia erobern. Die Iran-Bombardements sieht sie aber kritisch:

«Jedes Mal, wenn wir versucht haben, einen Regimewechsel herbeizuführen, insbesondere im Nahen Osten, haben wir damit nur für Instabilität gesorgt.»

Weniger differenziert äussert sich Breck «The Patriotic Blonde» Worsham. Sie nennt sich selbst eine Verfassungskonservative. Seit den Angriffen auf den Iran retweetet sie Forderungen, Donald Trump erneut zu impeachen. Doch nicht nur das. Sie selbst greift zu einem Vergleich, der in konservativen Kreisen fast keine grössere Beleidigung darstellen könnte:

«Jetzt ist es offiziell. Jimmy Carter ist nicht mehr der schlechteste Präsident in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Mission erfüllt, @Potus. Ein weiterer Rekord geknackt.»

Je länger der Krieg gegen Iran dauert, je mehr amerikanische Opfer gemeldet werden, desto grösser dürfte der Widerstand werden. Die Erkenntnis dürfte sogar bei Donald Trump angekommen sein. In einem Interview gegenüber der «New York Times» suggerierte er, er strebe ein Venezuela-Szenario an. Das bedeutet: dasselbe Machtverhältnis, dasselbe Regime – mit neuen Leuten. Er schafft sich damit die Möglichkeit, den Krieg jederzeit zu beenden – und das Erreichen sämtlicher Ziele zu verkünden. Bei aller Unsicherheit ist eines klar: Trump wird sich als grosser Sieger darstellen.

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Ein Trio soll Iran vorübergehend führen
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Ein Trio soll Iran vorübergehend führen

Irans Präsident Massud Peseschkian

quelle: ap / vahid salemi
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Diese Karte zeigt eine Übersicht der Angriffe des Kriegs im Iran nach 48 Stunden
Video: watson
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81 Kommentare
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Überdimensionierte Riesenshrimps aka Reaper
02.03.2026 12:11registriert Juni 2016
Warüber regen die sich auf?
Trump bestellt, Trump geliefert.

Hätten seine Berater nicht Eingegriffen, hätte er schon in seiner ersten Amtszeit den Iran Angegriffen.
Darauf zu hoffen er tue es beim zweiten Mal nicht, ist einfach nur Dumm.

Dieser Krieg geht auf euch, GAGAs und Trumpis
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Ius_Aeterna_93
02.03.2026 12:13registriert April 2024
Ja und für die Pappnasen von Maga wäre ein Überfall auf Grönland Ok gewesen.

Steigende Lebensmittelpreise, das gewalttätige Vorgehen von ICE gegen Amerikaner, die Epstein Files alles egal aber jetzt beim Iran wurde eine Rote Linie überschritten, natürlich.

Maga für die Tonne, von Anfang an eine lächerliche Bewegung von frustrierten, verängstigten und desillusionierten konservativen Männern.

Zeit dass Maga ausser in den Geschichtsbüchern in der Welt nichts mehr verloren hat.
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Rannen
02.03.2026 12:18registriert Januar 2018
Die brauchten aber lange um dies festzustellen, denn von den drei genannten kann man nichts anderes erwarten
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