Leben
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ARCHIV - 23.04.2015, Schleswig-Holstein, Rausdorf: Der deutsche Survival-Experte und Aktivist für Menschenrechte, Rüdiger Nehberg, liegt in einem Wald auf seinem Privatgrundstück neben einem selbst entfachten Lagerfeuer. Nehberg ist tot. Der als «Sir Vival» bekannt gewordene Abenteurer und Aktivist starb am 02.04.2020 im Alter von 84 Jahren, wie seine Frau der Deutschen Presse-Mitteilung mitteilte. Foto: Axel Heimken/picture alliance / dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Der deutsche Survival-Experte, Autor und Menschenrechts-Aktivist ist mit 84 Jahren gestorben. archivBild: dpa

«SirVival» Rüdiger Nehberg ist tot – sein Mut und seine Lebenslust inspirieren uns weiter



Der legendäre deutsche Abenteurer ist im Alter von 84 Jahren gestorben. Das gab Nehbergs Verein «Target» am Abend des 1. April bekannt. «Rüdiger Nehberg ist tot. Wir trauern», steht in grossen Buchstaben auf der Website.

Lange bevor Bear Grylls mit seinen Survival-Skills im Fernsehen für Furore sorgte, ging Nehberg da hin, wo es wirklich weh tat. Ihm war keine Herausforderung zu gross, auch wenn sie noch so beängstigend, brutal anstrengend oder ekelerregend erschien.

Er überquerte den Atlantik auf einem Baumstamm und kämpfte sich monatelang allein durch Regenwald und Wüste. Den Survival-Pionier auf seine Überlebenskünste zu reduzieren, würde ihm aber nie und nimmer gerecht. Nehberg war ein Menschenfreund, ein Wohltäter, der sich für die Schwächsten und Ärmsten auf der Welt einsetzte. Und er schätzte die Klimaaktivistin Greta Thunberg sehr.

Für die Frauen

Mit seiner Frau Annette Weber kämpfte er für bedrohte Völker, wie die Yanomami in Südamerika. Und über ihre 2000 gegründete Menschenrechtsorganisation Target gegen weibliche Genitalverstümmelung, die er er als den grössten und längsten Bürgerkrieg der Menschheit bezeichnete. Sogar eine Fatwa erreichte er bei einem islamischen Gelehrten und liess diese in arabischen Ländern gedruckt verteilen.

In den 1980ern war Nehberg einem grossen TV-Publikum bekannt geworden, als er sich zu Fuss quer durch Deutschland durchschlug und sich dabei von überfahrenen Eichhörnchen und anderen unappetitlichen Funden ernährte.

«Abenteuerlicher Marsch durch Deutschland» (1981)

Nehberg war ein Autodidakt, der gelernte Konditormeister, der ein Unternehmen mit 50 Mitarbeitenden führte, brachte sich alles selber bei, was man zum Überleben in freier Wildbahn und abseits jeglicher Zivilisation brauchte.

Den Anfang machte er mit Survival-Büchern, die er sich in den USA kaufte. Doch habe er schnell realisiert, dass die Autoren alle voneinander abgeschrieben hatten. Und so fing er an, die wichtigsten Dinge alle selber auszuprobieren. Wie zum Beispiel das Eintauchen in gefrorene Seen.

1989 verspeiste er live im Schweizer Fernseher Würmer und Insekten

Bei srf.ch gibt es Ausschnitte der Sendung «‹Eins zu Eins› –Steinzeit Survival».

Eines der letzten grossen Interviews gab er im Januar dieses Jahres einem Schweizer Journalisten. Als ihn dieser fragte, wie er aus dem Leben scheiden wolle, sagte er:

«Ich will nicht mehr über den Tod reden. Lassen Sie uns über das Leben reden. Ich habe noch so viele Pläne. Und wenn mich mein Optimismus doch einmal verlässt, packt meine Frau Annette ihren oben drauf – und dann passt es wieder.»

Bild

screenshot: youtube

Die wohl grösste Katastrophe seit dem Zweiten Weltkrieg dürfte den 84-jährigen Abenteurer hart getroffen haben. Seine für den März geplanten Vorträge musste er wegen der Bedrohung durch Covid-19 absagen. Wie er letztendlich gestorben ist, muss die Öffentlichkeit nicht erfahren.

Am 6. April erscheint sein neues und letztes Buch. Der passende Titel: «Dem Mut ist keine Gefahr gewachsen».

Quellen

Nehbergs TED-Talk «Karawane der Hoffnung» (2014)

abspielen

Video: YouTube/TEDx Talks

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8Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Walter Sahli 04.04.2020 00:04
    Highlight Highlight Wären wir alle ein bisschen wie Nehberg, wäre die Welt ein besserer Ort!
    Ich habe ihn verehrt, sehr viel von ihm gelernt und ich glaube, es ist das erste Mal, dass mir der Tod eines "Promis" nahe geht.
    • Bambusbjörn aka Planet Escoria 04.04.2020 12:38
      Highlight Highlight Er gehörte zu jenen Menschen, die meine Faszination für Natur erst recht geweckt haben.
      Und ja, die Welt wäre ein besserer Ort.
  • Bambusbjörn aka Planet Escoria 03.04.2020 23:56
    Highlight Highlight Die Welt hat einen weiteren großartigen Menschen verloren. 😞
    Seit ich lesen kann und von ihm gehört habe, habe ich alles von ihm verfolgt.
    Und ich bemerke gerade, wie sehr ich ihn aus den Augen verloren habe.
    Es wäre schön, wenn es Menschen gibt, die sein Vermächtnis weiterführen.
  • Mr.President 03.04.2020 22:06
    Highlight Highlight Ein cooler Typ! Allein was er gegen die Frauenbeschneidung in Äthiopien bewirkt hat, ist phantastisch! Und war dem Tod nicht nur einmal sehr nahe. Bin froh, das er noch so lange gelebt hat.
    RIP Rüdiger
  • banda69 03.04.2020 21:01
    Highlight Highlight Nehberg und Raab fangen Wildschweine.
    Grossartig!
    Play Icon
  • Cas 03.04.2020 20:57
    Highlight Highlight Genialer Typ.
    Hatte mich in den letzten Jahrzehnten immer wieder beeindruckt.
  • Hangover 03.04.2020 18:46
    Highlight Highlight Er war ein Überlebenskünstler, Abenteurer und Mann mit dem Herzen am richtigen Fleck, der Spuren hinterlässt!

    (Erinnere mich gerade an Raab in Gefahr, wo Rüdiger Nehberg als Survival-Trainer keine Gnade mit Stefan Raab zeigte und ihn beim Survival-Training durch die Schlammhölle schickte.)
  • rundumeli 03.04.2020 18:39
    Highlight Highlight merci, daniel ... ein grosser ist von uns gegangen !

    "Wir kommen aus Überzeugung und als Bittende. Das Unmögliche geschieht: Überall erleben wir offene Türen, keine Gegner. Unser erster Mitstreiter wird Ali Mirah Hanfary, Sultan des 1,6 Millionen-Nomadenvolkes der Afar in Äthiopien. Er sieht unsere Filmdokumente und ist entsetzt über das Verbrechen an den Mädchen seines Volkes. Er hilft uns, seine 60 Clanführer zu einer Konferenz einzuberufen, hebt das strenge Schweigegebot auf. Die Diskussion unter freiem Himmel dauert zwei Tage, dann wird der Brauch per Stammesbeschluss verboten. (sz.de)

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