bedeckt, wenig Regen
DE | FR
23
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Leben
Digital

BeReal: Was die App verspricht – und was sie hält

Was die neue Social-Media-App «BeReal» verspricht – und was sie hält

Eine neue App will Instagram, TikTok und Co. Konkurrenz machen. Wir haben BeReal für dich ausprobiert – das ist dabei herausgekommen.
24.04.2022, 14:5724.04.2022, 15:15
Folge mir

BeReal will vor allem eines sein: «keine weitere Social-Media-Plattform». So steht es in der Beschreibung der in Frankreich entwickelten App BeReal. Sie will «die authentischen Momente» des Lebens einfangen. Was damit gemeint ist und wie «real» die App tatsächlich ist – ein Testbesuch:

Wie kommt die App daher?

Bei BeReal geht es – ähnlich wie bei Instagram oder Snapchat – hauptsächlich um Fotoinhalte. Etwas ist jedoch anders: Die App fordert einen auf, ein Foto zu schiessen. Das kann man sich so vorstellen: Zu einer zufälligen Uhrzeit ploppt ein Fester auf, welches dich auffordert, innert der nächsten zwei Minuten ein Foto zu machen – und zu verschicken. Die Zeit des Posts wird also nicht von dir, sondern von der App vorgegeben.

Diesen Zeitpunkt habe ich also abgewartet – und so kam's raus:

Während der Timer läuft, versuche ich, ein einigermassen erträgliches Foto meiner Himbeeren zu schiessen und werde im Moment des Schnappschusses überrascht. Und zwar von meiner Innenkamera, die mich beim Fotografieren zeigen soll.

Foti auf BeReal posten
Bild: Screenshot

Sollte einem die Aufnahme nicht gefallen – und man hat noch etwas Zeit übrig –, kann man nochmals ein Foto knipsen. (Was ich offensichtlich tat, indem ich geschickt mein Gesicht aus dem Sichtfeld der Kamera manövrierte.)

Freunde hinzufügen auf BeReal
Bild: Screenshot

Dieses Foto kann ich dann mit Freundinnen und Freunden teilen, die ich aus dem Telefonbuch importiere. Zudem werde ich gefragt, ob ich meinen Standort teilen will.

Anonymer Post BeReal
Bild: Screenshot

Oder ich kann das Bild im «Discovery»-Feed teilen. Der erinnert im Prinzip an die «Entdecken»-Funktion auf Instagram. In diesem Feed zeigt es mir Fotos und Menschen aus aller Welt an. Ob aus Dänemark, Ecuador oder Kanada – Gruppenselfies, Bücher, Beine, Bildschirme und Esstische erstrahlen auf meinem Screen. Die Bilder sind jeweils für 24 Stunden aufrufbar.

Freunde hinzufügen BeReal
Bild: Screenshot

Wer seine Kontakte (genauso wie ich) nicht per Telefonbuch importieren möchte, hat auch die Möglichkeit, diese direkt über ihren Benutzernamen zu suchen. In derselben Maske werden auch gleich alle Freundschaftsanfragen angezeigt.

Profilansicht BeReal
Mein Feed – und meine Himbeeries.Bild: Screenshot

Anstelle eines persönlichen Profils gibt es bei BeReal die Funktion «Deine Memories», die analog zu Instagram in etwa das Archiv darstellt. Die jüngst geschossenen Fotos kann aber bloss ich sehen.

Also muss ich immer abwarten, bis ich Bilder posten kann?​

Das neuartige Prinzip des Hochladens der Fotos von «BeReal» sorgte zu Beginn für etwas Verwirrung. Die Bilder können jederzeit gepostet werden – nicht nur während des vorgegebenen Zeitrahmens von zwei Minuten. Die Aufnahme erscheint dann aber mit dem Zusatz «late», der darauf aufmerksam macht, dass das Foto nicht spontan – also nicht ganz so «real» – entstanden ist. Die Fotos, die im Feed der User erscheinen, sind alle direkt in der App aufgenommen worden, ein Upload aus der Kamerarolle ist nicht möglich.

Tummeln sich auf «BeReal» schon die ersten Influencer?

Nein, auf der Plattform, die «keine weitere Social-Media-Plattform» sein möchte, gibt es bisher (noch) keine Influencer. Der Grund dafür ist genauso genial wie einfach: Fotos anschauen können offenbar nur diejenigen, die auch Fotos posten. Passives Nutzungsverhalten ist also fehl am Platz, was das Prinzip des «Influencens» einschränkt.

Wie interagiere ich mit anderen?

Um sich mit anderen auszutauschen, gibt es keinen klassischen Chat, wie man ihn von Instagram, Facebook und Snapchat kennt. Stattdessen haben User die Möglichkeit, mittels «RealMoji» eine Fotoreaktion auf das Bild eines Freundes oder einer Person im Discovery-Feed zu senden.

Wer steht hinter BeReal?

Die App kommt aus Frankreich und wurde in Paris von Alexis Barreyat entwickelt, der davor bei GoPro als Videoproduzent arbeitete. Gegründet hat er BeReal 2020. Die App ist bisher (Stand Anfang April) rund 7,4 Millionen Mal heruntergeladen worden. Angaben dazu, wie viele Nutzerinnen und Nutzer der App bislang treu geblieben sind, gibt es nicht.

Besonders die Generation Z (in den späten 1990er bis zu den frühen 2000er Jahren geboren) sei laut Angaben der Entwickler begeistert vom neuen Social-Media-Konzept.

Über die Finanzierung der App ist nur wenig bekannt. Letzten Sommer sei die App laut dem amerikanischen Nachrichtenportal Crunchbase durch mehrere europäische und amerikanische Investoren mit insgesamt 30 Millionen Dollar unterstützt worden.

Persönliches Fazit

Keine Filter, keine Retuschen, keine im Vorfeld geplanten Posts – die App kommt im Gegensatz zu Instagram tatsächlich etwas realer daher. Auffällig ist im Unterschied zu Instagram, Snapchat und Co. auch, dass die App kaum Benachrichtigungen pusht – abgesehen vom Foto-Reminder. Das macht die Plattform (jedenfalls für mich) weit weniger zeitintensiv als ihre bekannteren Konkurrenten.

Grundsätzlich macht die App einen ruhigeren und privateren Eindruck. Und das Beste: Likes und Followerzahlen werden nicht angezeigt, was die Plattform für Influencer wiederum weniger interessant macht. Wie lange sich Influencer tatsächlich fernhalten lassen, wird sich spätestens mit der allfällig steigenden Popularität der App zeigen.

Wie populär die App tatsächlich wird, ist derzeit schwierig abzuschätzen. Fotos von Leuten, wie sie jeden Tag einfach ihren Hund Gassi führen, in Bildschirme starren oder das dreckige Geschirr spülen, gefallen vermutlich nicht allen.

Wie viele die inszenierte Instagram-Welt für die neue Wirklichkeit verlassen, wird sich zeigen. Für manche mag das Abbilden des simplen Alltags wohl eher langweilig erscheinen.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

So siehst du nicht aus, Influencer! 9 Mal Instagram vs. Realität

1 / 23
So siehst du nicht aus, Influencer! 9 Mal Instagram vs. Realität
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Schweizer Snowboarder Pat Burgener erobert das olympische Dorf auf TikTok

Video: watson

Das könnte dich auch noch interessieren:

23 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Zeit_Genosse
24.04.2022 17:49registriert Februar 2014
Darauf haben alle gewartet.
614
Melden
Zum Kommentar
avatar
Pat the Rat (das Original)
24.04.2022 18:28registriert Februar 2017
Tönt nach einer erfrischend neuen Idee.
Aber ob jemand sehen will, was ich im Verlauf eines normalen Tages mache, wage ich zu bezweifeln...
292
Melden
Zum Kommentar
avatar
Keller Baron
24.04.2022 22:06registriert Juni 2014
Dieser Bericht beweist direkt mal dass diese App nicht so genutzt wird wie es sich die Entwickler gedacht hatten, denn die meisten Menschen haben komplexe ihr Gesicht zu jeder Zeit zu zeigen. Somit ist es dann doch nicht so real wie es vermeintlich sein sollte, wenn man ständig sein Gesicht aus der Cam manövriert.
234
Melden
Zum Kommentar
23
Twitters Einnahmen brechen ein – diese Unternehmen boykottieren Musk
Nach dem Chaos der letzten Wochen ist die Hälfte der wichtigsten Werbekunden abgesprungen. Gleichzeitig verzögert sich der Neustart des Abo-Modells, da Musk wohl versucht, Apples App-Store-Gebühr zu umgehen.

Ende Oktober versuchte Elon Musk die Bedenken der Werbekunden zu zerstreuen und schrieb: «Twitter strebt danach, die angesehenste Werbeplattform der Welt zu werden.»

Zur Story