«Anzeigenhauptmeister»: Staatsanwalt ermittelt – bis zu drei Jahre Haft
Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den «Anzeigenhauptmeister». Es gebe ein Verfahren gegen den in der Öffentlichkeit bekannten 19-Jährigen, bestätigte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Halle (Saale) am Freitag.
Vorgeworfen wird Niclas M. aus Gräfenhainichen im Landkreis Wittenberg demnach ein mutmasslicher Verstoss gegen das Waffengesetz. Ausserdem muss sich M. Ermittlungen wegen Paragraf 166 des Strafgesetzbuches stellen. Dieser Paragraf ahndet die «Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgesellschaften und Weltanschauungsvereinigungen».
Zuletzt hatte M. in einem Instagram-Video gezeigt, wie er einen Koran verbrennt. «Ah, tut das gut», erklärte er aus dem Off in dem Clip, dann spielte der «Anzeigenhauptmann» das NS-Marschlied «Erika» ab und spritzte Spiritus auf das brennende Buch.
In einem zweiten Video posierte M. mit einem Gegenstand in der Hand, der wie eine Pistole aussah. Dazu sagte er: «Allahu Akba. Ich bin das höchste Wesen im Universum.»
«Was ich im Internet teile, mache ich bewusst – um zu provozieren»
M. behauptet jetzt, die mutmassliche Waffe sei bloss eine Spielzeugpistole gewesen. Und überhaupt: Er habe lediglich Aufmerksamkeit erregen wollen. «Was ich im Internet teile, mache ich bewusst – um zu provozieren», sagte der 19-Jährige der Deutschen Presse-Agentur. Er gehe davon aus, dass die Ermittlungen gegen ihn eingestellt würden, da seine Taten seiner Meinung nach keine strafrechtliche Relevanz hätten.
Anfang 2024 hatte der selbst ernannte «Anzeigenhauptmeister» kurzzeitig durch Videos in den sozialen Medien einen gewissen Kultstatus erlangt. M. fuhr in Warnkleidung mit seinem Rad durch deutsche Städte und gab unzählige Anzeigen wegen Falschparkens auf.
«Anzeigenhauptmeister» zeigte sich mit AfD-Mann
Als der Ruhm abebbte, verlegte sich M. auf anderen Content. Im November 2024 zeigte er sich mit einem schmalen Hitler-Bärtchen. Dann veröffentlichte er ein Foto mit dem AfD-Europaabgeordneten Alexander Jungbluth, zu dem er schrieb: «Nur gemeinsam sind wir stark gegen diese ganzen linksgrünversifften Zwerge, die unser Land gegen die Wand fahren! Deutschland zuerst!»
Im Oktober plünderte M. dann eine öffentliche Bücherbox, um sich anschliessend selbst anzuzeigen. Er selbst sprach danach von einem «raffinierten und durchaus hinterhältigen Plan, endlich wieder ins Rampenlicht der grossen Medien zu kommen».
Dort ist er mit den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft jetzt wieder angekommen. Dies allerdings möglicherweise zu einem hohen Preis. In Paragraf 166 heisst es: «Wer öffentlich den Inhalt des religiösen Bekenntnisses anderer in einer Weise beschimpft, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft.»
Durchsuchung beim «Anzeigenhauptmeister» – Profil offline
Die Staatsanwaltschaft habe am 25. November einen Antrag auf Durchsuchung an der Meldeadresse des Beschuldigten gestellt, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Die Beamten seien noch am selben Tag zur Vollstreckung erschienen, jedoch sei der junge Mann dabei nicht angetroffen worden. Einen Tag darauf habe sich M. dann bei einer Polizeistation in Mittelhessen gemeldet.
Das Instagramprofil des 19-Jährigen war unterdessen am Freitag nicht mehr zu erreichen. «Möglicherweise funktioniert der Link nicht oder das Profil wurde entfernt», hiess es auf der Seite.
Verwendete Quellen:
- mz.de: "'Anzeigenhauptmeister' aus Gräfenhainichen verbrennt Koran und hantiert mit Waffe"
- freiepresse.de: "Koranverbrennung, Pistolen-Auftritt: Der tiefe Fall des Anzeigenhauptmeisters"
- welt.de: "'Anzeigenhauptmeister' verbrennt öffentlich den Koran. Im Hintergrund läuft ein NS-Marsch"
- Mit Material der Nachrichtenagentur dpa

