Leben
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Review

Der neue Spider-Man-Film ist wie ein LSD-Trip ab 6 Jahren

Bild: Sony Pictures



Es ist schwierig, zu beschreiben, was ich da genau auf der Leinwand gesehen habe, aber eines weiss ich auf jeden Fall: Seit langem hat mich ein Film nicht mehr so geflasht wie dieser. Es ist, als hätten die Macher es irgendwie geschafft, einen Comic tatsächlich zum Leben zu erwecken.

«Spider-Man: Into the Spider-Verse» ist ein visueller Experimentalfilm, welcher 3D und 2D, Computergrafiken und richtige Illustrationen ineinander vereint. Im einen Moment wird man von der neonfarbenen Skyline Brooklyns hypnotisiert und im nächsten haut einem der Film Rasterpunktgrafiken und Speedlines um die Ohren, wie sie normalerweise nur in Comics vorkommen.

Comic Strip 1

Bild: Sony Pictures

Laut dem Regie-Trio sollen die Produzenten ihnen umfassende, kreative Freiheit gewährt haben – und das merkt man. «Spider-Man: Into the Spider-Verse» lässt die Hochglanz-Marvel-Filme von Disney fast schon altbacken wirken und einem eines erkennen: Comic-Superhelden sind wie geschaffen für den Animationsfilm – wenn es denn richtig gemacht wird.

Und richtig machen heisst im Falle dieses Filmes eben auch, es ein bisschen falsch zu machen. So schreibt Danny Dimian, verantwortlicher für die visuellen Effekte, im Produktionsdossier:

«Computer machen alles korrekt und so hast du immer die richtige Perspektive und die korrekte Geometrie. Was aber an Kunst interessant und ausdrucksvoll ist, sind die kleinen Fehler, die Hand in Hand mit einem Menschen gehen, der etwas kreiert.»

Um diese Inperfektion zu erreichen, haben die Macher alle Register gezogen, sozusagen in einem Sandkasten gespielt. Gewisse Szenen wurden mit zwölf Bildern pro Sekunde herausgerechnet, statt 24, bei anderen Druckraster darüber gelegt, sogar Comic-Expressionen ins Bild eingefügt. Hie und da ist sogar ein bisschen Fotorealismus zu finden, aber nur ganz dezent. Schliesslich wurde sogar jedes fertig gerenderte Einzelbild des Films von einem Künstler von Hand überarbeitet.

Spider-Man

Ein fast schon fotorealistisches Taxi im Kontrast zum grafischen Hintergrund und dem Comic-haften Spider Man? Super! Bild: Sony Pictures

Das führt dazu, dass der Film sich die ganze Handlung hindurch visuell verändert. Im einen Moment glaubt man, eine Konzeptzeichnung vor sich zu haben, dann plötzlich ist man in einem Stop-Motion-Film und im nächsten Moment hat man das Gefühl, durch einen alten, verbleichten Comic zu blättern. Es ist ein bisschen, als würde man in einem Drogenrausch durch eine bunte, wundervolle, sich ständig verändernde Bilderwelt wandeln.

Vermutlich ist es nur schwer vorstellbar, wie grossartig das aussieht, wenn man den Film nicht gesehen hat. Auch der Trailer, der diese Ansätze bereits verrät, ist nur ein Hauch gegen die visuelle Wucht, die sich auf einer 15-Meter-Leinwand entfaltet.

Was den Film aber wirklich perfekt abrundet, ist die gelungene Story. Diese basiert auf dem neuen Spider-Man-Comic, in welchem der Teenager Miles Morales zum spinnennetzschiessenden Superhelden wird. Dabei hat der talentierte Junge doch sonst schon genug Probleme, denn wie wir alle wissen, ist das Leben als Teenie nicht immer ganz einfach.

Spider-Man

Bild: Sony Pictures

Miles ist ein kreativer, smarter Junge, der gerne mal ein bisschen sprayen geht, einen Hoodie und Sneakers trägt und mit grossen Kopfhörern Musik hört. Urban Life eben.

Als er bei einem seiner Ausflüge von einer radioaktiven Spinne gebissen wird, fängt er an, neue Kräfte an sich zu entdecken. Damit kommt er nicht wirklich klar. Erst, als ein Experiment fehlschlägt und Spinnen-Leute aus anderen Dimensionen auftauchen, wird ihm geholfen.

Der Begriff Spinnen-Leute ist hier übrigens korrekt, denn erstmals sehen wir in einem Film nicht nur Spider-Man. Nebst dem klassischen Peter Parker gibt es nämlich auch noch eine Spider-Woman und sogar ein Spider-Schwein. Ernsthaft.

Spider-Man

Sogar ein Mädchen aus einem Anime-Paralleluniversum ist dabei. Gewöhnungsbedürftig, aber witzig. Der spannendste Nebencharakter ist Spider-Man-Noir (ganz rechts), gesprochen von Nicolas Cage. Bild: Sony Pictures

Sie alle zeigen, wie verrückt dieser Film ist, denn ein Spider-Schwein in einem Marvel-Film auftreten zu lassen, das auch noch aussieht, als sei es aus einem Looney-Tunes-Cartoon entsprungen, ist schon mutig. Aber wisst ihr was? So verrückt es klingt, so absurd es im ersten Moment aussehen mag: Es ist wirklich lustig – so wie der ganze Film.

Die Macher beweisen, dass sie sich durchaus bewusst sind, dass die Welt nicht auf noch einen Superheldenfilm gewartet hat. Und schon gar nicht auf Spider-Man, von dem wir in den letzten 16 Jahren sechs Kinofilme vorgesetzt bekamen. Was macht man also? Man nimmt sich selbst und das gesamte Genre gehörig auf die Schippe. Ein Beispiel gefällig? Gerne!

Die erste Lektion, um Spider-Man zu sein: Habe immer Baby-Puder zur Hand. Du willst nicht den ganzen Tag in deinem Anzug stecken und dir ein paar unangenehme Stellen wund scheuern.

Spider-Man

Peter B. Parker mit seinem Schützling Miles Morales. Bild: Sony Pictures

Und dank der vielen verschiedenen Spider-Leute hat der Film die Möglichkeit, der Figur viele neue Facetten zu verabreichen, die wir so bisher noch nie zu sehen bekamen. Zum Teil sind dies seriöse Dinge, wie Peter B. Parker, der in seinem Universum gerade eine Identitätskrise durchmacht und sich von seiner Frau Mary Jane entfremdet hat, weil er keine Kinder möchte. Dann wiederum gibt es richtig schräge Aspekte, wie den Spider-Noir, der aus einem Schwarz-Weiss-Universum stammt und daher den Sinn eines Rubikwürfels nicht nachvollziehen kann.

Auch wenn es darauf hinausläuft, wie in so vielen Superheldenfilmen, dass schlussendlich alles in die Luft zu fliegen droht und ein Hebel betätigt werden muss, um das zu verhindern, weiss der Film, wie banal das ist. So erklärt einer der Spider-Männer seinem Schützling Miles etwas resigniert: 

Zitat Spider-Man

Bild: watson

Es ist fast, als wollte Peter Parker uns sagen: So ist das eben, mit diesen Geschichten, da muss ich als Superheld durch – gut finde ich das deswegen nicht.

Die Botschaft, die der Film aber schlussendlich vermitteln möchte: Jeder könnte hinter der Maske des Spider-Man stecken. Und das tut die Geschichte, ohne, dass man genervt die Augen verdreht.

Ein grosses Dankeschön geht noch dafür an die Macher, dass sie keine unnötige Teenie-Romanze rund um Miles Morales eingebaut haben. Einfach nur Freunde sein geht nämlich auch. Danke, danke, danke!

Fazit

«Spider-Man: Into the Spider-Verse» ist eine erfrischende Superheldengeschichte, die visuell neue Standards setzt und in Zukunft häufig kopiert werden dürfte. 

Es ist einer der wenigen Filme, den man sich unbedingt auf der grossen Leinwand anschauen sollte. Nicht auf dem 60-Zoll-TV, nicht auf dem Laptop und garantiert nicht auf dem Smartphone.

Wie geht der Werbeslogan? Kino – dafür werden Filme gemacht. Das unterschreibe ich bei «Spider-Man: Into the Spider-Verse» ohne zu zögern.

PS: Es gibt eine Postcredit-Szene, die erst ganz am Schluss des Abspanns kommt. Bleibt sitzen, es lohnt sich wirklich.

Und für alle, die es wissen wollen:

«Spider-Man: Into the Spider-Verse» startet am 13. Dezember in den Schweizer Kinos. Die Laufzeit beträgt 117 Minuten.

Der Trailer:

abspielen

Video: undefined/Sony Pictures

Superhelden im Alltag:

Mehr aus der Film- und Serienwelt:

Corona-Krise trifft Hollywood ++ Marvel-Film-Crossover ++ «Die Simpsons» auf Disney Plus

Link zum Artikel

«Game of Thrones»- und «Star Wars»-Star Max von Sydow im Alter von 90 Jahren gestorben

Link zum Artikel

Der erste Trailer zu «Haus des Geldes» zeigt: Jetzt herrscht Krieg!

Link zum Artikel

Woody-Allen-Buch sorgt für Aufruf: Verlagsmitarbeiter legen Arbeit nieder

Link zum Artikel

Im Darkroom der Seele hängt ein Hochzeitskleid. Die Netflix-Datingshow «Love Is Blind»

Link zum Artikel

Der ultimative Notfall-Guide für Sportfreaks – heute: 13 herausragende Sport-Dokus

Link zum Artikel

Der Bundesrat will, dass Netflix Schweizer Filme subventioniert

Link zum Artikel

Iranischer Film gewinnt Goldenen Bären – der Regisseur durfte nicht einreisen

Link zum Artikel

«Ozark», «Westworld» und 7 weitere Serien, die im März mit neuen Folgen locken

Link zum Artikel

Lohnt sich die neue Netflix-Serie «I Am Not Okay With This»?

Link zum Artikel

Forschung, Folter, Neonazis, alles echt: Irrer Russe sorgt für Filmskandal an Berlinale

Link zum Artikel

Neuer Clip zu «Bond 25» ++ Disney Plus startet Aktion ++ «Jurassic World 3»-Titel bekannt

Link zum Artikel

Auschwitz-Gedenkstätte kritisiert neue Nazi-Jäger-Serie von Amazon

Link zum Artikel

Serien-Fans, aufgepasst: «Friends» kommt zurück! Stars bestätigen Reunion

Link zum Artikel

Trump wettert gegen Oscar-Gewinner «Parasite» – der eiskalte Konter folgt prompt

Link zum Artikel

Warum die Schweiz Schweizer Filme liebt

Link zum Artikel

Ranking: ALLE Bond-Songs – von grauenhaft bis hammergut

Link zum Artikel

Sie ist da! So tönt Billie Eilish' James-Bond-Ballade

Link zum Artikel

Diese 9 Inhalte hat Netflix auf Druck von Regierungen entfernt

Link zum Artikel

Oscar-Gewinner Waititi haut Apple in die Pfanne

Link zum Artikel

Eminem überrascht alle mit mysteriösem Oscar-Auftritt

Link zum Artikel

Oscars heisst immer auch: Kleider! Die besten Looks vom roten Teppich

Link zum Artikel

«Parasite»! Denn irgendwas kommt immer hoch

Link zum Artikel

Perfekte Sensation. 4 Oscars für «Parasite»! Wow!!!

Link zum Artikel

Vergewaltigte Mädchen lügen nicht: Die Netflix-Serie «Unbelievable» ist unglaublich gut

Link zum Artikel

Diese 17 Oscar-Kandidaten kannst du bereits streamen – wir sagen dir wo

Link zum Artikel

Was haben die Oscars mit rätoromanischen Orgasmen zu tun? Viel!

Link zum Artikel

So deaktiviert man bei Netflix die nervige Autoplay-Funktion

Link zum Artikel

Krebs bei «Beverly Hills, 90210»-Sternchen Shannen Doherty ist zurück

Link zum Artikel

So gut soll der neue Streaming-Dienst Disney+ angelaufen sein

Link zum Artikel

Mit dieser Rede begeisterte der Joker nicht nur seine Verlobte

Link zum Artikel

Darum kehrt Stephen King Facebook endgültig den Rücken

Link zum Artikel

5 Jahre nach dem Serien-Ende – was wurde aus der «Two and a Half Men»-Besetzung?

Link zum Artikel

Kirk Douglas stirbt mit 103 Jahren – 17 Bilder aus einem unglaublichen Leben

Link zum Artikel

«Dr. Dolittle» und 14 weitere Filme, die finanziell abgestürzt sind

Link zum Artikel

Er ist für unsere Seriensucht verantwortlich. Binge-Watching hasst er

Link zum Artikel

Läuft bei Netflix – Bezahlabos stark angestiegen, Nutzerzahlen geschönt

Link zum Artikel

Mit diesen 10 Filmen und Serien will dich Disney Plus Schweiz verführen

Link zum Artikel

Das Reality-Experiment «The Circle» auf Netflix ist DIE Droge

Link zum Artikel

Disney gibt endlich Schweizer Start und Preise von Disney Plus bekannt

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

10
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
10Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • MikoGee 13.12.2018 09:32
    Highlight Highlight Es handelt sich hier um Gwen Stacy alias «Spider-Gwen», nicht Spider-Woman. Und das andere ist Peter Porker, alias «Spider-Ham». Ein «Spider-Schwein» gabs im Simpsons-Spielfilm von 2007, aber Peter Porker gibts schon seit 1983! Jeder der auch nur ein bisschen was zum Spider-Verse gelesen hat (und das sollte man, die Storyline ist gut), sollte die benennen können.
    • Pascal Scherrer 13.12.2018 10:32
      Highlight Highlight Was du da schreibst, ist mir durchaus bewusst, nur schon, weil ich das Produktionsdossier gelesen habe.

      Ich schreibe aber Spider-Woman, weil ich mich damit nicht auf Gwen Stacey als Charakter beziehe, sondern auf die Tatsache, dass die Person weiblich ist. Weiblicher Spider-Man würde einfach nur bescheuert klingen.

      Und das Spider-Schwein war schlicht eine Anspielung auf die Simpsons. Wieso? Weil ich Anspielungen mag.

      Ausserdem sollte das Review auch für Leute verständlich sein, die Spider-Man nur aus den Filmen kennen und keine Ahnung haben, wer Spider-Ham ist.
  • dä dingsbums 12.12.2018 21:34
    Highlight Highlight "Schliesslich wurde sogar jedes fertig gerenderte Einzelbild des Films von einem Künstler von Hand überarbeitet."

    Wie genau darf man das verstehen bzw. wie wird das überhaupt gemacht?
    24 Bilder pro Sekunde macht bei 90min ~130'000 Bilder. Die alle von Hand zu überarbeiten würde eine kleine Ewigkeit dauern, nicht?
    • Pascal Scherrer 12.12.2018 22:02
      Highlight Highlight Ja, das ist so.

      Allerdings dauert die Produktionszeit bei neuen Animationsfilmen meist vier Jahre oder mehr. Da arbeitet dann oft eine Crew zwischen 200 und 400 Leuten gleichzeitig an so einem Animationsfilm.

      In diesem konkreten Fall äusserten sich die Produzenten erstmals 2014 dazu, dass ein Spider-Man-Animationsfilm geplant sei. Wir können davon ausgehen, dass der Film zu dieser Zeit schon in der Vorbereitungsphase war.



  • Nochbuur 12.12.2018 20:47
    Highlight Highlight Hoffentlich nicht in 3D ansehen, oder?
    • Pascal Scherrer 12.12.2018 21:14
      Highlight Highlight Nö. Ich hab den Film in 2D geguckt.
  • Ferranya 12.12.2018 19:28
    Highlight Highlight Hatte sowieso vor den Film zu sehen, jetzt erst recht 😊
  • Tiny Rick 12.12.2018 18:51
    Highlight Highlight Wird morgen geschaut, im kino natürlich
  • no-Name 12.12.2018 18:23
    Highlight Highlight Titel gelesen, will sehen! 🤩
  • Chriguchris 12.12.2018 17:37
    Highlight Highlight Hmmm liest sich echt gut, merci. Dann werde ich mir den Film bald mal anschauen.

«The Game Changers» – haben wir uns ein Leben lang falsch ernährt?

Rund drei Prozent der Schweizerinnen und Schweizer ernähren sich vegan. Nach wie vor herrschen viele Vorurteile über die ausschliesslich auf Pflanzen basierende Ernährung. Die Dokumentation «The Game Changers», welche seit kurzem auf Netflix zu sehen ist, versucht mit diesen aufzuräumen – und auch den übrigen 97 Prozent eine vegane Ernährung schmackhaft zu machen.

Wenn du bereits jetzt Schnappatmung bekommst und dich um dein Steak fürchtest, bleib doch noch schnell dran! Denn die Doku ist …

Artikel lesen
Link zum Artikel