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Pille Frau

Bild: shutterstock.com

Warum die Pillenpause sinnlos ist – und Frauen sie trotzdem einhalten

Gunda Windmüller / watson.de



Keine Frau, die die Pille nimmt, bekommt ihre Periode. Vielleicht verwundert dieser Satz die eine oder andere. Schliesslich weiss doch jeder, dass Frauen monatlich bluten, egal ob mit Pille oder ohne – nur manche nehmen die Pille pausenlos durch und unterbinden damit die Blutung komplett. Doch das, was viele als Periode bezeichnen, ist auf der Pille nur eine Hormonentzugsblutung.

Und die ist eigentlich auch komplett sinnlos, wie die britische «Faculty of Sexual and Reproductive Healthcare» (FSRH) nun angemerkt hat.

«Es gibt keine gesundheitlichen Vorteile der 7-tägigen Pillenpause», heisst es in einer Pressemitteilung des grössten Berufsverbandes für Sexualgesundheit in Grossbritannien.

Unterschied: Hormonentzugsblutung vs. Periode

Die Pille kommt in der Regel in einer Packung, die 21 kleine Tabletten enthält, und wird mit einer siebentägigen Einnahmepause alle drei Wochen verschrieben. In dieser Pause sinkt der Spiegel der Hormone Östrogen und Progesteron im Blut. Die Gebärmutterschleimhaut, die sich bis dahin aufgebaut hat, kann nicht mehr aufrecht erhalten werden und wird abgestossen. Das führt zu einer Blutung, die auch Pseudomenstruation genannt wird. Warum es keine echte Menstruation ist? Weil ihr nicht der natürliche Zyklus vorausgegangen ist. Zwar wird ebenfalls Gebärmutterschleimhaut abgestossen. Die ist aber anders beschaffen als die Schleimhaut, die sich im Verlauf des natürlichen Zyklus bildet.

Keine gesundheitlichen Vorteile, dafür aber Nachteile im Hinblick auf die Sicherheit. Denn die Pause erhöhe die Gefahr, dass eine Einnahme vergessen wird, schreibt der Verband weiter, der regelmässig Richtlinien für den Praxisalltag von Ärzten und medizinischem Fachpersonal herausgibt. Das sieht im Übrigen auch der Berufsverband der Frauenärzte in Deutschland so. Auf deren Website «Frauenärzte im Netz» heisst es:

«Durch die pausenlose Pillen-Anwendung wird die Sicherheit erhöht. ... Auch Nebenwirkungen treten nicht häufiger auf als bei der konservativen Anwendungsform. Gegebenenfalls kann das Risiko für Zwischenblutungen zu Beginn des Langzyklus etwas höher sein. Aber der Körper gewöhnt sich in der Regel schnell an die neue Situation.»

Kombi-Pille

Die Empfehlungen der FSRH beziehen sich auf die «Kombi-Pille», also ein Kombinationspräparat aus Östrogen und Gestagen. Auch die sogenannte «Mikropille» ist ein Kombinationspräparat.

Die Pillenpause ist also nicht medizinisch indiziert und weniger sicher als eine pausenlose Einnahme. Doch warum empfehlen sie dann so viele Ärztinnen und Ärzte? Die Antwort findet sich irgendwo in den 1950ern, als das Verhütungsmittel entwickelt wurde. Entscheidend beeinflusst hat dies der Mediziner und Pillenmitentwickler John Rock. Der Gynäkologe John Guillebaud sagte im Telegraph dazu:

«John Rock hat die Pause entwickelt, weil er gehofft hat, dass der Papst dann die Pille akzeptieren würde und sie so von Katholikinnen genommen werden könnte.»

Rock war Katholik und bemühte sich, die von ihm mitentwickelte Methode der Empfängnisverhütung theologisch zu rechtfertigen, um sich so auch die Akzeptanz der Kirche zu sichern.

Wie der Journalist Malcolm Gladwell schon vor knapp zwanzig Jahren für den New Yorker recherchiert hat, hatte Rock auch versucht, dies mit dem Design der Pille zu erreichen. Denn der 21-Tage-Zyklus, der mit der Pille simuliert wird, ähnelt eben einer Methode der «natürlichen» Empfängnisverhütung, der «rhythm method», die die Kirche akzeptierte. Dieser «natürliche» Anschein, den die Pillenpause vorgab, sollte die Theologen überzeugen. 

Hat allerdings nicht geklappt. Laut der päpstlichen Enzyklika «Humanae Vitae» von 1968 gibt es bis heute nur eine gültige Einnahmeempfehlung der katholischen Kirche für die Antibabypille und die lautet: gar nicht nehmen.

Die Pillenpause als gescheiterter Überredungsversuch also. Und medizinisch überflüssig. Trotzdem kämen viele vermutlich nicht auf die Idee, die Fake-Periode zu hinterfragen. Einmal im Monat eine Blutung ist doch total normal. Warum also dran zweifeln?

Dabei lohnt es sich eigentlich immer, ein bisschen skeptisch zu sein, wenn es um weibliche Geschlechtsorgane und ihre pharmazeutische oder medizinische Versorgung geht. Auch wenn es nicht so sein sollte, fällt doch immer wieder auf, dass dabei nicht nur wissenschaftlich und sachlich kalkulierte Überlegungen eine Rolle spielen. Sondern auch eine ganze Schippe Moral und Ideen von «Natürlichkeit», die sich gesellschaftlich und kulturell entwickelt haben.

Was der Langzyklus bedeutet:

Langzyklus heisst, dass nach 21 Tagen Einnahme keine 7-tägige Pause folgt. Ohne Pause kommt es auch nicht zum Abfall der Hormonspiegel und somit nicht zu Blutungen. Üblicherweise werden eine 12-wöchige Einnahme und darauffolgend sieben einnahmefreie Tage angesetzt.

frauenärzte im netz

Und für manche Frauen kann der Langzyklus, also das «Durchnehmen» der Pille, sogar eindeutige Vorteile haben:

«Der Langzyklus bietet sich in Absprache mit dem Frauenarzt für Frauen an, denen ein Hormonspiegelabfall während der Pause zwischen den Einnahmeintervallen regelmässig grosse Beschwerden macht, beispielsweise, weil in dieser Zeit verstärkt Migräneattacken auftreten.»

Quelle «Frauenärzte im Netz», hrsg von Berufsverband der Frauenärzte in Zusammenarbeit mit der Dt. Gesell. für Gynäkologie und Geburtshilfe

Und nicht nur das:

«Andere Beschwerden bzw. Erkrankungen, bei denen Frauenärzte den Langzyklus in Erwägung ziehen, sind: Endometriose, PCO-Syndrom, Myome, Eisenmangelanämie, wiederkehrende Eierstockzysten, therapieresistente Akne, andere blutungsbedingte Beschwerden wie Bauch-, Rücken- und Kopfschmerzen.

Zusätzlich bietet sich der Langzyklus bei chronischen Krankheiten an, deren Ausprägung von hormonellen Zyklusschwankungen mitbestimmt wird, z. B. Multiple Sklerose, Diabetes mellitus Typ I, Asthma, Depressionen, Epilepsie sowie die Parkinson-Krankheit.»

Quelle «Frauenärzte im Netz», hrsg von Berufsverband der Frauenärzte in Zusammenarbeit mit der Dt. Gesell. für Gynäkologie und Geburtshilfe

In anderen Worten: Nur weil die Pille mit ihrer gängigen Pillenpause einen Zyklus simuliert, ist an dieser Art und Weise der Verhütung noch lange nichts «natürlich».

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    Alle Leser-Kommentare
  • Zing1973 26.01.2019 19:28
    Highlight Highlight Ich bin ziemlich überrascht darüber, dass die pausenlose Einnahme der Pille als Neuigkeit in den Nachrichten ist. Meine Frauenärztin, hatte mir schon vor 15 Jahren gesagt, dass ich die Periode durch die pausenlose Einnahme verschieben kann. 🙃
  • ecritex 26.01.2019 09:43
    Highlight Highlight Was ich als Mann verstanden habe:
    Es gibt nicht die eine Lösung. Je nach Frau ist es sinnvoll die Pille durchgehend zu nehmen, mit Pause, oder eben überhaupt nicht. Stimmt das so?
    • lilie 26.01.2019 16:28
      Highlight Highlight @ecritex: Vor allem macht es vom medizinischen Standpunkt aus selten Sinn, die Pille in einem 21+7-Zyklus zu nehmen, obwohl das die häufigste Verschreibungsart ist.
  • Padcat 25.01.2019 18:59
    Highlight Highlight Ich habe mal für zwei jahre diese 'langzeitzyklen' in absprache mit meiner FA ausprobiert. Hatte nur noch so 2-3 mal im jahr meine tage, dafür aber mit richtig üblen krämpfen und unterleibsschmerzen. Seit ich sie wieder mit pause nehme ist alles wieder sehr gut erträglich (und vor allem steuerbar)
  • Natuschka 25.01.2019 13:30
    Highlight Highlight „anderen Worten: Nur weil die Pille mit ihrer gängigen Pillenpause einen Zyklus simuliert, ist an dieser Art und Weise der Verhütung noch lange nichts «natürlich».“

    Die Pille überhaupt einzunehmen ist nicht natürlich, ob mit oder ohne Pause.
    Ausserdem fügen Hormone dem Körper eh schon genung schaden zu, daher lieber mit Pause....
  • samarra 25.01.2019 12:29
    Highlight Highlight ich bin froh dass ich die pille nicht mehr nehme
    es ist günstiger
    ich belaste meinem körper und meine gesundheit nicht mit hormonzufuhr
    ich belaste die umwelt nicht
    für mich ein gewinn auf ganzer ebene.
  • fräulein wunder 25.01.2019 11:16
    Highlight Highlight immer wenn ich die pille 2, 3 mt. am stück gebommen habe, weil im urlaub oder aus sonstigen gründen, sind meine brüste irgendwann angeschwollen und haben so geschmerzt wie damals beim milcheinschuss... auch hatte ich in der woche vor der „periode“ immer extreme stimmungsschwankungen. auch wenn sich das medizinisch wohl nicht erklären lässt, da es ja keine richtige periode ist. 🤔
    ich nehm die pille jetzt seit bald einem jahr nicht mehr und bin so glücklich darüber! mein sexualleben hat sich um 180° gedreht, da ich davor praktisch keine lust auf sex mehr hatte...
  • Lörrlee 25.01.2019 11:04
    Highlight Highlight Gibt aber noch das wichtige Argument, dass bei der Pillen-Pause eine Packung länger hält, was bei den Kosten der Pille tatsächlich jährlich einen gewissen Betrag ausmachen kann.
  • buhuch 25.01.2019 10:24
    Highlight Highlight "Dabei lohnt es sich eigentlich immer, ein bisschen skeptisch zu sein, wenn es um weibliche Geschlechtsorgane und ihre pharmazeutische oder medizinische Versorgung geht." - z.B. beim Thema tägliche Hormonzufuhr per se?
  • Eh Doch 25.01.2019 09:25
    Highlight Highlight Der Titel sollte lauten:
    Warum die Pille sinnlos ist aber Frauen sie trotzdem noch nehmen
    • who cares? 25.01.2019 11:38
      Highlight Highlight Wieso ist sie sinnlos? Ich werde dank Pille nicht schwanger und habe fast keine Akne mehr. Gibt es da Alternativen, die gleich beides abdecken?
    • DerElch 25.01.2019 12:54
      Highlight Highlight Weshalb sinnlos....? Da musst du mir schon eine Erklärung geben.
      Und: Wenn die Pille (oder bei mir: der Nuvaring) mir hilft, ohne Krämpfe und entsprechend jeden Monat einige Tage komplett ausgeknockt durchs Leben zu gehen, wenn sie mir hilft, meine hormonbedingte Akne in den Griff zu bekommen und wenn sie mir hilft, meine Familienplanung selbst zu steuern – dann finde ich sie nicht sinnnlos.

      Über die Notwendigkeit der Hormondosis kann man diskutieren aber über den Sinn nicht.
    • Ophelia Sky 25.01.2019 22:12
      Highlight Highlight Hatte auch jahrelang Akne. Mit der Pille war es dann einigermassen ok. Kaum abgesetzt ein riesen Aknerückfall, es dauerte 1.5 Jahre und 2000 Franken mit boch mehr Medikamenten. Zudem dauerte es ebenfalls 1.5 Jahre bis mein Zyklus wieder regelmäßig wurde. Und meine Lipido ist um 1000% gestiegen (vorher alle 3-4 Monate, jetzt 2-3 mal täglich) Ich bereue es zutiefst die Pille mit 16 genommen zu haben. Ich hätte nie damit anfangen sollen
  • Janis Joplin 25.01.2019 08:41
    Highlight Highlight Pille? Nie nie nie wieder...
    • Randy Orton 25.01.2019 14:47
      Highlight Highlight Der Benutzername und der Kommentar beissen sich irgendwie ;)
  • CaptainLonestarr 24.01.2019 21:47
    Highlight Highlight Finanziell macht es sehr wohl einen Unterschied. Alle vier Wochen eine neue Packung oder alle drei. 13 Packungen im Jahr oder 17 sind auch ein Argument.
    • iseewhatyoudidthere 25.01.2019 14:40
      Highlight Highlight Auf die 40.- mehr oder weniger kommt es auch nicht mehr drauf an..
  • Yelina 24.01.2019 21:34
    Highlight Highlight Die Hormone haben mich körperlich und seelisch kaputt gemacht. Selbst die mit pausenloser Anwendung. Bin froh, davon los zu sein.
    • scotchandsoda 24.01.2019 21:51
      Highlight Highlight So geht es wohl jeder Frau anders... ich bin dank der pausenlosen Anwendung froh, endlich einen ausgeglicheneren, schwächeren Zyklus zu haben und auf die allmonatlichen Schmerzmittel verzichten zu können...
    • who cares? 25.01.2019 07:51
      Highlight Highlight Ich finde die Pille super. Das einzige was meine Akne im Zaum hält, diese hat mich nämlich seelisch und auch körperlich (Aknenarben im ganzen Gesicht) kaputt gemacht.
    • Eh Doch 25.01.2019 09:25
      Highlight Highlight WORD
    Weitere Antworten anzeigen
  • DemonCore 24.01.2019 19:59
    Highlight Highlight Religion kills. Either the mind or people.
  • Tanea 24.01.2019 19:50
    Highlight Highlight Jup, man nennt es auch Abbruchblutung und es bedeutet nichts anderes, als dass dem Körper vorgemacht wird, eine Fehlgeburt erlitten zu haben.
    • zimtlisme 24.01.2019 21:43
      Highlight Highlight Echt? Ich meinte, es sei deshalb keine reguläre Menstruation, weil keine Eizelle abgestossen wird, weil kein Eisprung passierte, weil dieser ja genau durch die Hormone der Pille verhindert wurde?
      Bin aus persönlichen Gründen auch kein Pillenfan, aber die Zwischenblutung/Nicht-Mens mit einer Fehlgeburt zu vergleichen, finde ich doch etwas harsch/fatalistisch sowie auch inkorrekt. Bei einer Fehlgeburt ging ja mindestens mal ein geglückter Eisprung & Befruchtung der Eizelle voraus.
    • Aglaya 25.01.2019 12:20
      Highlight Highlight Tanea hat durchaus recht. Da die Pille dem Körper vorspielt, bereits schwanger zu sein, findet kein Eisprung statt. Werden dem Körper die Hormone nun nicht mehr zugeführt (=Pillenpause) muss dieser entsprechend davon ausgehen, dass die "Schwangerschaft" beendet/abgebrochen wurde.

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