Nigeria
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Wahlen in Nigeria entwickeln sich zum Krimi



Bei der Präsidentschaftswahl in Nigeria zeichnet sich ein knapper Ausgang ab. Amtsinhaber Goodluck Jonathan und Oppositionsführer Muhammadu Buhari lieferten sich laut Teilergebnissen ein Kopf-an-Kopf Rennen. Mit dem Endresultat wurde am Dienstag gerechnet.

Auf den amtierenden Präsidenten Jonathan und seine Partei Demokratische Volkspartei (PDP) entfielen nach Angaben vom Montag 2'322'734 Stimmen, auf seinen Herausforderer Buhari und seine Partei der Fortschrittlichen (APC) 2'302'978 Stimmen.

Der muslimische Oppositionskandidat und frühere Militärdiktator gewann jedoch fünf der bisher ausgezählten Bundesstaaten, der christliche Präsident nur vier, wie die staatliche Wahlkommission mitteilte.

Es fehlten am Montagabend noch die Endergebnisse aus 29 weiteren Bundesstaaten. Die Bekanntgabe des Endergebnisses schien sich daher auf Dienstag zu verzögern.

Independent National Electoral Commission chairman, Attahiru Jega, left, views election documents at the coalition center in Abuja, Nigeria, Monday, March 30, 2015, as votes are collated for last Saturday's elections, in Abuja. In a cliffhanger of an election, early returns Monday night from half the states showed Nigerian President Goodluck Jonathan and former military dictator Muhammadu Buhari almost even. The U.S. and Britain warned of

Attahiru Jega (links) von der Wahlkommission mit Wahldokumenten.  Sunday Alamba/AP/KEYSTONE

Absolute Mehrheit nötig

Um die Präsidentenwahl zu gewinnen, muss ein Kandidat neben einer absoluten Stimmenmehrheit auch mindestens 25 Prozent der Stimmen in zwei Dritteln der 36 Bundesstaaten des Landes gewinnen. Zur Wahl stehen 14 Kandidaten. Sollte keiner die nötige Mehrheit erreichen, wäre in zwei Wochen eine Stichwahl fällig. Am Samstag wurde auch ein neues Parlament gewählt. 

Sollte der 72 Jahre alte frühere Militärdiktator Buhari den 57 Jahre alten Jonathan ablösen, wäre es der erste Wahlsieg der Opposition seit der Rückkehr des westafrikanischen Landes zur Demokratie 1999. Rund 70 Millionen Wahlberechtigte waren in Afrikas bevölkerungsreichstem Land am Samstag an die Urnen gerufen.

Unruhen befürchtet

Die Abstimmung verlief nach Ansicht verschiedener Beobachter im Grossen und Ganzen ordnungsgemäss. Eine Gruppe von Wahlbeobachtern warnte jedoch vor Manipulationen bei der Auszählung der Stimmen. Es gebe aus mehreren Bundesstaaten besorgniserregende Berichte über Manipulationen und den Einsatz von Sicherheitskräften zur Beeinflussung von Auszählungen, sagte die Gruppe am Montag.

Aufgrund von Spannungen verhängten die Behörden des südlichen Bundesstaates Rivers eine nächtliche Ausgangssperre. Die Ausgangssperre gelte von 19 Uhr bis 6 Uhr (20 Uhr bis 8 Uhr MESZ), sagte ein Sprecher der Regionalregierung, Ibim Semenitari, am Montagabend.

Die Massnahme solle verhindern, dass angesichts der angespannten Situation «Recht und Ordnung zusammenbrechen». Die Polizei hatte zuvor Tränengas gegen Demonstranten eingesetzt, die gegen angebliche Wahlmanipulationen protestiert hatten. 

Der Bundesstaat Rivers, in dem das ölreiche Nigerdelta liegt, ist politisch hart umkämpft. Die Oppositionspartei APC wirft der Regierungspartei PDP Wahlfälschung vor.

Bei gewaltsamen Zusammenstössen nach der letzten Präsidentschaftswahl im Jahr 2011 waren rund 1000 Menschen getötet worden.

Kampf gegen Boko Haram

Der Amtsinhaber und seine PDP hatten die Wähler mit der Aussicht auf Kontinuität umworben; Buhari und sein Oppositionsbündnis APC versprachen die Bekämpfung der grassierenden Korruption und einen Sieg über den islamistischen Terrorismus der Boko Haram. 

Seit 2009 haben die sunnitischen Extremisten im Nordosten Nigerias mindestens 14'000 Menschen getötet, allein seit Jahresbeginn nach UNO-Angaben 1000 Zivilisten.

Nigeria ist Afrikas Land der Superlative. Der westafrikanische Staat ist mit fast 180 Millionen Einwohnern das mit weitem Abstand bevölkerungsreichste Land. Nigeria ist der grösste Ölexporter des Kontinents und auch die grösste Volkswirtschaft. Die Mehrheit der Nigerianer lebt jedoch immer noch in grosser Armut. (feb/sda/dpa/afp)

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