Plötzlich war sie still – Markus Lanz führt AfD-Politikerin im TV vor
Gegen Ende der 90-minütigen Sendung schnappte Markus Lanz' Falle zu. Er zeigte auf, wie AfD-Politikerin von Storch eine Falschmeldung aufgeschnappt und weiterverbreitet hatte. Demnach habe Schleswig-Holsteins Regierungschef Daniel Günther ein Verbot des rechtspopulistischen Mediums «Nius» gefordert. Diese Meldung hatte von Storch offenbar aus einem – wie sich später herausstellte – bewusst missverständlichen Zusammenschnitt ebendieser Plattform.
Daniel Günther war rund eine Woche zuvor in Lanz' Sendung zu Gast gewesen. Von Storch unterstellte ihm in der Sendungsausgabe vom Mittwoch, Zensur zu betreiben.
Die Politikerin gibt dabei vor, sich nicht zu erinnern, wo sie das Video gesehen hat. (Ausser: «Auf einem Handygerät.») Unbeirrt unterstellt sie Daniel Günther in dessen Abwesenheit, dass er ein Verbot von «Nius» fordere. Lanz unterbricht sie schliesslich: «Nein, das ist alles falsch. Das ist Fake News.» Und: «Sie setzen sich jetzt hier rein und verbreiten weiter eine falsche Nachricht.»
Der Moderator scheint auf genau diesen Fall vorbereitet und fragt von Storch angriffslustig: «Wollen Sie den echten Original-Ausschnitt sehen? Und was daraus gemacht wurde?» Nach einem längeren Ringen um Worte versucht die Politikerin schliesslich, mit einem Vorwurf über begrenzte Redezeit vom Thema abzulenken – macht dann allerdings den «Fehler», zu sagen: «Ich gucke mir den Ausschnitt gerne einmal an.»
Zwar scheint es offensichtlich, dass sie das lieber an einem anderen Zeitpunkt tun würde. Doch von Storchs Talk-Nachbarin, Journalistin Ulrike Herrmann, eilt Lanz zu Hilfe und meint: Jetzt habe sie gesagt, sie würde ihn gerne sehen, dann könnten sie sich den Ausschnitt ja anschauen.
Den Ausschnitt gibt's hier, ab etwa 1 Stunde und 3 Minuten:
Lanz lässt sich nicht zweimal bitten und zeigt zwei Einspieler. Im ersten wird die ungeschnittene Originalaussage von Daniel Günther gezeigt. In der Sequenz spricht dieser sich dafür aus, den Zugang zu Social-Media-Plattformen für Kinder einzuschränken oder gar zu verbieten. Der zweite Einspieler zeigt den Zusammenschnitt von «Nius». Dort klingt es klar, als fordere Günther ein Verbot von Medien wie «Nius», über die ein paar Minuten zuvor gesprochen wurde.
Zwar räumt von Storch ein, dass der Clip von «Nius» missverständlich gewesen sei. Trotzdem kritisierte sie dann weiter Günthers angebliche Haltung gegenüber «alternativen Medien».
Newsportal von Ex-«Bild»-Chef
«Nius» ist seit 2022 online und gilt als rechtskonservative und rechtspopulistische Plattform. Julian Reichelt, der ehemalige Chef der Boulevardzeitung «Bild» hat sie gegründet. 2021 verlor er seinen Posten als Geschäftsführer der Bild-Gruppe wegen «Fehlern in der Amts- und Personalführung». Zuvor war intern wegen Machtmissbrauchs und Ausnutzung von Abhängigkeitsverhältnissen gegenüber jungen Mitarbeiterinnen gegen Reichelt ermittelt worden.
Frank Gotthardt, ein deutscher IT-Unternehmer und Millionär, ist Hauptinvestor der Plattform. Er ist auch der Hauptinvestor des österreichischen Gegenstücks von «Nius», der rechtspopulistischen Plattform «exxpress». (hde/lak)
