SMS vor dem WEF: 5000 Soldaten erhalten falschen Einsatzbefehl
Sie erhielten einen eigenartigen «Einsatzbefehl*MOB» per SMS auf ihr Handy. Der angebliche Mobilisierungsbefehl war mit einem Link verknüpft, auf dem weitere Informationen zu sehen sein sollten. Er ging auf die Handys aller knapp 5000 Armeeangehörigen, die demnächst einen Einsatz leisten für das Jahrestreffen des World Economic Forum (WEF) in Davos.
Wer den Link anklickte, wurde auf eine Webseite geleitet, auf der erklärt wurde, dass er damit falsch reagiert habe und soeben Opfer einer – glücklicherweise nur suggerierten – Phishing-Attacke geworden sei. Mit Phishing versuchen Kriminelle, persönliche Daten wie Passwörter, Kreditkartennummern und Bankdaten zu ergattern.
Es ist das Kommando Cyber der Schweizer Armee, das derzeit eine gross angelegte Sensibilisierungskampagne in Sachen Phishing bei den Armeeangehörigen durchführt, die vom 13. bis maximal 29. Januar Konferenzschutz leisten in Davos. Das Gros der Truppen rückte am Montag ein.
«Das ist kein echter Angriff, sondern eine Übung», bestätigt Lorena Castelberg, Sprecherin des Kommando Cyber. Wieviele Armeeangehörige den Link aktiviert haben, weiss das Kommando bisher nicht. «Wir haben noch keine Auswertung», sagt Castelberg. «Der Phishing-Test läuft noch bis zum Start des WEF.» Das Kommando Cyber führe jedes Jahr solche Tests durch.
«Wir stellen fest, dass die Sensibilisierung der Armeeangehörigen bereits hoch ist, was Cybergefahren anbelangt», sagt Castelberg. «Trotzdem sind regelmässige Ausbildungen notwendig, weil sich die Angriffsformen permanent weiterentwickeln – etwa über KI.»
Das DIM-Wallet und der Dienstmanager
Für die Soldatinnen und Soldaten ist das Phishing nicht ganz einfach zu durchschauen. Eine Mobilisierung und Alarmierung im Ernstfall findet tatsächlich per SMS statt. Marschbefehle hingegen werden nicht über SMS versandt. Auch der Marschbefehl ist inzwischen digitalisiert worden: über die App «DIM-Wallet». Sie steht den Armeeangehörigen seit Anfang Oktober 2024 zur Verfügung. Auf ihr sind unter anderem Marschbefehle und Urlaubspässe via Handy verfügbar.
Ein ausgeklügeltes Registrierungsprozedere soll verhindern, dass sich Unbefugte auf dem DIM-Wallet anmelden. Das Wallet lässt sich mit dem digitalen Dienstmanager der Armee verbinden. Damit erhalten die Armeeangehörigen einen schnellen Zugriff auf wichtige Informationen bei militärischen Kontrollen oder beim Einrücken. Mit der App können sie sich bei Kontrollen direkt ausweisen – ohne Internetverbindung.
@armee.ch Tschüss Papierkram! Registriere dich auf www.armee.ch und lade die Applikation «DIM-Wallet» herunter. Damit kannst du den nächsten Marschbefehl digital als QR-Code auf dein Smartphone laden. Einfach und sicher. Denn beim Einrücken kann die Wache den QR-Code mit ihren Smartphones kontrollieren. Simsalabim – schon bist du dabei. # Adieu la paperasse ! Inscris-toi sur www.armee.ch et télécharge l’application « DIM-Wallet ». Elle te permettra d’enregistrer ton prochain ordre de marche sur ton smartphone sous la forme d’un code QR. Une solution simple et sûre. Lors de ton entrée en service, il te suffira de le présenter à la garde qui pourra le scanner. Et voilà, le tour est joué. # Addio alle scartoffie! Registrati su www.armee.ch e scarica l’applicazione DIM Wallet. L’applicazione ti consentirà di salvare sul tuo smartphone il tuo prossimo ordine di marcia in formato digitale, come codice QR. Semplice e sicuro. All’entrata in servizio la guardia potrà verificare il codice QR con il suo smartphone. Sim Sala Bim e puoi entrare! @gebsbat6 #schweizerarmee #armeesuisse #esercitosvizzero #dimilar ♬ Originalton - Schweizer Armee
In Davos schützen die Armeeangehörigen unter anderem wichtige Infrastruktureinrichtungen. Zudem werden sie in anderen Landesteilen in der Logistik und Führungsunterstützung eingesetzt. Und sie sind befugt, polizeiliche Zwangsmassnahmen zur Erfüllung ihrer Aufträge anzuwenden. Dafür werden sie in diesen Tagen vorbereitet und zertifiziert.
Der Assistenzdienst der Armee erfolgt nach dem Subsidiaritätsprinzip. Das heisst, die Einsatzverantwortung liegt bei den zivilen Behörden des Kantons Graubünden. (aargauerzeitung.ch)
