Oscars 2015
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
NEW YORK, NY - FEBRUARY 12:  (L-R) New York Times Columnist David Carr, Filmmaker Laura Poitras and Journalist Glenn Greenwald attends the TimesTalks at The New School on February 12, 2015 in New York City.  (Photo by Mark Sagliocco/Getty Images)

Carr, Poitras, Greenwald (v.l.), am Donnerstagabend in New York. Bild: Getty Images North America

Tod eines Journalisten und Ex-Junkies

Herr Carr verabschiedet sich von Edward Snowden und stirbt: Dies ist die traurigste Geschichte, die es vor den Oscars zu erzählen gibt



In den 80er-Jahren war David Carr ein Junkie und Drogendealer. Dann wurde er Journalist. Das rettet ihm das Leben. Am Donnerstagabend brach er mitten im Newsroom seiner Zeitung, der «New York Times» zusammen und starb. Nachdem er eben noch ein Podium an der New School zum oscarnominitierten Film «Citizenfour» moderiert hatte, der atemberaubenden Dokumentation über Edward Snowdens Enthüllungen.

Und deshalb ist die Geschichte von David Carrs Tod die traurigste, die es jetzt, vor den Oscars zu erzählen gibt. Denn selbstverständlich gehörte das Podium zu den Oscar-bezogenen Werbemassnahmen. Auf dem Podium befanden sich die beiden Macher des Films, der Journalist Glenn Greenwald und die Regisseurin Laura Poitras. Snowden selbst wurde aus Moskau zugeschaltet.

Greenwald erschien in Anzug mit Krawatte, David Carr, der wichtigste Medienkritiker Amerikas, in einem alten T-Shirt und einer Strickjacke. «Ich habe ihren Film gesehen. Dann hab ich das Licht ausgemacht. Dann hab ich es wieder angemacht. Es ist etwas an ihrem Film, das mich nicht einschlafen lässt», begrüsste er Poitras. An ihrer Stelle, sagte er, wäre er «scared shitless». 

Carrs älteste Tochter war da, nach der Veranstaltung redete sie mit Greenwald, er erzählte ihr, dass ihr Vater irrsinnig stolz auf sie sei und ihr grösster Fan. «Und ich seiner», antwortete sie. 

David Carr war zu diesem Zeitpunkt am Donnerstag, den 12. Februar, 58 Jahre alt und seit einem Vierteljahrhundert Journalist. Der klassische gute Text war für ihn das Wichtigste, aber er liebte auch die Social Media – auf Twitter folgte ihm eine halbe Million – und nannte das Internet sein «AKTOCA»: All Known Thought One Click Away. Jeder bekannte Gedanken bloss einen Click entfernt. All das würde Journalismus zu einer «unendlich tiefgründigeren, reicheren Beschäftigung machen, als er es je zu sein pflegte.

Carr beendete die einstündige Diskussion kurz vor 20 Uhr mit den Worten «See you, Ed! Goodbye!» Dann fuhr er erlöst und glücklich nach Manhattan in die Redaktion zurück. Um 21 Uhr brach er im Newsroom der «New York Times» zusammen. Er wurde ins Roosevelt Hospital gebracht, wo nur noch sein Tod festgestellt werden konnte. 

Er hinterlässt sein Buch «The Night of the Gun» über seine Drogensucht, seine Frau und seine drei Töchter. 

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Undercover-Journalist infiltriert Netzwerk von Schweizer Corona-Verschwörern

Ein junger Westschweizer Journalist verbrachte zwei Monate «undercover» bei einer Gruppierung, die gegen das Maskentragen und die SwissCovid-App kämpft. Seine Enthüllungen werfen unbequeme Fragen auf.

Dieser Beitrag dreht sich um die Enthüllungen eines jungen Westschweizer Journalisten, der eine Gruppe von Corona-Leugnern und Verschwörungstheoretikern in der Romandie «infiltriert» hat. Dies im Auftrag des Westschweizer Online-Mediums Heidi.news, das nun in einer Serie über die Akteure und ihre beunruhigenden Ansichten berichtet.

Die Pandemie war geplant. Das Virus existiert nicht. Alles eine riesige Verschwörung, in Kombination mit 5G und obligatorischen Impfungen, um die Bevölkerung zu …

Artikel lesen
Link zum Artikel