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Nach schwerer Krankheit

Schriftsteller Urs Widmer ist tot



Der mit seinem Buch

Bild: KEYSTONE

«Ich bin zuweilen damit beschäftigt, mir in meinem Kopf drin etwas Schönes vorzustellen, Bäume oder Ozeane oder Luft oder Liebe, weil es da, wo ich wohne, irgendwie nicht immer schön genug ist, zu wenig Bäume und Ozeane und Luft und Liebe.»

Urs Widmer, 1977

Der Schweizer Autor Urs Widmer ist am Mittwoch nach schwerer Krankheit in Zürich verstorben. Wie der Diogenes-Verlag mitteilt, wurde der Schriftsteller, Dramatiker und Hörspielautor 75 Jahre alt. Widmers äusseres Markenzeichen war der wirre Haarschopf, zu seinen literarischen gehörte die Mischung aus Tragik und Komik, sowie die Ironie und den Hang zum Surrealen.

Urs Widmer gehört zu den bekanntesten Gegenwartsautoren im deutschsprachigen Raum. Seine Schriftstellerkarriere begann mit der Erzählung «Alois» 1968, der Durchbruch beim Publikum gelang ihm mit «Der Geliebte der Mutter» im Jahr 2000. Zusammen mit «Das Buch des Vaters» (2004) und «Ein Leben als Zwerg» (2006) bildet das Werk eine autobiografisch gefärbte Trilogie. Darin verknüpfte Widmer individuelle Schicksale mit der Geschichte des 20. Jahrhunderts.

Quelle: YouTube/Beat D. Hebeisen

«Wechsel der Töne»

Für sein Werk mit um die 80 Prosastücken, Dramen, Hörspielen und Essays erhielt Widmer 2007 den Friedrich-Hölderlin-Preis der Stadt Bad Homburg. Seinen Stil zeichne «der Wechsel der Töne aus: Ironie und Satire stehen neben surrealer und realistischer Präzision», urteilte die Jury damals.

Einen Riesenerfolg als Dramatiker erlebte er 1997 mit «Top Dogs», einem Theaterstück über den Absturz von Spitzenmanagern. Der Autor nannte das Stück, das allein in den ersten beiden Jahren weltweit über 50 Mal aufgeführt wurde, seine «Milchkuh». Zu seinem 75. Geburtstag im Mai 2013 erschienen seine «Gesammelten Erzählungen».

Der Diogenes-Verlag nennt Widmer einen «der vielseitigsten und erfolgreichsten Schweizer Schriftsteller der Generation nach Friedrich Dürrenmatt und Max Frisch». Der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki bezeichnete ihn 1992 als «Weltliteraten».

«Es genügt nicht, wenn Literatur nur den Ist-Zustand schildert. Sie muss auch utopische Qualitäten haben. Man muss daran erinnern, dass die Welt einmal schön war.»

Urs Widmer

Das letzte Werk: Seine Autobiografie

Im vergangenen Herbst legte er mit «Reise an den Rand des Universums» eine eigentliche Autobiographie vor, zu der er aber sagte: «Kein Schriftsteller, der bei Trost ist, schreibt eine Autobiographie. Denn eine Autobiographie ist das letzte Buch.» Für das Werk erhielt Widmer den Schweizer Literaturpreis 2014. Und es sollte das letzte Buch werden.

Die Reise beginnt im Jahr 1938, wo Widmer in Basel das Licht der Welt erblickte, und endet 1968 mit der symbolischen Geburt des Schriftstellers. Für das Werk wurde Widmer im Januar mit dem Schweizer Literaturpreis ausgezeichnet.

Öffentliche Trauerfeier geplant

Geboren wurde Urs Widmer am 21. Mai 1938 in Basel als Sohn des Übersetzers, Literaturkritikers und Gymnasiallehrers Walter Widmer. Im Elternhaus herrschte eine intellektuell inspirierende Atmosphäre, Leute wie Heinrich Böll gingen ein und aus.

Nach dem Studium der Germanistik und Romanistik in Basel, Montpellier und Paris arbeitete Widmer zunächst als Lektor beim Walter Verlag, Olten, und im Suhrkamp Verlag, Frankfurt, bevor er sich der Schriftstellerei widmete. Mit Kollegen gründete er den heute noch bestehenden genossenschaftlichen Verlag der Autoren.

Die Beerdigung finde im engsten Fmilienkreis statt, teilt der Verlag Diogenes mit. In Zürich sei eine öffentliche Trauerfeier geplant. Wann diese stattfindet, ist noch nicht bekannt. (rey/sda)

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