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Auf die Plätze, Blatter, los! Bild: Keystone (Bearbeitung watson)

Zwei watson-Redakteure im «Herzblatter»-Duell: Wer kommt mit FIFA-Sepp-Sprüchen als erster zum Tinder-Date?



Sepp Blatter hat den Hut genommen. In den Tagen vor seinem Rücktritt stand der Oberwalliser im grellen Scheinwerferlicht – und hat bei seinen öffentlichen Auftritten Charme, Tiefgang und Nachdenklichkeit gezeigt.

Da diese Eigenschaften gut bei Frauen ankommen, haben wir uns etwas überlegt: Eine Tinder-Challenge. Die Regeln sind simpel: Wir flirten ausschliesslich mit Aussagen, die Sepp öffentlich getätigt hat – wer als erstes von einer Frau zu einem Treffen angefragt wird, gewinnt.

Runde 1

Roman: Los Geht's! Als Opener entscheide ich mich für die herzerwärmende Begrüssung, mit der Sepp Blatter am FIFA-Kongress nach seiner Wiederwahl seinen Nicht-Rücktritt angekündigt hat.

Leider spricht meine Chat-Partnerin kein Deutsch. Kein Problem. Der Sepp ist international. Ich switche auf Englisch, und es ergibt sich ein nettes Gespräch, bei dem ich mich an Aussagen halte, die Blatter im Rahmen des Kongresses getätigt hat. 

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Als ich jedoch auf die spirituelle Schiene drifte, versandet die Konversation. Auf mein Gottesbekenntnis gibt es keine Antwort.

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William: Klar, mein Kollege hat sich für den schmachtendsten Sepp-Einzeiler überhaupt entschieden. Aber der alte Schwerenöter Sepp hat noch mehr auf Lager. Als passionierter Schlager-Liebhaber beginne ich das Gespräch mit einer Songzeile der Nilsen Brothers. Sepp hat es gesäuselt, während er im Hallenstadion hinter den Kulissen auf das Resultat der FIFA-Präsidentschaftswahl wartet. Warum ich das weiss? Dank der «Schweizer Illustrierten».

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Sie beisst an. Klar, bei den Nilsen-Brothers werden alle schwach. Dann will mein potentielles Date jedoch wissen, ob ich selbst für dieses Ouevre verantwortlich zeichne. Ich gerate in Erklärungsnot. Aber Sepp hat den passenden Konter parat. «Der Neid deiner Mitmenschen ist Gradmesser deines Erfolgs.» Zweifel an der eigenen Stärke? Gibt's bei Sepp nicht. Gesagt? Irgendwo, irgendwann, behauptet zumindest das Internet. Puh. 

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Eine Antwort bleibt dann aber aus. Ich fühle mich etwas ungeliebt. So wie Sepp, als er nicht mit 100 Prozent aller Stimmen der ganzen Weltbevölkerung zum FIFA-Präsident gewählt wurde.

Runde 2

Roman: Die Nilsen-Brothers?! Da greift mein Widersacher aber direkt ganz tief in die Süssholz-Kiste. Das will ich auch. Den Spruch zu klauen ist zwar nicht die feine Art, aber hey, die Seppismen stehen uns schliesslich beiden zur Verfügung.

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Autsch, das hat gesessen! Bei ihr zieht die Nummer ganz und gar nicht. Und jetzt? What would Blatter do? Ich entscheide mich dazu, Stärke zu demonstrieren, wie Sepp in einem Interview mit der «SonntagsZeitung».

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Soso, meine Anmache war dir nicht gut genug? Ich bin beleidigt. Und bediene mich bei Sepp Blatters Aussagen nach den skandalösen FIFA-Verhaftung im «SonntagsBlick» und an einer Medienkonferenz.

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Hm. Bin ich jetzt zu weit gegangen? Ich habe mich in einen blatterschen Rachewahn gesteigert. Dabei war sie gar nicht so bös. Aber für Einsicht ist es jetzt zu spät, dieser Zug ist abgefahren.

William: Na gut, wenn mein Kontrahent kopiert, kopiere ich auch. Sepp würde das gutheissen, da bin ich überzeugt.

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Oh, nun ja. Das kommt jetzt etwas überraschend. Nichts gegen Anderssexuelle, aber ich bin auf der Suche nach einer klassischen Hetero-Beziehung. Also lasse ich wieder Blatter sprechen. Bei seiner Dankesrede forderte der grosse Feminist Sepp mehr Frauen im FIFA-Exekutivkomitee. Weil. Nun ja. Ich weiss es auch nicht. Ich zweckentfremde Sepps feministische Parole ein wenig. Und tatsächlich. Mein Geblattere erzielt die gewünschte Wirkung. Ich höre nichts mehr. 

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Runde 3

Roman: Okay, was bringen wir jetzt ...

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Huch, ich werde angeschrieben. Wie schön. Eine gute Gelegenheit, die blattersche Savoir-Vivre-Attitüde auszupacken. Das Gläschen hat Sepp am Tag seiner Wiederwahl getrunken, wie er der «Schweizer Illustrierten» verrät. Aber die Frau lebt abstinent. Das ist ein Problem.

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Ich versuche, mein potentielles Date auf die rechten Bahnen zu lenken – mit einem Zitat vom FIFA-Kongress 2014 in Brasilien und einem Spruch von der Medienkonferenz nach der Wiederwahl. Doch da ist nichts zu rütteln. Schade.

William: Tja, Moralapostel haben's schwer auf Tinder. Ist ja auch irgendwie verständlich. Schliesslich geht's nicht in erster Linie drum, Gschpänli fürs gemeinsame Kirchenchorsingen zu finden, sondern ... Nun ja, irgendwie mehr um physische Belange. 

Aber auch im Netz ist Höflichkeit oberstes Gebot. Und Ehrlichkeit. Vor allem Ehrlichkeit. Weil irgendwann kommt sowieso alles raus. Ich weiss das. Sepp Blatter weiss das und hat's deshalb auch dem «Blick» geflüstert. Ich lege also meine Karten auf den Tisch. Mit Sepps Worten. 

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Meine Chat-Partnerin zweifelt. Materielles scheint ihr nicht ganz unwichtig zu sein. Ok, da lässt sich was machen. Sepp Blatter hat nach seiner Wiederwahl am FIFA-Kongress angekündigt, den Korruptionsvorwürfen nachzugehen. Ich nutze Sepps Zitat, um meiner zukünftigen Partnerin zu versichern, dass uns ein Leben in Saus und Braus bevorsteht. Wir müssen dafür nur ein wenig in die Hände spucken.

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Sacré Bleu! Muss ich denn alles alleine machen? Nein, muss ich nicht. Und vor allem: Kann ich nicht. Der watson-Lohn reicht für sich alleine genommen leider nicht für den Ferrari und die Yacht.

Nun gut, man muss seine Unzulänglichkeiten auch eingestehen können. So wie Sepp, als er bei seiner Rücktrittsrede sagte, er sei auf die Hilfe seiner FIFA-Kumpanen angewiesen, um den Stall auszumisten. 

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Seither herrscht Funkstille. Teamwork? Gemeinsame Lebensentwürfe? Nicht auf Tinder. Nicht mit dem blatterschen Wortschatz.

Runde 4

Roman: Okay, ich habe jetzt schon einige Erfahrung gesammelt und bin zuversichtlich, dass ich das Ding jetzt schaukle. Ich suche mir ein englischsprachiges Opfer aus, damit ich bei den Originalaussagen von Sepps kürzlichen Medienkonferenzen bleiben kann. Was soll da noch schiefgehen?

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Läuft bei mir. Sepps Spruch von seiner Rede am Kongress trifft ins Schwarze. Okay, sie ist ein bisschen verwirrt, aber das wird schon.

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Schon wieder eine Beleidigung! Das kann ich mir mit meinem starken Rücken nicht gefallen lassen.

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Uh oh... «Sorry, such dir jemand anderen, ich habe genug Freaks in meinem Leben.» Das hört sich nicht gut an. Ich versuche noch, meinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen, wie es Sepp Blatter am diesjährigen FIFA-Kongress probiert hat, mit ebendiesen Worten – aber vergeblich. Was so vielversprechend begann, endet im Desaster: Sie blockt mich!

William: Roman Blatter, äh, Rey hat's verspielt. Er ging zu forsch vor, auch wenn er's nur gut meinte. Das soll mir eine Lehre sein. Ich muss mich behutsam herantasten. Ja nicht zu dick auftragen ...

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Ups, das ging daneben! Da ist mein innerer Sepp wieder einmal mit mir durchgegangen! Dass dieser Einstieg etwas zu grosskotzig war, blieb auch meinem Tinder-Date nicht verborgen. 

Egal, da sind noch viele von Joseph geeichte Pfeile in Amors Köcher. Ich muss nur meine Virilität und Unberührbarkeit unter Beweis stellen. Und gleichzeitig auf alte Traumata verweisen, die aber längst unter einer dicken Lederhaut ihr verdrängstes Dasein fristen. Gut, gibt's da so ein entsprechendes Zitat von Sepp. 

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Aber nichts da, sie leitet sogleich den Gegenstoss ein. Ich muss härtere Geschütze auffahren. Denn: Was einem nicht umbringt, macht einen stärker. Hat meine Mutter immer gesagt. Und Sepp Blatter. Erstaunliche Parallelen tun sich da auf.

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Sepps männliche Grossmachts- und Unsterblichkeitsfantasien scheinen sie unbeeindruckt zu lassen. Sie ist sogar gegen Gewalt! Himmel! Jetzt muss ich die berühmte blattersche Ausweichtaktik-Formel bemühen. 

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Gütiger Gott! Sie zitiert Kants kategorischen Imperativ! Das ist der Todesstoss, davon erhole ich mich nicht mehr. Nicht, wenn Sepps letzte Waffe einem kläglichen Glückskeks-Spruch gleicht ....

Runde 5

Roman: Uff, das war knapp. Kollege Stern hat es zwar wieder vergeigt, aber er hat es doch geschafft, seine Chatpartnerin in eine Diskussion zu verwickeln und ihr Interesse aufrecht zu erhalten. Ich muss alle Register ziehen. Ich beginne wieder mit der Klassischen «Dankbarkeits-und-Komplimente-Eröffnung». 

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Das läuft ja wie geschmiert. Auch die charmanten blatterschen Protz-Sprüche finden Anklang. Und sie hat Humor! Ich bleibe dran.

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I'm on a roll. Und jetzt All In – mit einem geschickt platzierten Spruch aus der Rede nach der Wiederwahl.

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Wohoo! Sie liebt mich! Sie will mich! Sie will ... Sepp Blatter. Ähm. 

Jetzt bin ich verwirrt. Wäre ich ohne Sepp überhaupt so weit gekommen? Und was bedeutet das? Wenn wir uns tatsächlich treffen würden, könnte ich jemals mich selbst sein? Nein. Ich müsste sogar an der Hochzeit einen Spickzettel mit Blatter-Weisheiten mit mir herumtragen. Das geht nicht. Das kann ich nicht. Ich werde die Erwartungen nie erfüllen können. 

Und dennoch, William: Siiiieg! Du schuldest mir ein Glas Roten!

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William: Hut ab, Kollege Rey! Ein Sportsfreund wie ich weiss, wann man seine Niederlage eingestehen muss. Du hast dir den Sieg verdient, auch wenn du deine Trophäe nicht entgegennehmen willst. Grösse zeigen, auch in der Niederlage und mit einem tropfenden Rücken. Das ist das wichtigste. Oder, um es mit den Worten von Sepp Blatter bei seiner Rücktrittsrede zu sagen:

«Wichtiger als alles andere ist mir, dass, wenn all dies vorüber ist, der Fussball die Liebe als Sieger hervorgeht.»

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