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#OscarsSoWhite: Hollwoodstars sehen rot



Die Oscars sind zu weiss – und damit ein rotes Tuch, nicht nur für schwarze Stars. Wieder sind alle Kandidaten in den Schauspielkategorien Weisse, Afroamerikaner haben in Hollywood das Nachsehen. Die Kritik wächst.

«Black is beautiful» war der Tenor der 74. Oscar-Verleihung mit einem dreifachen Triumph schwarzer Stars: Als erste Afroamerikanerin überhaupt gewann damals Halle Berry («Monster's Ball») den Oscar als beste Hauptdarstellerin. Denzel Washington wurde als bester männlicher Schauspieler gefeiert, Alt-Star Sidney Poitier für sein Lebenswerk mit einem Ehren-Oscar ausgezeichnet.

Actor Denzel Washington and actress Halle Berry appear backstage with their Oscar statues at the 74th annual Academy Awards in Hollywood
in this March 24, 2002, file photo.  The debate about Hollywood diversity among the African American community has continued to ebb and flow, but one fact remains constant: nearly all black actors are still only being recognized by the Academy Awards for playing specifically black characters in film.  REUTERS/Andy Clark/Files   (UNITED STATES)

Denzel Washington und Halle Berry 2002.
Bild: ANDY CLARK/REUTERS

Doch das ist 14 Jahre her. Bei der diesjährigen Oscar-Verleihung Ende Februar wird sich kein schwarzer Darsteller einen Preis abholen. Denn zum zweiten Mal in Folge wurden 20 weisse und überhaupt keine afroamerikanischen Schauspieler nominiert.

Halle Berry, die sich damals unter Tränen bedankte, glaubte noch: «Die heutige Nacht hat eine Tür aufgestossen.» Doch davon ist nicht viel geblieben, die Filmakademie ist mehr denn je unter Beschuss. Unter dem Twitter-Hashtag #OscarsSoWhite wächst die Entrüstung. Schwarze und weisse Stars – wie George Clooney, Michael Moore, Spike Lee und Lupita Nyong'o – melden sich zu Wort.

Die «New York Post» übt sich ob des anstehenden Schneesturms in den USA in Ironie.

Film-Familie Smith boykottiert geschlossen

Regisseur und Darsteller Spike Lee bekräftigte in einem Interview mit dem Sender ABC, dass er und seine Frau nicht zur Oscar-Show gehen würden. Im vorigen November hatte er von der Filmakademie einen Ehren-Oscar erhalten – und sich bei der Gala heftig über eine Unterrepräsentanz von Schwarzen in Hollywood beklagt. «Es ist einfacher, als Schwarzer Präsident der USA als Präsident eines Studios zu werden.»

Auch Jada Pinkett Smith will aus Protest fernbleiben und die Show auch nicht im Fernsehen anschauen. «Um Anerkennung zu betteln oder auch nur darum zu bitten, mindert Würde und Macht», sagte die Schauspielerin und Ehefrau von Will Smith in einem Facebook-Video. Smith gab seiner Frau Rückendeckung – auch er werde die Show boykottieren, sagte er dem US-Sender ABC.

«Wir gehören dieser Community an, aber zu diesem Zeitpunkt fühlen wir uns nicht wohl damit, dort zu stehen und zu sagen, dass dies in Ordnung ist.» Smith war für seine Rolle in dem Drama «Concussion» als Oscar-Kandidat gehandelt und dann übergangen worden. Er mache sich Sorgen über eine «rückläufige Bewegung zu Separatismus und zu rassistischer und religiöser Disharmonie», sagte Smith.

Weisse Rückendeckung

Der Ausschluss schwarzer Schauspieler sei «einfach verrückt», wetterte der Oscar-Preisträger Michael Moore («Bowling for Colombine»). Er wolle die Show boykottieren, sich als «stolzes» Academy-Mitglied aber weiter für eine Stärkung der Vielfalt einsetzen.

Oscar-Preisträger George Clooney klagte gegenüber der Filmzeitschrift Variety ebenfalls über die gegenwärtige Praxis. Auch Latinos und Frauen seien davon betroffen. Vor zehn Jahren habe es mehr Nominierungen für Schwarze gegeben, etwa für Don Cheadle und Morgan Freeman. «Wir gehen in die falsche Richtung», sagte Clooney.

Die schwarze Oscar-Preisträgerin Lupita Nyong'o («12 Years a Slave») tat ihren Frust auf Instagram kund. «Ich stimme meinen Kollegen zu, die zu einem Wandel aufrufen», schrieb die Kenianerin.

Actor John Krasinski (L) and Academy of Motion Picture Arts and Sciences President Cheryl Boone Isaacs speak during the nominations announcements for the 88th Academy Awards in Beverly Hills, California January 14, 2016. The Oscars will be presented in Hollywood, California February 28, 2016.  REUTERS/Phil McCarten

Cheryl Boone Isaacs bei der Verkündung der Oscar-Nominationen mit dem Schauspieler John Krasinski.
Bild: PHIL MCCARTEN/REUTERS

Fast die ganze Academy ist weiss

Der Oscar-Akademie gehören rund 7000 Mitglieder an – 94 Prozent seien weiss, 77 Prozent männlich, das Durchschnittsalter liege bei 62 Jahren, ermittelte die «Los Angeles Times». Die Vorsitzende Cheryl Boone Isaacs, eine Afroamerikanerin, setzt sich schon länger für eine grössere Vielfalt ein. Natürlich sei sie über die rein weissen Nominierungen «untröstlich und frustriert», sagte Isaacs.

Den Vorwurf des Rassismus will die Akademie aber nicht an sich hängen lassen. Sie habe für eine Reihe von schwarzen Schauspielern gestimmt und bedauere es, dass keiner nominiert wurde, sagte Akademie-Mitglied und Schauspielerin Penelope Ann Miller («The Artist») dem «Hollywood Reporter». «Aber zu unterstellen, dass wir alle Rassisten sind, ist sehr beleidigend.»

(sda/dpa)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Luca Brasi 22.01.2016 14:35
    Highlight Highlight Naja, die Afroamerikaner machen 13% der US-Bevölkerung aus und zudem ist der Oscar ein internationaler Preis, womit auch Engländer, Deutsche, Österreicher, etc. die Chance haben nominiert zu werden. Die Latinos beschweren sich weitaus weniger und die Italoamerikaner könnten auch bei jedem US-Präsidenten jammern, daß es kein Giuliani, etc. wird. In der Schweiz sind Tessiner auch unglücklich, wenn sie keine Preise gewinnen oder keinen Bundesrat stellen, aber machen sie deswegen einen Boykott oder Hashtags?
    • Clank 22.01.2016 19:32
      Highlight Highlight 1. Nein, der Oscar ist ein nationaler Preis der USA.
      2. Die Latinos sind die einzigen, die man mit den Schwarzen vergleichen könnte. Und die stellen genau das schlechte Beispiel einer machtlosen diskriminierten Minderheit aus, weil sie sich eben zu selten beschweren.
      Heute hat die USA eine schwarzen Präsidenten., währenddessen darf sein möglicher Nachfolger Trump jeden rassistischen Unsinn über die Latinos rauslassen und der besitzt immer noch reelle Wahlchancen? Hätte Trump die Schwarzen mal angegriffen, wäre er heute kein Kandidat mehr. Unterdrückung bekämpft man nicht, indem man schweigt.
    • Luca Brasi 22.01.2016 20:43
      Highlight Highlight 1. Ich gebe Ihnen insofern Recht, daß die Zulassungskriterien nationale Produktionen begünstigt, aber es gibt auch einen Oscar für besten nicht-englischsprachigen Film und die US-Staatsbürgerschaft ist kein Kriterium für einen Ausgezeichneten.
      2. Das Schwarze im amerikanischen Alltag noch immer diskriminiert werden, bestreite ich nicht, aber sollen wir so tun als hätten Afroamerikaner noch nie einen Oscar gewonnen? Sie glauben ernsthaft, daß Trump von Schwarzen gewählt wird, weil er bis jetzt nichts über sie gesagt hat? Trump ist bei einem 1/4 der GOP beliebt. Das ist nicht die ganze USA.
    • Clank 22.01.2016 23:45
      Highlight Highlight Was ich mit Trump zeigen wollte, ist viel mehr, wo die Afroamerikaner im Gegensatz zu den Latinos in der USA stehen. Während jede öffentliche Aussage gegen Schwarzen selbst bei den Republikaner absolut tabu ist, kann man Latinos ohne grosse Probleme als "faul" bezeichnen.
      Insofern finde ich eine Verharmlosung von Diskriminierung mit dem Argument "die Latinos beschweren sich weniger" schlecht.
      Die Oscar-Jury zum Beispiel wird sich nächstes Mal bei den guten schwarzen Schauspieler zweimal überlegen, ob seine Leistung nicht auch nominationswürdig wäre, bei den Latinos aber eher weniger.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Ehringer 22.01.2016 12:55
    Highlight Highlight Ja, Hollywood (und Amerika) hat ein Rassismusproblem. Dennoch: mir kommt schlichtweg kein afroamerikanischer Schauspieler in den Sinn, der in den letzten beiden Jahren mit seiner Rolle einen Oscar wirklich verdient hätte. Ich sehe das Problem nicht bei der Academy, sondern beim Hollywoodbusiness selber, da dort noch immer nur selten grosse Rollen an Schwarze vergeben werden.

    Und zum Schluss kann ich es als 9gagger nicht lassen: wenn es ein Aufstand der Schwarzen gibt, dann will ich auch einen Aufstand für Leonardo DiCaprio!
    • Selfshooter 22.01.2016 16:26
      Highlight Highlight @worldofjem
      Können Eigenproduktionen von Netflix für die Oscars nominiert werden?
    • Selfshooter 23.01.2016 12:27
      Highlight Highlight @worldofjem
      Vielen Dank für die Info :)
  • Macke 22.01.2016 12:07
    Highlight Highlight Das Schlagwort heisst hier "homosoziale Kooptation", kurz mit dem Sprichwort "Gleich und gleich gesellt sich gern" zusammengefasst. Je ähnlicher eine Person einem selbst ist, desto qualifizierter wird sie wahrgenommen. Das Prinzip ist aus Bewerbungsverfahren bekannt. Sind mehrheitlich ältere weisse Männer in einem Gremium, werden mehrheitlich ältere weisse Männer nachgezogen. Die Kritik an der Oscarverleihung ist durchaus berechtigt.
  • seventhinkingsteps 22.01.2016 11:53
    Highlight Highlight Bei einer Wahl, in der es um subjektive Meinungen über Kunst geht, ist Diskrimierung halt sehr schwer nachzuweisen. Ich finde es auch bedenklich, dass das Wahlkommittee nur aus alten, weissen Säcken besteht. Ist ja fast wie unser Bundesrat ;). Das Problem ist nur, dass schwarze Mitglieder im Wahlkommittee auch voreingenommen wären und eher für schwarze Schauspieler stimmen werden, auch wenn ein Weisser besser war. Naja, was man glaube ich ohne Zweifel sagen kann, ist, dass da eine Menge Geld im Spiel ist, kommt mir vor wie die Länderlöslete bei der Fifa.
    • peeti 22.01.2016 12:07
      Highlight Highlight Hä? Weil schwarze Mitglieder in einer Jury voreingenommen sein könnten, lassen wir lieber alles beim Status quo und lassen Weisse Weisse wählen??
    • Frausowieso 22.01.2016 12:52
      Highlight Highlight So habe ich den Kommentar nicht verstanden. Eher als Erklärungsversuch, warum hauptsächlich Weisse nominiert werden. Mit dem Hinweis versehen, dass auch Schwarze dazu tendieren würden, eher Schwarze zu nominieren. Das ist nicht gut oder fair, aber eben auch menschlich und ein Stück weit evolutionsbedingt. Das soll nicht als Legitimation, sondern als Erklärungsansatz hier stehen. Ich finde es auch nicht zeitgemäss. Der Mensch sollte weiter sein.
    • seventhinkingsteps 22.01.2016 15:26
      Highlight Highlight Ich habe nicht gesagt, man solle alles beim alten lassen. Nur, was willst du tun? Eine Schwarzenquote einführen im Wahlkommittee? Weisst du was das für ein Aufruhr geben würde, wenn dann ein Schwarzer, der wegen dieser Quote dort drin sitzt einen weissen Schauspieler wählen würde? Die grundsätzliche Frage ist doch: Ist das Wahlkommittee so undurchmischt weil Schwarze dort eh nicht reinkommen oder weil noch kein Schwarzer wollte oder wegen Beidem und noch ein bisschen Money Money? Ich weiss zu wenig über die Academy dass ich das beantworten könnte.
  • Fumo 22.01.2016 10:22
    Highlight Highlight Wie wäre die Sichtweise dass anstatt weisse oder schwarze einfach nur Menschen nominiert wurden?
    Wenn es im letzten Jahr keine "nennenswerte" Rollen gab die, von schwarzen besetzt, einer Nomination würdig waren muss es ja nicht an der Hautfarbe liegen.
    • Asalato 22.01.2016 11:36
      Highlight Highlight Genau. Wie nennt man das schon wieder? Positive Racism? Inverted Racism?...
    • Failai 22.01.2016 18:00
      Highlight Highlight Zu leugnen dass Rassismus in der Filmbranche vorhanden ist, ist unakzeptabel. (Wenn die Hautfarbe keine Rolle spielen würde gäbe bei Rollenverteilungen nicht so genaue Angaben welche Hautfarbe der Charakter haben soll usw). Es geht um Einbeziehug und Repräsentation der ganzen Gesellschaft. Genug Repräsentation von Afro-Amerikanern ist kaum vorhanden, von Native Americans und Asian Americans ganz zu schweigen&Latino-Amerikaner sind zu wenig vertreten
    • Failai 22.01.2016 18:01
      Highlight Highlight Hollywood hat ein Diversitätsproblem. Bitte nenn mir 10 banale Hollywoodfilme/serien in denen eine WoC die Hauptrolle spielt oder wieviele WoCs einen Award für eine Hauptrolle gewonnen haben?? Viola Davis?? Und?? Noch ein paar andere sicher aber ich kann sie 100% an 2 Händen zählen und das ist problematisch!
    Weitere Antworten anzeigen
  • Tiny Rick 22.01.2016 10:19
    Highlight Highlight Halle und Denzel 2020? Habt ihr einen delorean? Wenn ja, darf ich mal mit in die Zukunft fahren/fliegen 😉
  • Hierundjetzt 22.01.2016 10:12
    Highlight Highlight Wow. Wenn wir am ESC so ein (pardon) "gschiss" machen würden. "Ich boykottiere den ESC, da es zuwenig Eurasier hat" sagt niemand bei uns.

    Es geht doch um Leistung und nicht um eine Hautfarbe. Und dann haben wir auch noch die Ureinwohner. Die hat Will Smith glatt vergessen. Was? Hergott als ob das eine Rolle spielt. Nächstes Jahr sind vielleicht alles nur Schwarze und Latinos. Wäre doch auch wunderbar.

    Amerikaner und Ihre Gartenhagprobleme.
    • Clank 22.01.2016 11:23
      Highlight Highlight Naja, dein Vergleich ist ziemlich schlecht. Finde überhaupt kein Zusammenhang zwischen Eurasier im Kontinent Europa und Afroamerikaner in der USA.

      Die Situation würde ich eher so vergleichen. Es ist so als würde, während der SwissMusic Awards kein einziger Welsche nominiert werden und zwar zwei Jahre hintereinander. Die Jury, die die Nominierten auswählt, besteht aus 90% Deutschschweizer. Denkst du etwa die Welschen würden einfach so cool bleiben und die Erklärung akzeptieren "in diesen zwei Jahre hatten wir einfach nicht das Niveau". Die Ureinwohner kannst du mit den Rumantsch vergleichen.
    • Hierundjetzt 22.01.2016 11:45
      Highlight Highlight Ich habe bewusst nicht die Schweiz als Beispiel genommen, weil wir mit 4 Kulturen / Sprachen ein feines Sensorium für Ungerechtigkeiten haben.

      Um bei Ihrem Beispiel zu bleiben: Würden Sie umgekehrt einen Aufstand machen, weil 2 Jahre hintereinander nur Welsche gewonnen haben? Selbstverständlich nicht. Wir begreifen uns als Nation und betonen auch nicht die Unterschiede in der Herkunft sondern die Gemeinsamkeiten in der Geschichte. Zudem wäre (im Fall CH) eine Sperrminorität (es braucht zwingend x "Lateiner") zurecht klar definiert und kein Hahn krähe danach.
    • peeti 22.01.2016 12:05
      Highlight Highlight Nein, wenn alles die Romands gewinnen - kein Problem. Aber wenn die Jury eines nationalen Preises zu 90% Romands wäre, hätte ich schon meine Bedenken. Und das ist wohl der Hauptvorwurf an den Oscars: Weil überall (Studios, Produktion, Jury) mehrheitlich Weisse die hohen Posten innehaben, schaffen es am Schluss sehr selten Minderheiten in die Nomination.

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