Warum wir ein Importverbot für Stopfleber brauchen
Stopfleber (Foie gras) entsteht nicht durch Zufall. Sie entsteht durch einen Prozess, der für die Tiere eine extreme Qual ist. Enten und Gänse werden mehrmals täglich mit einem Metall- oder Plastikrohr zwangsernährt. Die Leber wächst auf das Zehnfache ihrer normalen Grösse an. Die Tiere leiden unter Atemnot, Schmerzen und Stress. Viele können kaum noch stehen.
In der Schweiz wäre diese Art der Produktion gemäss Tierschutzgesetzgebung strafbar. Aber wir importieren die Produkte trotzdem. Dieser Widerspruch ist es, den die globale Tierschutzorganisation VIER PFOTEN nicht länger hinnehmen will. «Foie gras ist ein Produkt aus systematischer Tierquälerei. Die Zwangsfütterung verursacht enormes Leid und hat in einer verantwortungsvollen Gesellschaft keinen Platz», sagt Nicolas Roeschli, Campaigner von VIER PFOTEN Schweiz.
Was politisch gerade passiert – und warum es jetzt zählt
Die eidgenössische Initiative «Ja zum Importverbot für Stopfleber» will die Einfuhr von Stopfleber und Stopfleberprodukten verbieten. Der Nationalrat hat sich zu dieser Initiative bereits beraten und die Initiative zur Ablehnung empfohlen, aber gleichzeitig einen indirekten Gegenvorschlag angenommen. Dieser Gegenvorschlag sieht vor, dass ab 2027, wenn die neue Deklarationspflicht umgesetzt werden muss, die Importmengen von Foie gras, Magret (Brustfilet einer zwangsernährten Ente oder Gans) und Confit (Keule einer zwangsernährten Ente oder Gans) systematisch beobachtet werden. Wenn die Importe nicht sinken, sollen Massnahmen ergriffen werden.
Der Gegenvorschlag sieht derzeit aber kein verpflichtendes Importverbot vor, sondern vorerst Massnahmen wie weitere Kennzeichnungspflichten oder Bedingungen in Bezug auf die Herstellungsverfahren. Gleichzeitig lässt er noch zu viele Unsicherheiten in Bezug auf den Zeitpunkt ihrer Umsetzung zu. Daher bleibt offen, was passiert, wenn durch die Deklarationspflicht die Importe kaum sinken.
Als nächstes wird sich der Ständerrat sowohl zur Initiative als auch zum Gegenvorschlag positionieren.
Was es jetzt braucht: Konsequenz statt Widerspruch
VIER PFOTEN unterstützt die Stopfleber-Initiative vollumfänglich. Ein Importverbot wäre der konsequenteste Schritt: Wenn wir Tierquälerei im Inland verbieten, sollten wir sie nicht über Importe indirekt unterstützen.
Gleichzeitig wäre ein starker Gegenvorschlag ein wichtiger Fortschritt. Dafür braucht es aber:
- klare Kriterien, die nachvollziehbar sind
- verbindliche Massnahmen
- eine starke Umsetzung der Deklarationspflicht
Denn das Ziel ist nicht Symbolpolitik, sondern Tierleid zu reduzieren.
Warum so viele Menschen hinschauen – und warum das gut ist
Es geht nicht um Verzicht. Es geht nicht um Verbote aus Prinzip. Es geht um Mitgefühl.
Viele Restaurants verzichten bereits freiwillig auf Foie gras. Viele Konsumentinnen und Konsumenten auch. Die Gesellschaft ist bereit. Jetzt muss die Politik nachziehen.
Was du tun kannst
- Dich über die Stopfleber-Initiative informieren
- Mit deinem Umfeld über Foie gras und Tierleid sprechen
- Restaurants unterstützen, die auf Foie gras verzichten
- Alternativen wie Faux gras oder Noix gras ausprobieren
Am Ende geht es um Konsequenz: Was als Tierquälerei gilt, verliert diesen Charakter nicht an der Grenze. Organisationen wie VIER PFOTEN tragen wesentlich dazu bei, diesen Widerspruch sichtbar zu machen.
