Schweiz
Migration

Abgabe statt Kontingente: FDP-Vize bringt neue Idee gegen Zuwanderung

Staenderatspraesident Andrea Caroni, FDP-AR, an der Sommersession der Eidgenoessischen Raete, am Montag, 2. Juni 2025 im Staenderat in Bern. (KEYSTONE/Til Buergy)
Cash statt Kontingente: So will FDP-Vize Andrea Caroni gegen die Auswirkungen der Zuwanderung vorgehen.Bild: keystone

«Setzen sich in ein gemachtes Nest»: FDP-Vizepräsident will Zuwanderer zur Kasse bitten

Während die SVP mit ihrer 10-Millionen-Initiative gegen die Zuwanderung vorgehen will, bringt FDP-Vizepräsident und Ständerat Andrea Caroni eine Alternative ins Spiel, um das Bevölkerungswachstum zu bremsen.
17.05.2026, 11:20

Wer in die Schweiz einwandert, soll zahlen: So möchte Andrea Caroni, FDP-Vizepräsident und Ständerat für Appenzell Ausserrhoden, gegen die Auswirkungen der Zuwanderung vorgehen, schreibt die Sonntagszeitung.

Eine solche Zuwanderungsabgabe sei ein «Instrument mit Potenzial», so Caroni:

«Zuwanderer setzen sich in der Schweiz in ein gemachtes Nest. Da kann man von ihnen verlangen, dass sie dafür etwas bezahlen.»

Wer im Stau stehe oder in überfüllten Zügen sitze, würde dann obendrauf noch merken, dass die Zuwanderer eben doch einen «besonderen Beitrag» leisten. Denn gemäss Caroni wäre es sinnvoll, wenn die Einnahmen an die Bevölkerung zurückerstattet würden.

Gebunden an Schutzklausel

Kann die Schweiz einfach so mir nichts, dir nichts Zuwanderer zur Kasse bitten? Zumindest bei EU-Migranten nicht, denn diese darf die Schweiz im Rahmen der bestehenden Verträge mit der EU nicht diskriminieren. Darum möchte Caroni die Abgabe als Teil der sogenannten Schutzklausel in die neuen EU-Verträge miteinbringen.

Die Schweiz darf diese Schutzklausel aktivieren und somit die Migration aus der EU beschränken, wenn aufgrund der Personenfreizügigkeit «schwerwiegende wirtschaftliche oder soziale Probleme» entstehen. Beide Seiten haben in den Verhandlungen über das neue Vertragspaket konkretisiert, welche Inhalte diese Klausel haben soll.

Caroni sieht unter diesen Umständen eine Chance für die Zuwanderungsabgabe: «Diese ist milder, als wenn die Schweiz Kontingente für EU-Bürger einführen würde.» Der Bundesrat bleibt jedoch skeptisch; erst letzte Woche schrieb er in einem Bericht, dass eine Zuwanderungsabgabe mit der Personenfreizügigkeit nicht vereinbar sei.

10 bis 25 Franken pro Tag

Über die Höhe dieser Zuwanderungsabgabe hat sich Caroni noch nicht geäussert – im Gegensatz zu Reiner Eichenberger, Professor für Finanz- und Wirtschaftspolitik an der Uni Freiburg. Dieser hatte die Idee einer solchen Abgabe schon vor einiger Zeit lanciert.

Nach ihm sollten volljährige Immigranten für drei bis fünf Jahre auf die normalen Steuern obendrauf eine Abgabe von 10 bis 25 Franken täglich entrichten, vergleichbar etwa mit einer Kurtaxe. Er geht aber noch weiter und möchte mit dieser Abgabe die Personenfreizügigkeit ganz ersetzen.

Nicht nur Caroni hat seitens der FDP eine solche Zuwanderungsabgabe angeregt. Ex-Präsident Thierry Burkart und Nationalrat Simon Michel haben es ihm gleichgetan. Auch SVP-Nationalrat Thomas Matter spricht von einer prüfenswerten Option. Im Parlament hatte Mitte-Nationalrätin Heide Z'graggen sie als Gegenvorschlag zur SVP-Initiative (erfolglos) eingebracht.

(cpf)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Erklärvideo Nachhaltigkeits–Initiative
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
55 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Die beliebtesten Kommentare
avatar
FrancoL
17.05.2026 11:54registriert November 2015
Meine Güte Caroni was für ein Unsinn;
«Zuwanderer setzen sich in der Schweiz in ein gemachtes Nest. Da kann man von ihnen verlangen, dass sie dafür etwas bezahlen.»
Sie kommen weil die Schweizer Unternehmer sie einstellt und dies häufig wegen den tieferen Löhnen!
Wenn denn schon müssten die Unternehmer etwas bezahlen und dann würde die Unternehmer auch sich überlegen, ob sie wirklich die billigeren AK holen wollen.

Ein kläglicher Versuch Caronis die neue FDP Mentaliutät zum Besten zu geben.
7815
Melden
Zum Kommentar
avatar
Steibocktschingg
17.05.2026 11:56registriert Januar 2018
Ich hätte eine bessere Idee: Die FDPler und SVPler hören auf, Leute aus dem Ausland anzuwerben anstatt die Inländer.

Nur wenn es keine Inländer für einen Job gibt sollten Ausländer angeworben werden. Na, wie klingt der Deal?

Und wenn wir dabei sind: Wie wäre es damit, Reformen nicht mehr zu verhindern, die den öffentlichen Verkehr ausbauen möchten, die mehr Geld für Kinderbetreuung fordern, die Homeoffice fördern, etc. Ach, das kostet und man kann nicht schamlos profitieren? Ja, dann sei doch still
636
Melden
Zum Kommentar
avatar
Amateurschreiber
17.05.2026 11:44registriert August 2018
Soviel ich weiss, zahlen die Zugewanderten unter dem Strich mehr in die Sozialwerke ein, als sie verbrauchen.
Bahnbilette, Verkehrssteuern und Autobahnvignette zahlen sie auch. Obendrein zahlen sie auch hier Steuern.
Ich weiss nicht, wieso man da noch Strafzahlungen einführen muss.
Ausserdem ist es ähnlich, wie bei Trumps Steuern: Im Endeffekt zahlen es die einheimischen Arbeitgeber.
457
Melden
Zum Kommentar
55
Streit um Mehrwertsteuer bei Hotels: Wohin fliessen die 300 Millionen Franken?
Der Sondersatz für die Hotellerie soll verlängert werden. Das dürfte vor allem die grossen, ausländischen Hotelketten freuen.
Eigentlich war die Mehrwertsteuerreduktion für die Hotellerie nur als vorübergehende Massnahme gedacht, als kurzfristige Hilfe für die kränkelnde Schweizer Tourismusbranche. Doch auch hier zeigt sich: Einmal zugesprochene Subventionen bringt man nicht so schnell wieder weg. Der Hotellerie-Sondersatz jedenfalls wurde seit 1996 insgesamt sechsmal verlängert und feiert heuer bereits seinen 30. Geburtstag.
Zur Story