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Vertreter der prorussischen Separatisten übergeben einen Flugschreiber einem malaysischen Experten.
Vertreter der prorussischen Separatisten übergeben einen Flugschreiber einem malaysischen Experten.
Bild: MAXIM ZMEYEV/REUTERS
«Sie werden die Wahrheit enthüllen»

Separatisten übergeben Blackboxes an malaysische Experten

22.07.2014, 04:50
Ein Video der Übergabe (russisch ohne Untertitel).
Youtube/RuptlyTV

Prorussische Separatisten haben die Flugschreiber der in der Ostukraine abgestürzten Passagiermaschine an eine malaysische Delegation übergeben. Die Rebellen händigten den zwölf Experten in Donezk im Beisein von 150 Journalisten am Dienstagmorgen die Black Box aus.

Ein malaysischer Experte dankte den Separatisten. Die Geräte, ein Flugdatenschreiber und ein Stimmenrekorder, seien intakt und nur geringfügig beschädigt, sagte er. Die Übergabe fand im Hauptsitz der selbstproklamierten «Volksrepublik Donezk» statt, auch der selbsternannte Regierungschef Alexander Borodaj nahm daran teil.

«Die Blackboxes werden die Wahrheit enthüllen. Wir haben nicht die technische Fähigkeit, dieses Flugzeug zu zerstören.»
Separatistenführer Borodaj

Er sagte bei der Übergabe der Black Boxes, sie «werden die Wahrheit enthüllen». Er bestritt Anschuldigungen, nach denen die Separatisten das Flugzeug abgeschossen hätten. «Wir haben nicht die technische Fähigkeit, dieses Flugzeug zu zerstören», sagte Borodaj. Gleichzeitig erklärte er, er habe im Umkreis von zehn Kilometern rund um die Absturzstelle eine Waffenruhe angeordnet.

Die Delegation hatte nach Angaben der russischen Agentur Interfax den Tag über in Donezk mit den Separatisten verhandelt. Kurz vor der Übergabe hatte der UNO-Sicherheitsrat zudem per Resolution eine unabhängige Untersuchung des mutmasslichen Abschusses der Passagiermaschine gefordert. Alle 15 Mitglieder des Gremiums stimmten dem Papier bei einer kurzfristig einberufenen Sitzung am Montag in New York zu.

«Wir haben nicht die technische Fähigkeit, dieses Flugzeug zu zerstören», sagt Separatistenführer Borodaj (vor dem Mikrofon) bei der Übergabe.
«Wir haben nicht die technische Fähigkeit, dieses Flugzeug zu zerstören», sagt Separatistenführer Borodaj (vor dem Mikrofon) bei der Übergabe.
Bild: MAXIM ZMEYEV/REUTERS

Resolution «ohne Konsequenzen»

Die Resolution fordert eine «umfassende, tiefgreifende und unabhängige Untersuchung» des Absturzes von Flug MH17 mit fast 300 Menschen an Bord, bei der die Internationale Zivilluftfahrtorganisation ICAO eine «zentrale Rolle» spielen soll.

Zudem fordert sie sofortigen ungehinderten Zugang für die Experten zur Unglücksstelle. Im Fall der Nichtbefolgung droht die Resolution allerdings keine Konsequenzen an. Sie verurteilt den mutmasslichen Abschuss des Flugzeugs und spricht den Angehörigen der Opfer Beileid aus.

Zwei Journalisten halten sich die Nase zu, als die Leichen mit in den Zug gebracht werden.
Zwei Journalisten halten sich die Nase zu, als die Leichen mit in den Zug gebracht werden.
Bild: ROBERT GHEMENT/EPA/KEYSTONE

Unterdessen verliess der Zug mit den Überresten von 251 Flugzeuginsassen am Montagabend die Stadt Tores Richtung Charkow. Dort richten niederländische Spezialisten ein Zentrum zur Identifizierung der Opfer ein. Die Niederlande wollen jedoch die Opfer so schnell wie möglich ausser Landes bringen.

«Die Identifizierung geht in den Niederlanden viel schneller», sagte Ministerpräsident Mark Rutte im Parlament in Den Haag. Auf dem Flugplatz von Charkow steht eine Hercules-Maschine der niederländischen Streitkräfte bereit. Nach ukrainischen Angaben wurden an der Absturzstelle 282 Leichen und 87 Körperteile gefunden.

Russische Aufnahmen

Wenige Stunden vor der Sitzung des UNO-Sicherheitsrates in New York präsentierte der russische Generalstab am Montag in Moskau Satellitenaufnahmen und Karten mit Flugbahnzeichnungen vom Absturztag. Der russische Generalleutnant Andrej Kartopolow rief die Amerikaner auf, eigenes Kartenmaterial vom Absturztag zu veröffentlichen.

Eine russische Satellitenaufnahme des Absturzortes.
Eine russische Satellitenaufnahme des Absturzortes.
Bild: AP/Airbus DS/AllSource Analysis

Die Aussenminister der Europäischen Union kommen am Dienstag in Brüssel zusammen, um über die Ukraine-Krise und Konsequenzen aus dem Absturz zu beraten. In der Ostukraine lieferten sich Armee und Separatisten derweil erneut heftige Gefechte. (rey/sda/reu/dpa)

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