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USA

US-Amerikaner zahlen laut Studie von IfW Kiel selbst für Zölle

FILE - President Donald Trump speaks during an event to announce new tariffs in the Rose Garden at the White House, April 2, 2025, in Washington. (AP Photo/Mark Schiefelbein, File)
Donald Trump
Nur etwa vier Prozent der Zolllast trugen ausländische Exporteure, während 96 Prozent auf US-Käufer abgewälzt wurden.Bild: keystone

«Ein Eigentor»: US-Amerikaner zahlen laut Studie selbst für Zölle

19.01.2026, 12:3919.01.2026, 12:39

Die US-Strafzölle belasten nicht die ausländischen Exporteure, sondern die amerikanische Wirtschaft selbst. Das zeigt eine Studie des Kiel Instituts für Weltwirtschaft (IfW Kiel). Die Wirtschaftsforscher analysierten über 25 Millionen Lieferdatensätze mit einem Gesamtwert von fast vier Billionen US-Dollar an US-Importen.

Dabei seien die Ergebnisse eindeutig: Die US-Zolleinnahmen stiegen im vergangenen Jahr um rund 200 Milliarden US-Dollar. Doch nur etwa vier Prozent der Zolllast trugen ausländische Exporteure, während 96 Prozent auf US-Käufer abgewälzt wurden. Gleichzeitig brach das Handelsvolumen ein, ohne dass die Exportpreise sanken.

«Die Zölle sind ein Eigentor», sagt Julian Hinz, Forschungsdirektor am IfW und Mitautor der Studie. «Die Behauptung, dass ausländische Staaten diese Zölle tragen, ist ein Mythos.» Die Zölle verteuerten importierte Waren wie eine Konsumsteuer und verringerten zugleich Vielfalt und Menge der verfügbaren Güter.

Zudem untersuchte die Studie die Zollerhöhungen gegen Brasilien und Indien im August 2025. Dabei stiegen die Zölle für Brasilien auf 50 Prozent und für Indien von 25 auf 50 Prozent. Laut IfW zeigen die Daten, dass ausländische Exporteure in der Folge ihre Preise nicht senkten, um die zusätzlichen Zölle abzufedern.

Hinz: Zölle bringen langfristig Nachteile für alle

Ein Vergleich indischer Exporte in die USA mit Lieferungen nach Europa oder Kanada zeige zudem ein klares Muster. Hinz erklärt: «Exportwert und -menge nach Amerika sanken deutlich, um bis zu 24 Prozent. Aber die Stückpreise – die Preise, die indische Exporteure verlangen – blieben unverändert.» Das heisst, es wird weniger geliefert, aber nicht günstiger.

Die Studie ergab unter dem Strich, dass US-Unternehmen langfristig mit sinkenden Margen und Verbraucher mit höheren Preisen rechnen müssen. Gleichzeitig verkauften exportorientierte Länder mit Schwerpunkt USA weniger und stünden unter Druck, neue Märkte zu erschliessen. «Die Zölle bringen langfristig Nachteile für alle», betonte der Studienmitautor Hinz. (sda/awp/dpa)

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179 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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H.P. Liebling
19.01.2026 13:22registriert September 2018
Wär hätte bloss gedacht, dass die Einwohner des Landes die Zölle zahlen, welches diese erhebt... Das ist ja ein wirtschaftsmathematisches Wunder ^^
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Pontifax
19.01.2026 12:54registriert Mai 2021
Falsch: Langfristig bringen die Zölle Vorteile für alle, die sich vom US-Markt weg orientieren. Schreibt die USA ab und fertig.
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ELMatador
19.01.2026 13:18registriert Februar 2020
Ah nein … das hätte wirklich niemand voraussehen können …

Jeder, der auch nur ein grundlegendes Verständnis von Wirtschaft oder Systemdynamik hat, hat genau das vorhergesagt. Die Analysen der letzten zwölf Monate haben diese Prognosen eindeutig bestätigt.

Sogar viele Kleinunternehmer in den USA, die überzeugte Trump-Befürworter waren und glaubten, er würde ihre Interessen stärken, rudern inzwischen öffentlich zurück. Mittlerweile kritisieren sie offen die Strafzölle, weil sie die negativen Auswirkungen nun direkt selbst spüren.
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