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Gewerkschaft schlägt Alarm: Das Personal in den Pflege- und Altersheimen ist am Anschlag



Jede zweite Pflegeperson in der Langzeitpflege kann sich laut einer Umfrage nicht vorstellen, bis zur Pensionierung im Beruf zu bleiben. Als Ursache ortet die Unia die Ökonomisierung der Pflege und fordert die Abschaffung der Jahresarbeitszeit.

Branchenvertreter der Gewerkschaft Unia sprachen am Freitag vor den Medien vor «alarmierenden Ergebnissen», welche die neuste Pflegeumfrage ergeben hat. Ausgewertet wurden insbesondere die Angaben von 1194 Personen, die in der Langzeitpflege arbeiten.

Grosser Personalmangel

Demnach gaben 47 Prozent der Befragten an, dass sie nicht bis zur Pensionierung in der Pflege arbeiten wollen. Bei den Fachangestellten Gesundheit (FaGe) lag der entsprechende Anteil sogar bei 52 Prozent. Auch beim diplomierten Pflegefachpersonal ist der Ausstiegswunsch mit 45 Prozent augenfällig.

Nur jede und jeder Fünfte denkt, dass dies sein Job ist bis zur Rente. Das sind schlechte Aussichten für eine Branche, in welcher ohnehin grosser Personalmangel herrscht, wie die Unia in ihrer Mitteilung zur Umfrage schreibt.

Gesundheitlich angeschlagen und gestresst

Hauptgrund für den Ausstiegswunsch sind gesundheitliche Probleme. Jede Zweite (49 Prozent) will aufhören, weil der Pflegeberuf ihre Gesundheit schädigt oder ruiniert. Zum einen sind Pflegeberufe per se körperlich und psychisch belastend. Mit der Subjektfinanzierung sei die Pflege zudem ökonomisiert worden.

Die Zerstückelung der einzelnen Leistungen habe die Arbeit intensiviert und stressanfälliger gemacht, erklärten die Unia-Vertreter. 86 Prozent der Befragten fühlen sich laut Umfrage oft müde und ausgebrannt. 72 Prozent gaben an, regelmässig unter körperlichen Beschwerden zu leiden. 70 Prozent erklärten über alle Berufsgruppen hinweg, sie fühlten sich während der Arbeit ständig gestresst.

Unterbezahlt

Zu den gesundheitlichen Risiken kommt hinzu, dass sich die Pflegenden unterbezahlt fühlen. 79 Prozent erachten ihren Lohn als den Anforderungen nicht angemessen, diese Klage kommt insbesondere von Assistenzpersonal.

Eine Pflegehelferin mit einem Pensum von 72 Prozent verdient gemäss den Unterlagen knapp 2900 Franken brutto. Der durchschnittliche Beschäftigungsgrad in der stationären Langzeitpflege in der Schweiz liegt bei 72 Prozent. Viele Pflegende arbeiten angesichts der schwierigen Arbeitsbedingungen Teilzeit. Fast 90 Prozent der Angestellten in der Langzeitpflege sind Frauen.

Flexibilität zu Lasten der Freizeit

Zwei von drei Befragten fanden zudem, die Dienstplanung sei zu wenig fair und ausgewogen. Schwankungen bei der Arbeitszeit hätten wegen der vielerorts üblichen Jahresarbeitszeit in den vergangenen Jahren massiv zugenommen und stellten die Pflegenden vor massive Probleme, sagte Samuel Burri, Branchenverantwortlicher Pflege, gemäss Redetext. Unter der eingeforderten Flexibilität leide dann die Freizeit und das Familienleben der Pflegenden.

87 Prozent waren der Meinung, dass zu wenig Personal angestellt sei. Der gleiche Prozentsatz gab an, nicht genügend Zeit für Bewohner und Patientinnen zu haben. Das Resultat der Überlastung sei eine mangelhafte Qualität der Pflege (92 Prozent).

Angesichts der prekären Befunde der Umfrage verlangt die Unia die Abschaffung der Jahresarbeitszeit und dadurch faire Dienstpläne und Schichtsysteme; weiter brauche es eine faire Finanzierung der Pflege mit fairen Löhnen, die auch bei Teilzeitpensen zum Leben reichten; über höhere Stellenschlüssel müsse zudem das Personal aufgestockt werden.

Kritik an Arbeitgebern und Verbänden

Arbeitgeber und deren Verbände Curaviva und Senesuisse seien sich der kritischen Arbeitsbedingungen und Probleme der Pflegenden zu wenig bewusst, erklärte Burri. Sie negierten die Probleme und zeigten nur mangelhaftes Interesse an einem sozialpartnerschaftlichen Dialog.

Es brauche künftig einen Dialog auf Augenhöhe und einen runden Tisch zwischen Arbeitgebern, Branchenverbänden und Gewerkschaften. Nur ein regelmässiger Austausch und vereinte Kräfte könnten die Probleme der Branche lösen und die Finanzierung auf politischer Ebene verbessern.

Die Pflege-Umfrage wurde vom 15. Oktober 2018 bis 31. Januar 2019 zum grossen Teil online durchgeführt. 2935 Personen haben teilgenommen, 2885 Beobachtungen konnten ausgewertet werden. Die Hauptbefunde stammten von 1194 Angestellten in Alters- und Pflegeheimen. 93 Prozent der Teilnehmenden waren Frauen, 7 Prozent Männer. (whr/sda)

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10Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • sowhat 16.02.2019 18:59
    Highlight Highlight Und wenn man dann noch bedenkt, dass es gar nicht so einfach ist, einen Ausbildungsplatz als FaGe zu finden... Und wie hoch die Hürden dann sind (mehrere müssen ein Praktikum machen und nur eine/r kriegt die Stelle) dann wirds erst recht schräg.
    In dieser Branche stimmt gar nichts mehr. Und dabei soll es einige der wenigen mit Zukunft sein.
    Ich darf gar nicht weiter denken, mir wird schlecht.
  • Mama Mia 15.02.2019 23:53
    Highlight Highlight Dann schauten wir uns alle gegenseitig an. Es ist wenig zu sagen dass uns der Apetit vergangen war. Dann erklärte am Ende die Chefin, da die Externe Grupe die für die zählen von angekräuzte Antworten nicht bis zu dem bestimmtem Datum fertig was, haben sich die Chefe zusammen getan und "ungefähr" die Zufriedenheit vertauscht haben. Wir alle waren so shokiert, dass unsere Zufriedenheit nicht mal im Frage gestwllt wurde. Ich könnte Heulen. Ich wollte eine Bemerkung machen, doch was bringt das? So viel zu Thema Wertschätzung.
    Die Pflegehelferin aus Kt. AG.
  • Mama Mia 15.02.2019 23:49
    Highlight Highlight Die Thema hat was an sich. Besser gesagt, was alles geschrieben ist, habe ich persöhnlich erlebt. Das geilste war, als wir mal eine unfrage machen müssten, es sollte extern abgezählt werden und dann am einen Informationabend mit Nachtessen gezeigt werden. Ich kannte viele Antworten die Kollege angekräuzt haben, das war quasi für alle nicht mehr anonym. Wir haben unter sich alles besprochen. Wir wollten veränderungen, und so könnten wir endlich was bewirken.
    Am Info Abend, war ALLES im grüner bereich. Alle mit den Team, mit den Chefin und Lohn, alle zufrieden. Follgt zweite teil...
  • miarkei 15.02.2019 12:49
    Highlight Highlight Ich würde ja sagen, dass ich schockiert bin, aber leider ist das seit Jahren so.
  • mogad 15.02.2019 10:37
    Highlight Highlight Wo fallen die Kosten der Pflegeheime an, wenn das Personal schlecht bezahlt und überlastet ist? Ein Pflegeplatz kostet um die 6-7000 Fr. pro Monat und Person. Für Leute wohlgemerkt die sehr wenig bis keine Behandlungspflege brauchen. Der Arzt kommt auf Stippvisite, wenn überhaupt. Dann kommt ein Heer von Freiwilligen und Zivildienstleistenden hinzu. Die sind bienenfleissig in den Gängen und Zimmern unterwegs, mit und bei den Bewohnern, während das Fachpersonal hinter Glas sitzt und sich mit unsinniger Bürokratie herumschlägt. Ich hätte wirklich gern mal eine Kostenanalyse.
    • Tasha 15.02.2019 12:20
      Highlight Highlight Alters- und Pflegeheime sind häufig privat, d.h. Gewinnorientiert.

      Den Senioren wird das Geld aus der Tasche gezogen, bis sie auf Ergänzungsleistungen angewiesen sind, danach zahlt der Staat...

      Ist doch schön! So fliesst das Geld in die Wirtschaft.
  • Gogl Vogl 15.02.2019 10:31
    Highlight Highlight Es gibt Dinge, die gehören einfach nicht privatisiert. Damit meine ich Krankenhäuser, Feuerwehren, öffentliche Bildungsstätten, Altenpflege, Wasserversorgung, Gefängnisse etc.

    Selten hat der vorherrschende neoliberale Geist zu einer Verbesserung der genannten Instituationen geführt, eher zu einer Verschlechterung. Ich kann ganz gut nachvollziehen warum niemand die eignene physische und psychische Gesundheit nicht für den Profit einiger Geier verschenken will. Gerade wenn man aus sozialen Gründen in den Pflegeberuf eingestiegen ist, wird man dank der Diktatur der Uhr krank.
    • sowhat 16.02.2019 19:00
      Highlight Highlight Absolut einverstanden
  • AlteSchachtel 15.02.2019 10:11
    Highlight Highlight Dieser Zustand dauert schon Jahre, aber Privatisierung und Gewinnoptimierung interessieren eben einfach mehr als das Wohlergehen von Personal und Patienten.

    Ein Patient, der von zufriedenem guten Personal, welches die verdiente Wertschäftung geniessen darf, betreut wird, könnte womöglich schneller gesund werden...
    • sowhat 16.02.2019 19:04
      Highlight Highlight @alte Schachtel, das ist irrelevant. Es geht darum, Betroffene solange im System zu behalten, wie sie vergütbare Kosten generieren. Wer spricht denn von gesund werden?
      Das ist wie in der Pharma: es werden Medis gebraucht die eine Langzeittherapie sichern, nicht Medis die heilen.

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